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BAYREUTH---BAYREUTHER---HAUS + HOF---HAB + GUT---LITERATUR---INHALT---ANHANG

. . . UM 1320---STADTGESCHICHTE BIS 1430---HANDEL + HANDWERK---SPURENSUCHE---STADTARCHÄOLOGIE

BT1320planGrabung
Der gesamte Boden der Bayreuther Innenstadt ist bekanntermaßen ein Bodendenkmal. In ihm liegen, im Erdreich erhalten geblieben, die Reste abgetragener Bebauung und Infrastruktur. Darunter auch Verlorenes oder Weggeworfenes ihrer Bewohner und somit die Geschichte der Stadt. Seit 1998 begleiten, wenn auch nicht immer, archäologische Grabungen die Baumaßnahmen innerhalb der historischen Stadtmauern. Hier findet sich dann mit Hilfe der Archäologie vieles aus der Stadtgeschichte bestätigt, ergänzt oder neu bewertet, aber manchmal bleiben auch Fragen. Und leider kann nicht an allen Stellen bis, sozusagen, zu den Anfängen zurückgegraben werden, da die Archäologen bei baubegleitenden Untersuchungen üblicherweise nur so tief graben dürfen wie es die jeweilige Baumaßnahme nötig macht. Was tiefer im Boden liegt, bleibt zukünftigen Untersuchungen vorbehalten.
 
Am Kirchplatz 6 (A) fand, im Rahmen des Umbaus des Gebäudes zum Historisches Museum in den Jahren 1989/90, die Grabung "Alte Lateinschule" statt. Hier wies man, für die Zeit ab ca. 1200 die erste Erschließung an diesem Platz nach, ab der Mitte des 13. Jh. die erste Bebauung in Pfostenbauweise sowie die Niederlassung von Handwerkstätten. In die ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert man hier den Übergang zum Ständerbau, samt verdichteter Bebauung und einheitlicher Ausrichtung der Gebäude entlang der Gassen. Die nach der Stadtzerstörung durch die Hussiten 1430 wiedererrichteten Gebäude hatten dann steinerne Untergeschosse, mindesten aber steinerne Sockel die das Fachwerk trugen. Sie orientierten sich aber weiterhin an der Struktur der bestehenden Gassen. Das änderte sich erst mit dem Neubau der Lateinschule 1616 – 18 (1).
 
In der Kämmereigasse 7 (B) fand sich 1991, bei einer Notgrabung, Im Vorfeld einer Neubaumaßnahme, der ungestörte Brandhorizont von 1430 und darunter der Nachweis von Eisenverhüttung aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, ebenso Pfostenbauten aus dem gleichen Zeitraum (2).
 
Im Innenhof 1 der Regierung von Oberfranken (C), Kanzleistraße 7, fand 2002, vor anstehenden Kanalbauarbeiten, die archäologische Untersuchungen "Ehemalige Schmiedgasse" statt. Das Gelände scheint zwar seit der Zeit um 1200 genutzt worden zu sein, aber eine Bebauung lässt sich erst mit einem 1340 errichteten Brunnen nachweisen. Natürlich fand sich auch hier, über dem zwischenzeitlich verfüllten Brunnen, der Brandhorizont von 1430. Leider gab die Grabung keine Auskunft über den Hausbau in dieser Gegend, hierzu war die Grabung leider zu kleinflächig. Allerdings verraten die Funde hier ansässiges Gewerbe und gehobenes städtisches Bürgertum das komfortabel zu wohnen verstand, aber wohl nicht der absoluten städtischen Oberschicht angehörte (3).
 
Auf dem Gelände Maxstraße 62 (D) wurde 2007/08, veranlasst durch eine Neubaumaßnahme, eine großflächige archäologische Grabung durchgeführt. Hier konnte man nicht nur die Resten des aus Schriftquellen an diese Stelle bereits bekannten fürstlichen Kornspeichers fassen, sondern auch dessen Vorgänger, wohl Wohnhäuser möglicherweise auch der fürstliche Stall. Dabei aber auch zwei Brunnen, einer aus dem 16. Jahrhundert, der andere, im Zwinger zwischen äußerer und innerer Stadtmauer, wohl aus den 15. Jahrhundert (evtl. auch älter). Außerdem gelang hier, gleichfalls der Nachweis eines Torgebäudes. Darüber hinaus fanden die Archäologen bei dieser Untersuchung auch Straßenpflaster des 16. Jahrhunderts und einen die gesamte Grabung querender Kanal aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert. Wie sich später herausstellte, ein Teil des Tapperts (4).
 
