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Blumentöpfe III – Voll im Bilde

Bayreuth, 18. Oktober 2026

 

Lasst uns doch noch einmal zu unseren Blumentöpfen HIER im Blog zurückkehren und zu dem dafür zugrundeliegenden Artikel: Ungewöhnliche Keramikfunde aus den Grabungen des Jahres 2008 in Bruchsal von Uwe Gross. Ihr erinnert euch sicher. Uwe Gross erklärt darin, dass Blumentöpfe bereits in den Haushalten des Hochmittelalters durchaus gebräuchlich waren, sich dieser Sachstand aber nicht im Fundgut (geringe Anzahl) widerspiegelt. Für Gross erklärt sich das dadurch, dass anfangs, wohl keine spezifischen Gefäßformen für Pflanzgefäße vorlagen und man sie daher nur schwer von den Gefäßen aus Küche und Vorratshaltung unterscheiden konnte. Einzig die Löcher zur Vermeidung von Staunässe im Gefäßboden, könnten Töpfe als Blumentöpfe ausweisen. Gross merkt in diesem Zusammenhang auch noch an, dass Töpfe mit durchlochtem Boden, dass seiner Meinung nach zu oft als Siebgefäße missgedeutet werden. Für uns durchaus nachvollziehbar. Vor allem bei Töpfen mit nachträglich durchlochtem Boden.

Illustriert wird der Artikel unter anderem mit einem Bildausschnitt aus der Zeichnung „Maria im Blumenhag, das Kind anbetend“ das dem sogenannten Meister der Gewandstudien (auch Meister der Coburger Rundblätter genannt) zugeschrieben wird und sich im Besitz des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen Berlin befindet. Und dieses Bild in Ganzen, plus einem größeren Bildausschnitt, wollen wir euch hier nachreichen. Eindeutig zu sehen darauf, ein Standbodentopf als Pflanzgefäß. Links daneben aber auch noch einen Kugeltopf(?) und eine Kanne/Krug(?).  Beide unserer Meinung nach ebenfalls als Pflanzgefäß genutzt. Und das am Ende des 15. Jahrhunderts. Einer Zeit, in der für Blumentöpfe bereits ganz eigenständige Formen ausgebildet waren. Bis hin zur kegelig-steilwandigen Form, die heute noch üblich ist.

 

Quelle/Literatur:

Gross, Uwe: Ungewöhnliche Keramikfunde aus den Grabungen des Jahres 2008 in Bruchsal - Teil 1: Ein hortus condusus en miniature (?). In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg - Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege. 38. Jahrgang 3/2009. S. 186-187. URL: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/944/. Stand 8. Juni 2025.

Bild und Bildausschnitt: Meister der Gewandstudien (auch Meister der Coburger Rundblätter genannt): Maria im Blumenhag, das Kind anbetend (1480-1500). Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett /Jörg P. Anders. https://search.smb.museum/object/obj-1049719?q=KdZ+4051&has_images=true. Public Domain Mark 1.0. Stand 15. Oktober 2026.


Toilettenhäuschen in situ - Kurz und Knapp XII

Bayreuth, 11. Oktober 2026

 

Ihr erinnert euch doch sicher noch an unseren Blogbeitrag zu öffentlichen Toiletten in Nürnberg. Und dann wahrscheinlich auch noch an den Bildausschnitt aus dem sog. Braunschen Prospekt der Stadt Nürnberg von 1608, den wir damals genutzt haben und auch hier und jetzt wieder nutzen. Namentlich, die (mutmaßliche) öffentliche Abortanlage « (…) pei der parfüsen prücken  (…) », der heutigen Museumsbrücke.

Doch wie kann man sich ein solches Toilettenhäuschen von innen vorstellen? Klar braucht es für die Antwort auf diese Frage nicht allzu viel Phantasie. Mehr als eine Holzkiste mit dem Rücken zur Wand und mit einem großen Loch im Sitzbrett wird es da nicht gehabt haben. Damals nicht und noch bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht. Aber war da tatsächlich nicht mehr? Diese Frage beantwortet ganz wunderbar der Artikel Hölzerne Infrastruktur des Mittelalters aus dem sogenannten Gründungsviertel der Hansestadt Lübeck von Jörg Harder. Zu lesen in Band 24 (2012) der Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit - Holzbau in Mittelalter und Neuzeit. Der zeigt nämlich ein durchaus ähnliches hölzernes Toilettenhäuschen. Zwar bereits aus dem 13. Jahrhundert, nicht so groß wie auf unserem Bildbeispiel und über einem Kloakenschacht errichtet, war es trotzdem wie der Abort « (…) pei der parfüsen prücken  (…) », ein eigenständiges Gebäude mit (mutmaßlich) Pultdach. Allerdings mit einer, zumindest aus heutiger Sicht, bemerkenswerten Besonderheit in seinem Inneren, welche aber im Mittelalter absolut nichts Ungewöhnliches war. Das Abortbrett des (einen) Toilettenkastens verfügte nämlich über zwei nebeneinanderliegende Durchlässe. Will heißen, die Toilette konnte von zwei Personen gleichzeitig genutzt werden. Aber lest doch einfach selbst.

Und wenn wir jetzt den Bauforscher in euch geweckt haben und ihr mehr zu eben jenem Lübecker Toilettenhaus erfahren wollt, bemüht doch mal euren Academia-Account und sucht dort nach: Aparter Abort – ein erhaltenes Toilettenhaus des 13. Jahrhunderts. Da wird es dann richtig ausführlich. Brett für Brett und Balken für Balken.


