EINRICHTUNG

Im Vergleich zu einem modernen Haushalt nimmt sich die mittelalterliche Einrichtung sehr bescheiden aus. Tisch, Bänke, Hocker und Wandregale waren die Grundausstattung in der Stube. Dort am (Kachel)Ofen sind auch Ofenbank und sog. Ofengestelle, zum Trocknen der Wäsche, anzunehmen (1). Die Betten standen generell in einer (Schlaf)Kammer. Sofern die Kinder nicht, wie allgemein üblich, bei den Eltern schliefen, standen in der selben Kammer noch separate Kinderbetten. In Städten findet man Betten gelegentlich auch in der Stube. Dann aber als Kasten- oder Himmelbett. Truhen für Kleidung, Dokumente und Wertgegenstände haben in keinem Haushalt gefehlt. Ihnen ist, von der Verwendung als Bettlade, eine halbhohe Truhe an der Längsseite des Bettes, kein bestimmter Platz zuzuordnen, Standorte in Nebenkammern, Tennen und Dachböden sind denkbar (2).

Archäologisch ist die Einrichtung mittelalterlicher Gebäude nur schwer zu fassen, werden sie doch, sofern nicht fest ins Gebäude integriert, von ihren Besitzer mitgenommen oder weitergegeben. Waren Möbel aber unbrauchbar wurde das Holz zuweilen, nicht nur bei großen Teilen, wiederverwertet oder fand seinen Weg ins Feuer von Herd und Ofen, eher selten in die Abfallgrube (3). In den Boden gelangt übersteht das Holz selbst unter optimalen Erhaltungsbedingungen die Zeit nur schwer. Entsprechend selten sind hölzerne Fundobjekte und noch seltener Bestandteile von Möbeln. Nur ihre metallene Beschläge, Schlüssel und Schlösser, die die Jahrhunderte besser überstehen, erlauben dann den indirekten Nachweis für entsprechendes Mobiliar durch eine Grabung. Da aber Möbel (bei entsprechendem Holz), extrem langlebig sind, überlebten sie vereinzelt als Erbgut in den Familien oder als funktionaler Bestandteil von Gebäuden bis in die Gegenwart und geben heute in Museen und Sammlungen Auskunft über ihre Konstruktionsweise. Trotzdem helfen diese zumeist prunkvollen Stücke beim Nachbau der schlichten Möbel eines bürgerlichen Haushalts nur bedingt. Einzig Truhen und Schränke sind auch in einfachsten Ausführungen erhalten. Bei Hockern, Bänken, Tischen und Betten müssen dann Bildquellen weiterhelfen. Wobei gerade diese, durch künstlerische Tradition und Freiheit in der Darstellung nur bedingt als einzige Grundlage für die Rekonstruktion mittelalterlicher Möbel geeignet sind.


Hocker, Eiche

Einfache Hocker wie dieser, nach einer Miniatur aus dem Luttrell Psalter (um 1330), waren das Sitzmöbel schlechthin in Haushalt oder Werkstatt. Stühle waren in den Häusern der Bürger und Handwerker nicht üblich, sie und das damit verbundene abgerückte, freie sitzen waren ein herrschaftliches Status- bzw. Standessymbol (4).    


Bank, Eiche

Bänke waren kein zwingen fest im Gebäude eingebautes Möbel. Analog zum Hocker waren sie auch, wie z.B. im Heidelberger Sachsenspiegel (Anfang 14. Jh.) zu sehen, als bewegliche Sitzgelegenheit gebräuchlich


Schragentisch, Fichte/Tanne

Bei diesem frühen Typ des Schragentisches liegt die Tischplatte lose auf zwei dreibeinigen Holzböcken auf. Bei Bedarf, z.B. zur Einnahme der Mahlzeiten oder als zusätzlicher Arbeitstisch, konnten diese Tische einfach auf- bzw. wieder abgebaut werden. Eine Konstruktion die über lange Zeit keine prinzipielle Veränderung erfährt (5). Entsprechend den Bildquellen gab es im Spätmittelalter verschiedene Tischformen nebeneinander. Neben dem hier vorgestellten Typ noch Tische auf verzierten Seitenwangen, auf vier Stollen oder auf schräg gekreuzten Beinen (6).