Die gesamte Obere- und Untere Maximilianstraße samt Ehrenhof ("Altes Schloss") wurde zwischen 2009 und 2012 im Rahmen der Neugestaltung der Fußgängerzone, die Baumaßnahmen begleitend, immer wieder archäologisch untersucht.
Vor der Mohrenapotheke, Maximilianstraße 57, (E) konnten 2009 nah beieinander und in zwei aufeinanderfolgenden Grabungen gearbeitet werden. In der ersten Fläche fanden sich Straßenpflaster aus dem 17. Jahrhundert und Reste damaliger Markt- und Fleischerbuden. Darunter wiederum, Befunde eines Grubenhauses, dessen Beschaffenheit erlaubte es, in die frühe Urnenfelderzeit (ca. 1200 v.Chr.) zu datieren. Was damit die bis dato älteste nachgewiesene Bebauung am Ort wäre.
Die zweite Fläche, etwas weiter in Richtung Marktplatzmitte, förderte die Reste von gleich zwei Gebäude zu Tage, zum einen ein Steingebäude samt gemörteltem Fußboden neben einer Brandschicht aus dem 15. Jahrhundert. Entsprechend den Geschichtsquellen wohl das 1430 niedergebrannte Rathaus. Zum anderen, direkt daneben, große Sandsteinquader in einer Baugrube, die mit den Schutt des Vorgängerbaus verfüllt wurde. Man kann hier davon ausgehen das es sich um das Nachfolgerrathaus handelt der seinerseits 1621 einem Brand zum Opfer fiel. Es fand sich jedoch noch eine weitere Schicht hölzernen Brandschutts die allerdings klar ins 12. Jahrhundert datiert und damit eine weitere, den Bränden von 1430 und 1621 vorausgegangene, Brandzerstörung am Ort zeigt (5).
Vor dem Alten Schloss, auf Höhe Maximilianstraße 6 (F), wurde 2009 die Straße zweimal archäologisch untersucht. Die erste Untersuchung förderte mächtige Sichtmauerreste zu Tage die die Straße im rechten Winkel queren, sich aber mangels Begleitfunden nicht datieren lies. Naheliegen war zu diesem Zeitpunkt hier eine Toranlage zu vermuten.
In Rahmen der zweiten Untersuchung, einige Monate später, fanden sich weitere, auffallend breite Mauern eines nach Süden laufenden Gebäudes. Das alles zusammen legt das tatsächliche Vorhandensein eines Tordurchlasses in der Stadtmauer an diese Stelle nahe, da hier die Stadtmauer doch tatsächlich unter dem Ostflügen des Schlosses verläuft und, wie auch die hier vorgefundenen Befunde, mit dem im Regierungshof erhaltenen Stadtmauerrest fluchtet. Datieren lassen sich diese Mauerreste ins 15. bis 16. Jahrhundert. Anzumerken ist hier noch, das die Ortsforschung das "Obere Tor" weiter in Richtung Sternplatz vermutet. Was aber kein Widerspruch sein muss, da es auch durch zeitlich aufeinanderfolgende Anlagen zu erklären wäre (6).
Der Boden unter dem Ehrenhof (G) wurde von 2009 bis 2012 vielfach, baubegleitend, archäologisch untersucht. Zuerst im Übergang zur Maximilianstraße. Hier lagen zwei Steinhäuser aus dem 15. Jahrhundert verborgen, vermutlich die nach dem Hussiteneinfall neu errichtete Bebauung entlang des Marktes (7). Die natürlich auch hier vorkommende Brandschicht von 1430 verrät darüber hinaus, dass hier vorher Fachwerkhäuser standen (8).
Entlang der Fassade des Westflügels lies sich, bei einer weiteren Bodenöffnung Reste der Sandsteinbebauung sichern die dort vor dem Schloss gestanden hatte (9). Später fanden sich hier noch, etwas weiter in Richtung Nordfassade, massive Gebäudereste aus dem 15. Jahrhundert und eine Abfallgrube der herrschaftlichen Küche (10). Bei einer nochmaligen Untersuchung dieser Ehrenhofseite, diesmal nahe der Ecke zur Maximilianstraße, konnte dann eine Schicht des 13. Jahrhundert gefasst werden und mit ihr der Nachweis für Holzbebauung an dieser Stelle. Deren Brandschicht schnitten die Fundamente eines Hauses des 15. Jahrhundert welches seinerseits im 17. Jahrhundert brannte und dann später, wie wohl alle Gebäude auf Breite des heutigen Ehrenhofs, einplaniert wurden um dem Schloss Platz zu schaffen. Aber auch der Schlossbrand von 1753 konnte hier gefasst werden (11).
Gegenüber, vor der Ostfassade des Ehrenhofs, fand sich, sozusagen als Fundament des heutigen Schlosses, Mauern eines Vorgängerbaus, datiert zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert. Naheliegend wäre, dass es sich hierbei um Reste der Burg handelt, deren tatsächlicher Standort dann hiermit gesichert feststehen würde (12). Daneben legte man hier auch eine durchgehende Kulturschicht des 13. Jahrhunderts frei, deren Funde sich übrigens mit den Funden die in der Alten Lateinschule gemacht wurden decken. Außerdem, an der Stirnseite des Schlosses noch, der damaligen Burg vorgelagert, die Reste eines massiven Steinhauses, vermutlich wohl das sog. "Weiß’sche Haus". Welches, im Übergang von der Burg zum Schloss, als Kanzlei gedient haben soll (13).
Auf Höhe Maximiliansstraße 65 (H), gegenüber der heutigen Spitalkirche, sind 2010 innerhalb weniger Monate zwei archäologische Grabungen durchgeführt worden. Erstere faste den Tappert, der hier in etwa drei Meter Entfernung entlang der Häuserfronten der Marktplatzsüdseite seinen Lauf hatte und an dieser Stelle dann weiter in Richtung Maxstraße 62 (D) abbog und dort mit dem 2007/08 ergrabenen Kanal fluchtet. Daneben fand sich der Nachweis für ein Steingebäude aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und wohl schon zur Zeit des Hussiteneinfalls hier gestanden haben muss. Bemerkenswert, der Nachweis für Holz- oder Fachwerkhäuser an dieser Stelle gelang nicht (14).
Die zweite Grabung legte auf ganzer Fläche Straßenpflaster mit Fuhrrinnen frei, die Pflasterung des Marktes vor 1430, das an der hier freigelegten Stelle so stark ausgefahren ist das eine Toranlage denkbar wäre, was sich aber archivarisch durch nichts beweisen lässt.
Darunter wiederum fand sich eine weitere Pflasterung, diesmal aus dem 13. Jahrhundert sowie korrodiertes Eisen und unter dieser, Sandstein der massiv mit Rost versetzt war, was auf eine Schmiede in unmittelbarer Umgebung schließen lässt, wohl aus dem 13. oder 14. Jahrhundert (15).
In Bereich Pauschenberglein/Dammallee (I) fanden sich 2011neben alten Holzrohren eine Tordurchfahrt durch die Stadtmauer und die Fundamente von Torhaus und Torturm. Letzterer dürfte einmal so hoch wie die Stadtkirche gewesen sein. Des Weiteren befanden sich Reste eines wahrscheinlich zur Haupttoranlage gehörenden Gebäudes samt Fußboden und Außenmauer im Boden, welches sicher vor dem 16. Jahrhundert errichtet wurde. Im übrigen bargen die Archäologen, noch etwas weiter in Richtung Spitalkirche, Funde aus dem 13. und 14. Jahrhundert (16).
 