Wein! Ausschank! Stehtisch! – Dolce Vita

Bayreuth, 3. Oktober 2026

 

Vor zwei Wochen hatten wir ja die Frage nach Tresen oder Schanktisch in mittelalterlichen Gaststuben. Und ihr erinnert euch sicher ... es hatte solcherlei tischartige Trennung zwischen Gast und Wirt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gegeben. Allerdings und dass haben wie ja auch schon gespoilert, ist uns in unserer Bilddatenbank doch etwas in der Richtung begegnet. Also ein Tisch an dem, oder über den hinweg, dann doch Getränke an den Gast gebracht werden. Und zwar in einer der vielen und allseits bekannten Tacuina Sanitatis. Genauer gesagt im sog. Wiener Tacuinum Sanitatis, Codex s. n. 2644 von Ende des 14. Jahrhunderts. Eben jenes im Original von dem arabischen Mediziner Ibn-Buṭlān (gestorben um 1065), man könnte sagen als Gesundheitsratgeber, verfasste Buch.

Und in eben jener Ausgabe aus dem späten 14. Jahrhundert dann, vermutlich habt ihr euch auch schon einmal über ihn gewundert: Dieser ungewöhnliche Stehtisch (siehe Bild 1) mit oben umlaufender Randleiste und einem Kastenaufbau an einer der Querseiten, an welchem augenscheinlich Getränke ausgeschenkt werden.

Aber ist euch schon mal eine Deutung zu solchen Tischen begegnet? Uns jedenfalls bis vor Kurzem nicht! Da ist uns nämlich das Buch/PDF, Weinproduktion und Weinkonsum im Mittelalter von Michael Matheus in die Hände gefallen. Und darin lies uns eine Textpassage genau an jene Art Tisch denken. Dort liest man nämlich, dass im Lüneburger Schankkeller, der dort angestellte und vereidigte Weinzapfer « (…) den Wein immer mit dem rechten Maß auszuschenken und den Verkaufserlös gewissenhaft zu verwahren sowie auch schriftlich über die Ein- und Ausgaben Buch zu führen (...) » hatte. Verwahrt, wie es dort heißt, wurden die Einnahmen, indem sie in eine als Kasse dienende Kiste geworfen wurden, die im Weinkeller stand. Und genau dass könnte unserer Meinung nach, auch der Kastenaufbau des Tacuinum Sanitati-Tisches sein. Eine Kasse oder Geldlade. Dazu würde auch ganz wunderbar der  Münzeinwurf (?) in deren Deckel (Bild 2) passen. Womit wir dann bei der kommerziellen Gastlichkeit wären. Einer Weinschenke augenscheinlich. Steht doch die Überschrift "vinum rubeum grossum", für kräftigen Rotwein. Außerdem beschreibt der begleitende Text den gesunden Umgang mit eben diesem.

Welche Funktion dagegen die umlaufende Randleiste hat, erschließt sich uns nicht. Allerdings bedingt diese scheinbar nicht zwingend einen Kastenaufbau, wie uns wiederum Folio 84 verso eines anderen, nämlich dem Pariser Tacuinum Sanitatis, Ms. Latines 9333, zeigt. Aber eventuell bedingt der kommerzielle Ausschank von Wein eben jene Randleiste. Denn jenes Folio 84 verso  gilt dem Umgang mit "vinum vetus odoriferum", dem alten, aromatischen Wein. 

Wofür auch spräche, dass an keinem anderen Tisch in den verschiedenen Tacuina Sanitatis-Iluminationen die uns zu Verfügung stehen, eine solche Randleiste zu findet ist. Auch nicht, wenn an jenen Tischen "nur" gezecht wird. Allerdings sitzen die Personen auch an all jenen Tischen! Oder die Tische stehen im Freien. Oder aber an den Tischen wird gearbeitet.

Und jetzt Achtung! Ob wir jetzt richtig liegen oder nicht, die hier besprochenen Stehtische taugen unserer Meinung nach eher nicht als Quelle für Schanktische/Tresen/Theken im damals deutschsprachigen, sondern eher für den italienischen Raum. Entstanden doch sieben der neun heute noch erhaltenen und illuminierten Tacuina in Oberitalien und nur zwei im damals deutschsprachigen Raum, welche obendrein noch zu den späten Exemplaren zählen. Entstanden zur Mitte des 15. Jahrhunderts hin. Dabei ist offensichtlich das manche der Handschriften mindestens voneinander inspiriert sind. Dabei kann man zwei davon sogar, aller Wahrscheinlichkeit nach, den Werkstätten des italienischen Meisters Giovannino de Gassi zuordnen! Darunter auch der älteste erhaltene illustrierte Tacuinum, der  sog. Lütticher Tacuinum Ms. 1041.

Weitere vier der Tacuina ordnet man dann obendrein auch noch einem engen regionalen und zeitlicher Umfeld zu. Vermutlich dem Umfeld der Familie Visconti. Kein Wunder also, dass man jenen speziellen Tisch nicht nur in dem von uns als Beispiel gewählten, sog. Wiener Tacuinum Codex s. n. 2644 zu finden ist!

Hier zwei Beispiele als Link. Zum einen, einen ebensolchen Tisch auf Folio 85r des schon erwähnten und wohl zwischen 1434 und 1450 in Südwestdeutschland entstandenen Tacuinum Sanitatis Ms. Latines 9333, der heute in Bibliothèque nationale de France (Paris/Frankreich) liegt. Und zum anderen, die selbe Art Tisch auf tav. 167 im abweichend Theatrum Sanitatis betitelten Codex Ms.4182, der seinerseits auf das Ende des 14. Jahrhundert datiert und heute in der Biblioteca Casanatense (Rom/Italien) verwahrt wird. Allerdings fehlen bei beiden Beispielen, der Münzeinwurf im Deckel der Kasse oder Lade.

Das es aber künstlerisch auch ganz anders und eigenständig geht und damit soll dann Schluss sein, zeigt uns eine der vier Illumination (Bild 3) auf Scan 62 des wahrscheinlich jüngsten Tacuinum. Des sog. Kleinen Wiener Tacuinum Sanitatis. Codex Vindobonensis 2396. Geschaffen gegen das Ende des 15. Jahrhunderts in Venetien. Denn auch sie illustriert den "vinum rubeum grossum". Den kräftigen Rotwein. Nur diesmal mit dem Besitzerwechsel eines ganzen Fasses.