Bett (mit Bettausstattung*)

Betten dürften der allgemein übliche Schlafplatz gewesen sein (7). Die mit dem Möbel einhergehende höhere Schlafposition, schützt Bettzeug und den/die Ruhenden von der feuchten Kälte des Bodens und bieten gleichzeitig einen gewisser Schutz vor Schmutz und Ungeziefer (8).

Im Bettgestell, hier ein Spannbett (quer und längs gespannten Seile bilden die Bettauflage) mit mäßig hohem Kopfteil, liegt zuunterst ein Strohsack. Darüber eine mit Daunen/Federn gefüllte Matratze, das Unterbett. Am Kopfende des Bettes und somit unter dem oberen Rücken des/der Ruhenden liegt ein bettbreites Polster. Es ermöglicht eine erhöhte Liegeposition. Darüber sind ein Paar Laken aus Leinen gebreitet (9). Angenommen wird, dass das untere Laken als Bedeckung der Bettunterlage dient, das obere Laken als Überschlagtuch für die Decke. So das der/die Ruhende zwischen den beiden Laken zu liegen kommt (10). Auf dem Paar Laken liegt eine Wolldecke. Vor dem Polster auf dem Laken liegen verschieden große Kissen. Das Kleinste, ein sog. Kopf- oder Wangenkissen, liegt vor dem Polster- und Kissenberg. Es ist bestickt und hat Quasten an den Zipfeln und hat vom Nutzen abgesehen, auch eine Repräsentationsfunktion (11).

Etwas ausführlicher behandelt, findet sich das Thema "Spätmittelalterliches Bett", HIER bei uns im ANHANG. Zu finden unter den Aufsätzen, als PDF zum downloaden.


1) Heidrich 1997, S. 129

2) Heidrich 1997, S.133ff.

3) Müller U. 1995, S. 286

4) Heidrich 1997, S. 128f.

5) Mosler-Christoph 1996, S. 183

6) Heidrich 1997, S.128

7) Bei der Recherche hierzu ist uns, bei um die 100 Bettstätten, nur ein als „Matratze“ bezeichnete Ruhelager begegnet. In: Szabo, Thomas; Xenodochia, Hospitäler und Herbergen - kirchliche und kommerzielle Gastung im mittelalterlichen Italien (7. bis 14. Jahrhundert). In: Gastfreundschaft, Taverne und Gasthaus im Mittelalter. S. 61-92. Herausgegeben von Peyer, Hans Conrad unter Mitarbeit von Müller-Luckner, Elisabeth. Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 3. München Wien 1983

8) Mosler-Christoph 1998, S. 143

9) In zeitgenössischen Illustrationen ist zu beobachten, dass zu Beginn des 14. Jahrhunderts das Polster und der Kopfteil des Bettes, zumeist mit dem unteren Laken bedeckt sind. Das Polster, ebenso wie das zweite Laken bleibt verborgen. Gegen Ende des Mittelalters bedeckt das Laken häufig nur noch das Unterbett, so dass das Polster sichtbar wird. Ebenso das zweite Laken, es umschlägt, gut sichtbar, das obere Ende der Bettdecke.

10) Mosler-Christoph 1998, S. 149

11 ) Ebd, S. 153

* Strohsack: Leinen mit Strohfüllung. Unterbett: Leinen mit Federfüllung. Laken: Leinen. Decke: Wolle. Polster und Kissen: Leineninletts mit Federfüllung. Polster und Kissenbezüge: Leinen. Wangenkissenbezug: Leinen, einseitig mit Wolle bestickt, Quasten aus Wolle.