14. Jahrhundert Talg Licht

FEUER + LICHT

Feuer war im mittelalterlichen Haus allgegenwärtig. Gekocht wurde am Herd, einer etwa kniehohen, aus Ziegeln oder Steinen gemauerten und lehmverstrichenen Herdplatte, am offenen Feuer (1). Der Rauch zog durch den Dachstuhl über Öffnungen im Dach oder einen Kamin ab. Somit war die Küche nur bedingt rauchfrei.

Der einzige rauchfreie Raum im Haus war die Stube, möglich durch die Entwicklung des Kachelofens. Zog der Rauch der bis dahin offenen Feuerstelle im Raum über Dach, Rauchabzug oder die Tür ab, wurde er jetzt aus dem Ofeninneren, mittels eine Wanddurchführung in Küche oder Flur und weiter durch Dach oder Kamin abgeleitet (2).

Beleuchtet wurden die Räume mit Tagkerzen oder mit Öl oder Talg gefüllten Lampenschälchen oder Schaftleuchtern. Bienenwachskerzen waren teuer und nur in entsprechenden (wohlhabenden) Haushalten oder Kirchen zu finden. Häufig fanden auch Kienspäne Verwendung, welch jedoch durch das verbrennende Harz stark rußen (3).


Herd

Offene Herde sind häufiger in der Stadt und dort wohl eher in großbürgerlichen Haushalten aber nur selten auf dem Land gesichert nachzuweisen (4). Der Herd stand dabei an der sog. Brandwand und war üblicherweise von drei Seiten zugänglich (5). Verfügte das Haus nicht über solch einen separaten Herd, wurde durch das Schürloch, von der Küche aus, im Kachelofen gekocht. Die Töpfe wurden dabei mit der Ofengabel in den Ofen gestellt bzw. herausgenommen (6).


Kachelofen

Solche Öfen (7), zum Raum hin geschlossen, machten die Stube völlig rauch- und aschefrei. Sie wurden durch ein Schürloch über Küche oder Flur beheizt, durch welches gleichzeitig auch der Rauch, zurück in Küche oder Flur und weiter durch Dach oder Kamin, abzog. Archäologisch sind Kachelöfen bereits zum Ende des 10. und Anfang des 11. Jahrhundert nachgewiesen, im städtischen Hausbau seit der Zeit um 1200 (8). In Nordbayern dürften sie dann ab dem 14. Jh. in Stadt und Land bereits allgemein üblich gewesen sein (9). Im Bayreuther Fundgut findet sich entsprechende Becherkacheln aus der Zeit zwischen Mitte 13. Jh. und der 2. Hälfte des 14. Jahrhundert.


Lampenschälchen, weiße Drehscheibenware

Solche Lampenschälchen mit gedrückter Dochtmulde sind aus beinahe jeder spätmittelalterlichen Fundstelle Süddeutschlands und Österreichs bekannt. Regional findet sie sich z. B. in Kronach aus dem 13./14. Jh. und in Bamberg aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts (10). Im Bayreuther Fundgut sind entsprechende Fragmente für die Mitte und die 2. Hälfte 14. Jh. nachweisbar (11).


Schaftleuchter, weiße Drehscheibenware

Bayreuth, 1. Hälfte 14. Jahrhundert. Bei Schaftleuchtern ruht das Lampenschälchen auf einem hohlen Fuß. Sie verändern ihr Aussehen bis in die Neuzeit kaum, wie barockzeitliche Funde von glasierten Schaftleuchtern im Kloster Thierhaupten zeigen (12). Der hier gezeigte Leuchter rekonstruiert den Fund entsprechend einem Bamberger Vergleichsstück. Bemerkendwert der Tubus am Henkelansatz, er nimmt einen Ersatzdocht auf (13).


Beleuchtungshalter mit zylindrischer Hülse, Eisen (Kienspan = Kiefer)

Solche Halter, hier mit vertikalem Dorn, finden sich z.B. in Schleswig seit der Mitte des 12. Jahrhunderts (14) und in London vom späten 13. Jh. bis in Mitte des 14. Jahrhunderts (15). Wobei bei diesem Haltertyp unklar ist wie er an Ort und Stelle befestigt wurde. Ein Holzstück als Fuß, wie hier, ist zwar vorstellbar, muss aber als Rekonstruktion spekulativ bleiben.


Laterne, Laubholz (Fenster: Horn)

Ikonographisch lassen sich solche Laternen mindestens seit der Mitte des 13. Jahrhunderts (16) und bis über das Mittelalter hinaus (17) vielfach und nahezu unverändert, nachweisen. Einzig Material und Form der Kuppel scheinen zu variieren, wobei die verschiedenen Varianten nebeneinander gebräuchlich gewesen sein dürften. Als direkter Pate für die hier gezeigte Laterne diente ein besonders detailreich wiedergegebenes Exemplar aus dem „Très belles Heures de Notre-Dame“ (18).


Feuerstahl, mit Feuerstein und Zunder (Rohrkolbensamen)

Bayreuth, 2. Hälfte 14. Jahrhundert. Nach einem Fragment aus der Grabung "Ehemalige Schmiedgasse" das eine entsprechende Deutung als Feuerstahl zulässt. Ein vergleichbarer Fund stammt aus der Schweiz und ist dort grob vom 12. - 15. Jh. datiert (19). Ein weiteres ähnliches Stück, jedoch mit kugelförmigen Enden, fand sich in Schleswig, dort aus dem 13. Jahrhundert (20).


1) Dumitrache 1992-93, S. 282

2) Dumitrache 1992-93, S. 280

3) Heidrich 1997, S. 131.

 4) Bedal 1997, S.56 5) Dumitrache 1992-93, S. 282

6) Bedal 1997, S. 57

7) Eine freie Rekonstruktion im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim

8) Dumitrache 192-93, S. 280f.

9) Bedal 1997, S. 46

10) Löw 2001, S. 65

11) Bischof 2010, S. 64

12) Löw 2001, S. 65f.

13) Müller 1996, S. 43

14) Saggau, 2000, S. 13

15) Egan 1998, S. 142f.

16) u.a. Maciejowski Bible, Pierpont Morgan Library. MS M.638, fol. 13r.

17) u.a. Der düstere Tag, von Pieter Bruegel d. Ä., entstanden 1565.

18) Très Belles Heures de Notre Dame de Jean de Berry. BNF Nouvelle acquisition latine 3093, fol. 181r.

19) Bischof 2010, S. 115 20) Saggau 2000, S. 13