 

Literatur/Quellen:

Baader, Joseph: Nürnberger Polizeiordnungen aus dem XIII bis XV Jahrhundert. Stuttgart 1861.
 URL: https://archive.org/details/nrnbergerpolize00gergoog. Stand 12. April 2024.

Biffi, Annamaria: Von der gesunden Lebensweise - Nach dem alten Hausbuch der Familie Cerutti. München, Wien, Zürich 1985.

Hadraba, Regina: Tacuinum sanitatis in medicina Codex Vindobonensis Series nova 2644 der Österreichischen Nationalbibliothek - Studien. Wien 2011. URL: https://utheses.univie.ac.at/detail/15655. Stand 29. Juli 2026.

Matheus, Michael (Hrsg): Weinproduktion und Weinkonsum im Mittelalter. Geschichtliche Landeskunde, Band 51. Stuttgart 2004. URL: https://openscience.ub.uni-mainz.de/items/52b59efd-c938-4fe4-b27c-49b7a22d4045/full. Stand 4. Juni 2026.

Bild 1 u. 2: Ibn-Buṭlān, al-Muḫtār Ibn-al-Ḥasan: Tacium Sanitatis, Codex s. n. 2644 (1380-1399) via Österreichische Nationalbibliothek. Scan 178. URL: https://onb.digital/result/131D8986. Stand 6. September 2026.

Bild 3: Ibn-Buṭlān, al-Muḫtār Ibn-al-Ḥasan: Tacium Sanitatis, Codex Vindobonensis 2396 (1480) via Österreichische Nationalbibliothek. Ausschnitt aus Scan 62. URL: https://viewer.onb.ac.at/10035A1B. Stand 19. September 2026.


Langer Museumsabend 2026 - Wieder ein kleiner Erfolg

Bayreuth, 27. September 2026

Der zweite "Lange Abend im Archäologischen Museum Bayreuth" ist vorbei. Und was soll man sagen? 2025 hat sich wiederholt. Nur mit vertauschten Rollen. Diesmal war so bis gegen 19 Uhr fast gar kein Publikum im Haus. Erst danach ging es aufwärts. Aber egal ob die wenigen zu Anfang oder die vielen, die eher spät am Abend kamen ... die (aller)meisten brachten auch dieses Jahr wieder spannende Fragen mit und nahmen sich die Zeit, sich mit uns darüber auszutauschen. Und das, obwohl der Anteil an Archäologie- und/oder Geschichtsprofis, ganz im Gegensatz zum letzten Jahr, eher gering ausfiel. Dabei kamen die meisten dann aber doch ganz gezielt und speziell zum Langen Museumsabend. Manche (nach eigener Auskunft), um bei der Gelegenheit endlich einmal das Archäologische Museum kennenzulernen und manche, um sich das mit der Lebendigen Geschichte einmal genauer anzusehen. Für dieses Jahr: Jungsteinzeit, Bronzezeit, Merowinger, Slawen, Spätmittelalter und Frühe Neuzeit.

Und an all jene ... natürlich auch an die, die ganz spontan einfach nur mal so vorbeigeschauen haben: Danke für euer Kommen, fürs Löcher-in-den-Bauch-fragen, fürs Leben in die Museumsbude bringen und dafür, dass der "Lange Abend im Archäologischen Museum Bayreuth" auch 2026 wieder ein zumindest kleiner Erfolg geworden ist.

 

Bilder: 1: Jungsteinzeit, 2: Bronzezeit, 3: Merowingerzeit, 4: Frühe Neuzeit.


Schanktheke oder Tresen im Mittelalter - Sein oder Nichtsein

Bayreuth, 19. September 2026

 

Gab es in (spät-)mittelalterlichen Tavernen, Schänken, Herbergen, etc. tatsächlich keinen Tresen oder eine Theke ? Also eine tischartige Trennung zwischen Gast und Wirt? Nach unserer Recherche jedenfalls nicht. Und das liest sich wie folgt:

Folgt man Konrad Bedals Beitrag in "Gasthäuser - Geschichte und Kultur", gab es Schanktheken oder Tresen tatsächlich erst ab 1800 (1). Womit unsere Frage eigentlich jetzt schon mit einem klaren STIMMT soweit, zu beantworten wäre. Aber langsam und der Reihe nach! Denn leider lässt Bedal offen, wie der Wirt das Getränk an den Gast brachte. Standen die Fässer, aus denen der Wirt ausschenkte irgendwo im Gastraum an der Wand oder in der Ecke? Und ging der Krug oder die Kanne dann von dort, direkt auf den Tisch des Gastes? Da hilft uns dann glücklicherweise Beat Kümin's Beitrag in "Gewisper, Gerüchte, Geschreÿ - Wirtshaus und Bauernkrieg 1525" weiter. Der schreibt nämlich von Kellern, die mit Getränken (scheinbar in Fässern) bestückt waren, aus welchen dann in geeichte Kannen (2) gezapft wurden (3), welche dann wiederum direkt an den Tisch des Gastes in der Gaststube gebracht und dort abgestellt wurden (4). Auch hier also ein klares NEIN zum Tresen bzw. der Notwendigkeit eines solchen. Außerdem werden mittelalterliche Gaststuben, in der Archäologie tatsächlich analog zu den Stuben großer Privathaushalte beschrieben und waren ebenso wie diese, mit einem Kachelofen ausgestattet (5). Eine Stube eben. Diese war dabei "nur" mit mehr oder weniger großen, meist langen Tischen, wandfesten und mobilen Bänken und auch Hockern eingerichtet. Möbel also, die man ebenso auch in einem Privathaushalt hätte finden können (6). Also auch hier wieder, keine Rede von Theke oder Tresen mit einem Fass darauf oder dahinter, aus dem der Wirt die Gläser seiner Gäste füllte.