Das Umfeld der Stadtkirche (J) erfuhr seine archäologische Untersuchung, die Kirchensanierung begleitend, im Winter 2011. Hier fand sich, neben den bereits bekannten Bestattungen, die ersten aus der Zeit um 1200, die letzten im Jahre 1553, überraschende Befunde am südöstlichen Fundament der Kirche. Dabei stehen die Strebpfeiler des Chors versetzt auf ihren Fundamenten. Möglicherweise eine Planänderung beim Bau der Kirche, was aber unwahrscheinlich erschein, da eben jene Befunde eine Anbindung an ältere Elemente zeigen. Denkbar wäre aber auch ein gotischer Vorgängerbau. Das würde dann aber das Alter des bestehenden Chores in Frage stellen. Ebenfalls an diese Seite des Chors, an das bestehende Kirchengebäude anschließend, Reste eines innen verputzten Raumes der möglicherweise als Sakristei oder Beinhaus gedient haben könnte (17).
 
Das alles lag und noch viel mehr liegt im Boden unter dem Pflaster der historischen Altstadt verborgen. Bleibt zu hoffen das auch bei künftigen Bauarbeiten die in das Bodendenkmal "Historische Altstadt Bayreuth" vordringen auch weiterhin die Archäologie die Chance erhält den einen oder anderen weißen Fleck in der Stadtgeschichte mit Fakten zu füllen.
Die nächste archäologische Untersuchung wird nicht lange auf sich warten lassen. Schon Anfang 2013 soll im Bereich Maximilianstraße 6 (F) erneut gegraben werden.
Aber auch wir werden "weitergegraben". Zum einen zu eben jener, bald anstehenden Grabung, zum anderen, zu den hier schon besprochenen Grabungen am Marktplatz die bis zum Sommer 2009 durchgeführt wurden. Zu ihnen liegt, leider unveröffentlicht, eine Magisterarbeit an der Uni Bamberg vor. Sobald uns ein Exemplar vorliegt, wird dieser Artikel natürlich entsprechend ergänzen.
 
 
_________________________
1) Müller 1996, S. 52f.
2) Segl 1995, S. 92
3) Bischof 2010, S.122ff.
4) Matschke 2012, S. 7
5) Waha 2009a, S. 11
6) Waha 2009b, S. 13
7) Waha 2009c, S. 14
8) Waha 2009d, S. 14
9) Waha 2010a, S. 11
10) Waha 2011a, S. 17
11) Waha 2012, S. 12
12) Waha 2011b, S. 12
13) Waha 2011c, S. 15
14) Waha 2010b, S. 11
15) Waha 2010c, S. 13
16) Waha 2011d, S. 11
17) Waha 2011e, S. 11

 

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