All dies spiegelt sich auch in der spätmittelalterlichen Buchmalerei wider. Erfreulicherweise für uns, sogar fränkisch-regional, mit den "Berufsbildern" der Hausbücher der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung. Zuerst als Beispiel für eine Gaststube (Bild 1), der Wirt Jörg Startz (1470). Dieser betritt von links kommend, mit Kanne und Glas in den Händen soeben seine Gaststube. Auf dem Tisch, die Speisen der Gäste und unter dem Tisch, ein mit Wasser gefülltes Schaff, in dem eine Flasche zur Kühlung steht. Lediglich die Getränke fehlen noch, werden ja aber soeben gebracht. Dabei zeigt der Blick in den Raum wunderbar dessen Einrichtung, welche wie eben beschrieben, durchaus mit der eines Privathauses vergleichbar ist.

Und dann zeigen uns die Hausbücher der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung erfreulicherweise auch noch, das Bier- oder Weinfässer wohl durchaus ihren Platz im Keller hatten. Wenn auch nur indirekt, dafür aber mehrfach, über den dort gezeigten Beruf des Wein- oder Bierschröters. Hier an einem Beispiel von 1515 (Bild 2). Darauf ist wunderbar zu sehen, wie ein Schröter mittels Schrottbaum und Fassleiter, ein Fass ins Dunkel eines Kellers hinab lässt.

Dabei waren die geschworenen (!) Schröter ... oder Schroter ... der Stadt allein berechtigt, Bierfässer (oder eben Weinfässer) beim Verkäufer zu verladen, zum Kunden transportieren zu lassen und dort abzuladen und einzulagern (7). Dem Bild folgend, tatsächlich im Keller.

Soweit so gut und alles tatsächlich ohne Theke oder Tresen. Ende der Ansage und unsere Meinung! Allerdings ist uns bei der Recherche hierzu etwas begegnet, das einen Tisch zeigt, an dem, oder über den hinweg, dann doch Getränke an den Gast gebracht werden. Aber davon gibt es demnächst mehr ... hier im Blog.

 

1) Bedal 2004, S. 66.

2) Hier ein Beispiel aus der Nürnberger Polizeiordnungen aus dem XIII bis XV Jahrhundert. Nachzulesen in der Bearbeitung von Joseph Baader. Stuttgart 1861, Seite 204. « Ez sol auch kain weinschenke kainen wein niht geben denne mit dem maze, daz der burger zaichen hat. Swer daz bricht, der gibet als ofte sehtzig pfenninge. ».

3) Hier ein Beispiel aus der Nürnberger Polizeiordnungen aus dem XIII bis XV Jahrhundert. Nachzulesen in der Bearbeitung von Joseph Baader. Stuttgart 1861, Seite 203. « Ez sol auch kain weinschenke sein wirtein für den zappfen setzen, und sol si auch niht zu im in den kelr setzen, da er schenket, alle die weile er den wein schenkt. Swer daz brichet, der můz als ofte geben sehtzig pfenning. ».

4) Kümin 2025, S: 114f.

5) Donat 2025, S. 167.

6) Fieser 1999, S. 72.

7) Siehe: Nürnberger Polizeiordnungen aus dem XIII bis XV Jahrhundert in der Bearbeitung von Joseph Baader. Stuttgart 1861, Seite 269. « Item den schrotern sol man von einem halbfass, das do ungeverlich zwischen sechs und siben eimern helt, aufzuladen, ze füren, ab und einzulegen nit mer lones ze geben schuldig sein dann ... »

Bild 1) Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg: Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen – Mendel I, Amb. 317.2, Folio 88 verso. URL: https://online-service.nuernberg.de/viewer/image/5d64f831-7a9d-47b4-9a01-d6a28f29ad99/181/LOG_0181/. Public Domain Mark 1.0 Universell. Stand 14. August 2026.

Bild 2) Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg: Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen – Mendel I , Amb. 317.2, Folio 132 recto URL: https://online-service.nuernberg.de/viewer/image/5d64f831-7a9d-47b4-9a01-d6a28f29ad99/268/#topDocAnchor. Public Domain Mark 1.0 Universell. Stand 14. August 2026


Vom Rastern auf Reisen 2026 – Schee war‘s

Bärnau/Bayreuth, 8. September 2026

 

"Vom Rasten auf Reisen" made by De Timmermansche ist vorbei! Und was soll man sagen? Schön war‘s und ein Riesenspaß! Für uns auch dieses Mal wieder und das lassen wir uns nicht nehmen, als verlängertes Wochenende.

Wie immer muss man inzwischen ja sagen, war viel los in und rund um die Herberge in der Baugruppe "Hochmittelalter" im Geschichtspark Bärnau-Tachov. Handel, Handwerk, Musik und Tanz. Dafür von uns auf diesem Wege ein riesengroßes Dankeschön an De Timmermansche die dieses wunderbare Wochenende, inzwischen schon zum fünften Mal, auf die Beine gestellt hat. Und natürlich auch an all diejenigen, die mit uns die Herberge und die umliegenden Häuser mit Leben erfüllt haben. Im Fokus dabei der Untertitel der Veranstaltung: „Was passiert wenn nichts passiert“ . Alltagsbetrieb. Eben Tage, an denen eben nichts Besonderes passiert. Dabei war die Küche in der Herberge auch diesmal wieder ein wahrer Besuchermagnet. Was wurde da erklärt und gefachsimpelt. Und das nicht nur wegen des Kochens am offenen Feuer und des Blicks in die mittelalterlichen Töpfe, Grapen und Kessel aus denen wir Darsteller uns zweimal täglich die Teller füllen durften. Dafür zum Schluss noch einmal ein riesengroßes Dankeschön ans gesamte Küchenteam.

 

Bilder: 1, 3, 5 u. 6 © Veronika Pilná. 2 u. 4 © Oliver Rausch


Bachrittertage 2026 – Was für ein Fest

Kanzach/Bayreuth, 13. August 2026

 

Eigentlich war es bei uns längst überfällig der Bachritterburg wieder einmal einen Besuch abzustatten. 13 Jahre sind schließlich eine lange Zeit. Und was für ein Zufall:  Da schneit uns eine Einladung der "Reisecen" zu den Bachrittertagen, ins Postfach. 25 Jahre Bachritterburg und 25 Jahre "Die Reisecen e.V." gäbe es da vom 5. bis 9. August zu feiern. Klar, dass wir da dabei sein wollten. Und mit uns rund 250 Darsteller des 12., 13. und 14. Jahrhunderts.

Für diese und natürlich zu aller erst für das Publikum, gab es reichlich Programm. Begonnen mit den Turnieren und der Belagerung der Burg. Beides sehr sehr gut besucht. Daneben gab es dann noch eine Modenschau durch die Jahrhunderte sowie Musik und Handwerk im Burghof. Und danach, nach dem offiziellen Programm und nachdem die Besucher längst nach Hause gegangen waren, gab es noch reichlich Abendunterhaltung und Unterhaltung am Abend. Das Ganze reichlich und bis tief in die Nacht. Das alles bei bestem (und knallheißen) Hochsommerwetter. Es hat also alles gepasst ... an den Bachrittertagen 2026. Und das nicht nur für uns, sondern auch für Publikum, wie uns vielfach gesagt wurde.

Deshalb hier und jetzt ein großes Dankeschön für für diese wirklich großartige Veranstaltung. Zuallererst an Die Reisecen e.V und  die Comthurey Alpinum für die wirklich fantastische Orga. Aber auch an die Helfer der Freunde der Bachritterburg e.V. und an die Gemeinde Kanzach.

Danke und auf Wiedersehen zu den nächsten Bachrittertagen!


Öffentliche Grünanlagen im Mittelalter – Kurz und knapp XI

Bayreuth, 26. Juli 2026

 

Schon wieder ein "Kurz und knapp" und schon wieder Nürnberg. Aber dass mit den öffentlichen Grünanlagen schon im Mittelalter, kam dann doch ziemlich überraschend ... und lange für uns behalten wollen wir es auch nicht. Ist doch so eine öffentliche Parkanlage schliesslich ein wunderbarer Kontrapunkt zum ach so finsteren Mittelalter.

Und das "Öffentlich" könnt ihr dabei so richtig wörtlich nehmen. So mit: Eigentum der Stadt und für jedermann zugänglich. Genau so wie heute also! Und das für uns beste daran ist, Deutschlands älteste Grünanlage lag, bzw. liegt bis heute in Nürnberg. Namentlich, die Hallerwiese. Eine ehemalige, unmittelbar rechts der Pegnitz und direkt vor der Stadtmauer liegende Talwiese. Diese erwarb der Rat der Stadt in Jahr 1434 von Margareta Heyden, einer geborenen Haller, um sie « allen inwonern zu lust und ergetzung » zugänglich zu machen. 1443* wurden auf der Wiese dann auch Linden gepflanzt und 1482 drei Röhrenbrunnen aufgestellt. Genutzt wurde die Hallerwiese von Anfang an, nicht nur zum Flanieren und zum Zeitvertreib, sondern auch als Fest- und Schützenplatz. So fanden hier bereits seit 1439 und noch bis in 18. Jahrhundert fortdauernd Armbrustschützenfeste statt. Und 1650, anlässlich der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, ein 30 Tage andauerndes Fest. Nur so als Beispiel.

Und heute? Zwar werden auf der Wiese keine Feste mehr gefeiert, doch ist sie mit ihrem immer noch bestehenden und teilweise Jahrhunderte alten Baumbestand ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet. Überzeugt euch selbst, wenn ihr das nächste Mal in Nürnberg seid. Folgt einfach dem rechten Pegnitzufer. Von Hauptmarkt, Museumsbrücke oder Heilig Geist Spital sind es gerade mal 10 Minuten zu Fuß.

Ach ja! In Zürich (Schweiz) gibt es ebenfalls eine so alte öffentliche Grünanlage. Den 1422 angelegten und damals mit 52 Linden bepflanzten Lindenhof. Dieser diente ebenso als Fest-, Versammlungs- und Armbrustschießplatz, lag aber, im Gegensatz zur Hallerwiese, innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer.

 

Quellen/Literatur:

Friedrich, Theo: Vom Hesperidengarten – Gartenkultur und Stadtgrünpflege vom Mittelalter bis in die Gegenwart in Nürnberg. Nürnberg 1993.

Laue, Felicia u. Martz, Jochen u. von Zerboni u. Grebe Ursula: Der Garten-Verführer Mittelfranken - Spaziergänge in private und öffentliche Gärten und Parks. Passau 2010.

Stadt Zürich: Die Gartendenkmäler der Stadt Zürich - Lindenhof (Broschüre). URL: https://www.stadt-zuerich.ch/content/dam/web/de/stadtleben/sport-und-erholung/dokumente/parkanlagen/gartendenkmal-lindenhof.pdf. Stand: 15. Juli 2026.

*Dazu findet sich auch die Jahreszahl 1441.

Bild: Hallerwiese (grün) in: Des Hieronymus Braun Prospekt der Stadt Nürnberg vom Jahre 1608. Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, 12. Heft 1898, via Münchner Digitalisierungszentrum - Digitale Bibliothek. URL: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00001004?page=90,91. CC BY-NC-SA 4.0. Stand 18. Dezember 2025.


Wie die ehrbaren Geschlechter zu Patriziern wurden – Kurz und knapp X

Bayreuth, 18. Juli 2026

 

Vor Kurzem hat sich uns der Herr links im Bild ... Christoph Scheurl II (1481-1542) sein Name, in den Fokus gedrängt. Besser gesagt, die Behauptung, eben jener Christoph Scheurl habe das Wort "Patrizier", die gesellschaftlich-politische Elite der Stadt Nürnberg meinend, in die Welt gebracht. Ein Wort, das man heute ganz selbstverständlich auch für den mittelalterlichen Stadtadel verwendet. Allerdings bezeichneten sie sich selbst damals eben nicht als Patrizier, sondern als « herren », « geschlechter » oder auch "ehrbare Geschlechter". Bis dann tatsächlich, wir haben kurz mal nachgelesen, eben jener Christoph Scheurl, damals Ratskonsulent (juristischer Ratgeber) der Reichsstadt Nürnberg, im Jahr 1516 eine Epistel (Brief mit literarischem Anspruch) über das Nürnberger Stadtregiment verfasste. Das Ganze in Latein und adressiert an seinen Freund, den Generalvikar des Augustinerordens, Johann Staupitz.

Und genau darin versah Scheurl als Erster die bürgerliche Ober- und Führungsschicht seiner Heimatstadt Nürnberg mit dem lateinischen Titel « patricii ». Entlehnt hatte er den Titel dabei aus der römischen Antike. Bezeichnete man doch auch dort schon die gesellschaftlich-politische Elite Roms ebenso als « patricii“ ».

Damit war der Titel, die bürgerliche Oberschicht der Reichsstadt Nürnberg meinend, in der Welt und die « geschlechter » in « patricier », umetikettiert. Genauso wie für Ulm, Augsburg, Rothenburg ob der Tauber,  Kempten, Frankfurt am Main, Ulm, Konstanz, München und so weiter. Allerdings wurde der Titel erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts so richtig populär um dann schließlich zu DER Bezeichnung für die bürgerliche Oberschicht einer mittelalterlichen und/oder neuzeitlichen Stadt zu werden.

 

Quellen/Literatur:

Wüst, Wolfgang (Hrsg.): Patrizier – Wege zur städtischen Oligarchie und zum Landadel. Berlin 2018.

Mummenhoff, Ernst: Scheurl, Christoph - Artikel aus Allgemeine Deutsche Biographie 1890 via Bavarikon. URL: https://www.bavarikon.de/object/bav:HKO-ADB-00000000SFZ78243?lang=de. Stand: 10. Juli 2026.

Historische Commission bei der Königl. Academie der Wissenschaften (Hrsg.): Die Chroniken der fränkischen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, Band 5 - Nürnberg. Leipzig 1874. URL: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11184557?page=1. Stand: 9. Juli 2026.

Bild: Lucas Cranach der Ältere: Bildnis des Christoph Scheurl, 1509 via Wikimedia Commons. Public domain.


Kissen, Polster, Decke - Inhaltsangabe

Bayreuth, 5. Juli 2026

 

In unserem Blogbeitrag Kissen, Polster und Banklaken hatten wir sie ja schon mal kurz gestreift. Die Frage, mit welchem Material mittelalterliche Kissen und Co gefüllt waren. Ganz egal ob man darauf oder darunter schlief, oder sich einfach darauf setzte. Hier jetzt was wir gefunden haben, ganz wie es uns in unserem Bücherregal und auf der Festplatte begegnet ist und ohne irgendeine Systematik.

Beginnen wollen wir mit einem Klassiker. Harry Kühnel‘s "Alltag im Spätmittelalter". Darin zitiert Helmut Hundsbichler den Italiener Antonio de Beatis aus dessen Erfahrungen, die dieser 1517/18 in Deutschland gemacht hatte. Darunter: Allgemein und bis in bäuerliche Kreise hinein waren mit Federn gefüllte Matratzen und Bettdecken üblich. Beatis führt dies auf die Gänsehaltung im großen Stil (mit der eine allgemeine Verfügbarkeit von Gänsefedern einhergeht) zurück, welche er hier in Deutschland mehrfach beobachten konnte  (1).

In der Dissertation "Die materielle Kultur in den Lüneburger Testamenten 1332 bis 1500" von Susanne Moser-Christoph dann, findet sich unter den wohl hunderten testierter Heimtextilien, auch eine Vielzahl an Kissen, Polstern und Bettdecken. Manchmal auch mit Angabe zur Füllung mit Federn oder Daunen (2).

Weiter geht es mit Anton Tuchers Haushaltsbuch (1507-1517). Darin finden sich über Jahre hinweg die Ausgaben für das Befüllen von großen und kleinen Bettdecken, für die Anschaffungen von mit Federn gefüllter, bunter Polstern (in verschiedenen Längen) und Kissen. Und die Ausgaben für Polster- und Kissenbezüge mit « (…) federn darein (…) » (3).

Und in "Endres Tuchers Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg (1464-1475)"? Dieses dokumentiert die 1471 gemachte Inventur der Kaiserburg. Darin wiederum die Ausstattung der unzähligen Betten in der Burg. Bemerkenswert dabei: Alle aufgezählten Betten verfügten über Strohsack und Federbett. Und natürlich auch über Kissen, Polster und Decken (leider ohne Angabe zum Füllmaterial). Egal ob in der sog. Grünen Kammer des Kaisers, der Kammer eines Kochs oder der Kammer in einem Wachhäuslein (4).

Besonders ergiebig war unsere Ausbeute bezüglich Kissen und Polster dann aber in: "Textiler Hausrat, Kleidung und Haustextilien in Nürnberg von 1500-1650" von Jutta Zander-Seidel. Dort findet man im Kapitel III.2.1. bezüglich der Betten (5), « ... wer hätte es gedacht ... mit Federn gefüllte Kissen, Polster und natürlich Bettdecken. Aber auch (…) strohene (…) », also mit Stroh gefüllte Polster aus einem Nachlass von 1538. Und Kissen mit « (…) zwilchen (…) » oder « (…) barchenten inngefider (…) ». Zumindest für das 16. Jahrhundert. Wobei Zwilch ein Leinengewebe in Köperbindung und Barchent ein Leinen-Baumwoll-Mischgewebe meint und Inngefider für Füllung steht! Die beiden letzten Füllmaterialien finden sich nach Zander-Seidel übrigens auch in Bettdecken. 

Apropos Bettdecken. Solche finden sich bei Zander-Seidel auch als mit Watt (?), Baum- oder Scherwolle gefüllte Matratzen erwähnt, welche (obwohl ja als Matratzen bezeichnet) auch als Bettdecke genutzt wurden. Dazu wurden diese allerdings « (…) mit einen übergeschlagenen Leylachen aufgebreitet (…) », also in ein Betttuch eingeschlagen. Zwar ist die angegebene Quelle "erst" von 1703 (6), doch sieht die Autorin diese in Form von « (…) ausgenehte Deck oder Golter (…) » , bereits für das späte 15. Jahrhundert nachweisbar (7). 

Dann wären da noch Moriz Heyne‘s  "Deutschen Hausaltertümer" von 1899. Zwar sind diese als Quelle eigentlich überholt und mit Vorsicht zu geniessen, dann aber doch wegen ihrer Quellenzitate im Text und in den Fußnoten eine wahre Goldgrube. Und genau unter diesen Quellenzitaten finden sich sich passgenau zu unserem Thema, ein « (…) pflumfederin kussin (…) » in einem Breslauer Haushalt von 1350. Und als weiteres Beispiel, Kissen und Polster mit Federn gefüllt und mit Leder überzogen, in einer Stadtrechnung aus Hildesheim von 1402 (8).

Zu guter Letzt wären da noch ein Kissen(-fund) den wir euch nicht vorenthalten wollen. Und zwar ein hauptsächlich mit Möwenfedern gefülltes und mit grober Wolle überzogenes Kissen aus dem wikingerzeitlichen “Øksnes Bootsgrab“. Gefunden 1934 auf den Vesterålen-Inseln (Norwegen) und in das 10. Jahrhundert radiocarbon-datiert. Besonders spannend an diesem Kissen: Man geht davon aus, dass es schon längere Zeit in alltäglichen Gebrauch war, bevor es mit ins Grab gegeben wurde. HIER nachzulesen in einem Artikel von Carla J. Dove und Stephen Wickler.

Das wäre es dann aber endgültig von uns! Zumindest nach dem was wir aus unsere Literatur heraus gelesen haben, die bei uns so rumliegt. Aber falls ihr noch was habt, lasst es uns wissen. Mail genügt!

 

1) Hundsbichler 1996, S. 268.

2) Moser – Christoph 1998, S. 153

3) Loose 1877, S. 104f.

4) Lexer 1862, S. 299.

5) Zander-Seidel 1990, S. 340

6) Endter 1703, S. 182

7) Zander-Seidel 1990, S. 365

8) Heyne 1899, S.257


Feuerstülpe - Savety first

Bayreuth, 28. Juni 2026

 

Ist euch schon mal so ein Teil begegnet? Uns jedenfalls bis jetzt nur das hier gezeigte Stück! Und zwar bei einem befreundeten Reenactor. In Verwendung auf Veranstaltung sowieso und auch bei ihm zu Hause eingelagert. Und dort haben wie es gleich mal vor die Kamera gehalten, um es euch hier vorzustellen. Das gute Stück hat einen Durchmesser von 39 cm und ist 38 cm hoch (inkl. Bügelgriff). Es wurde nach einem spätmittelalterlichen Fund aus Bamberg (1) gefertigt.

Finden lassen sich diese, zu den Herdgerätschaften zählenden, meist glockenförmigen Feuerstülpen (2) mit den verschiedensten Arten von Abzugslöchern, Verzierungen und Handhaben/Griffen in Deutschland aber schon seit dem Hochmittelalter (3) und durchgehend bis über die Neuzeit hinaus. In der Schweiz sogar noch bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Verwendet wurden sie, um sie nach dem Kochen über die zusammengeschobene Glut des niedergebrannten Herdfeuers zu stülpen. So sollte einem späteren Funkenflug oder der versehentlichen Verbreitung von Glutresten durch Haustiere oder Ungeziefer vorgebeugt werden. Und natürlich konnte so auch nichts unbemerkt oder aus versehen in die Glut fallen und sich entzünden. Eine Brandschutzmaßnahme par excellence also.

Außerdem liest man, dass die für die Feuerstülpen so typischen Luftlöcher gleichzeitig für den Abzug der Rauchgase und eine reduzierte Sauerstoffzufuhr sorgen sollten, so dass am nächsten Morgen, mit der dadurch noch erhaltenen Glut, das Feuer auf einfache Weise erneut entfacht werden konnte. Ein Effekt, der bis jetzt, mit der hier gezeigten Replik und über einen so langen Zeitraum (über Nacht), bis jetzt nicht nachvollzogen werden konnte.

 

Quellen/Literatur:

Ansorge, Jörg: Feuerstülpen und anderes Hausgerät des 13. Jahrhunderts aus der Rostocker Altstadt, Fischbank 5. In: Archäologische Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern e.V.: Archäologische Berichte aus Mecklenburg - Vorpommern, Band 13 2006. S. 124-140.

Gross, Uwe: Feuerstülpen/Backhauben - alternative Deutungsvorschläge für „grosse Deckel“ und vermeintliche Schüsseln via https://www.arthistoricum.net. URL: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/8832/. Stand 22. Juni 2026.

Schlösser, Manfred und Thier, Bernd: Schützen und Bewahren - eine spätmittelalterliche Feuerstülpe aus der Aa bei Haus Kump. In: LWL-Archäologie für Westfalen (Hrsg.): Archäologie in Westfalen-Lippe 2022 (2023). S. 158-160. URL: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/aiw/article/view/108421. Stand 22. Juni 2026.

1) Auf Nachfrage vor Ort, ins 14. Jahrhundert zu datieren.

2) Auch als Gluthauben, Glutglocken oder Glutbewahrer bezeichnet.

3) Vermutlich aber bereits seit dem Neolithikum. Siehe Schlösser u. Thier S. 159.


Langer Abend im Archäologischen Museum - Andere sagen ab ... wir nicht

Bayreuth, 21. Juni 2026

Um es gleich mal klar und deutlich zu sagen: Unser Langer Abend im Archäologischen Museum Bayreuth FINDET STATT! Auch wenn die Stadt Bayreuth ihre "Lange Nacht der Kultur" abgesagt und aus dem Jubiläumsprogramm "150 Jahre Bayreuther Festspiele" gestrichen hat. Denn unser "Langer Abend" ist ein jährlich wiederkehrender Termin des Historischen Verein für Oberfranken e.V. und findet traditionell am letzten Samstag im September statt. In diesem Jahr wäre er dann also eher zufällig mit der inzwischen abgesagten "Langen Nacht der Kultur" zusammengefallen. Einen Zufall, den wir, um ehrlich zu sein, gerne genutzt hätten, denn im Programm einer so großen Veranstaltung aufzutauchen, hätte unserer Veranstaltung und dem Archäologischen Museum Bayreuth, sicher gut getan. Aber was  soll’s, dann eben nicht. Wir SIND AUF JEDEN FALL FÜR EUCH DA ... am 26. September 2026 von 17:00 bis 23:00 Uhr. Und auch wirklich bis 23:00 Uhr. Nicht 22:00 Uhr, wie es im dem einen oder anderen Veranstaltungskalender steht.

Ach ja! Wenn euch das mit den Absagen rund um das Jubiläumsprogramm 150 Jahre Bayreuther Festspiele genauer interessiert, lest mal im Bayreuther Tagblatt die folgenden Artikel:

- Aus finanziellen Gründen: Keine Festmeile zu 150 Jahren Festspiele

- Festmeile abgesagt: Oberfrankenstiftung legt Förderzahlen zum Festspieljubiläum offen

- Nach Absage der Festmeile: Weitere Einschnitte für Festival150 folgen.


Nierendolch - Mehr in der Truhe denn am Mann

Bayreuth, 8. Juni 2026

 

Hand hoch, wer von euch hat KEIN Replik daheim, das er/sie sich mehr fürs Herz als zur tatsächlichen Nutzung angeschafft hat. Ein Beispiel von uns wäre der hier gezeigte Nierendolch. Denn genaugenommen ergäbe sich für uns kaum eine Gelegenheit ihn auszuführen. Warum? Weil unsere Darstellung üblicherweise in städtischem Setting stattfindet und wir uns dabei am Nürnberger Recht und natürlich an der Nürnberger Polizeiordnung orientieren, welche dann im Laufe der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch tatsächlich in Bayreuth eingeführt wurde. Was für uns Bayreuth 1320er bedeuten muss, dass wir in unserer Darstellung im Alltag gar keine solche Waffe tragen durften. Denn in Nürnberg (und nicht nur dort) durfte man in der Stadt ganz allgemein keine « (…) swert oder spitzigeu messer oder verbotten wer (…) » mit sich führen. Weder offen noch verdeckt. Das galt für Gäste in der Stadt gleichermaßen wie für Einheimische. Ausgenommen bestimmter städtischer Beamter, deren Personal und die Büttel der Stadt natürlich. Was also heißt: Der Dolch bleibt zu Hause in der Truhe! Aber Achtung: Die Polizeiordnung meint damit kein Waffenbesitzverbot, sondern sorgt damit für ein friedliches Miteinander im öffentlichen Raum.

Doch zurück zum Nierendolch. Diese ursprünglich wohl aus Nordeuropa stammende und über Europa hinaus verbreitete Dolchform findet man in den verschiedensten Varianten vom 13. bis hinein ins 16. Jahrhundert. Getragen sieht man Dolche (egal welchen Typs) in den Bildquellen des 14. Jahrhunderts meist rechts am Gürtel hängend. Manchmal sogar hinter der Gürteltasche. Egal ob bei gerüsteten, ungerüsteten oder ansonsten unbewaffneten Männern.

Der Dolch hier, mit seinem schlichten Holzgriff, datiert gemäß der Typologie der Nierendolche von H. Seitz in die Zeit zwischen 1300 und 1400. Pate beim Nachbau stand ein unpublizierter Fund aus dem frühen 14. Jahrhundert aus Eichstätt. Eine 24 cm lange, symmetrische aber einschneidige Klinge mit Griffangel ohne jede Spur oder Rest von Griffteilen. Der Griff und die ebenfalls im Original nicht mehr erhaltene Scheide sind dabei generische Rekonstruktionen, die sich an Vorbildern aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts orientieren.

 

Quellen/Literatur:

Abels, Björn-Uwe: Ein gotischer Dolch aus Trunstadt. In: Das Archäologische Jahr in Bayern, 1990 (1991), S. 166-168.


Weibsbilder ... Frauen schreiben Geschichte - Hat Spaß gemacht

Bärnau/Bayreuth, 17. Mai 2026

 

Die Überschrift verrät es: Die Veranstaltung  im Geschichtspark Bärnau-Tachov stattfand, war eine Veranstaltung die einfach nur Spaß gemacht hat. Respekt, was Agnes Zankl da inzwischen übrigens, zum dritten Mal auf die Beine gestellt hat. Insgesamt waren es dieses Mal 24 Stationen quer durch den Geschichtspark Bärnau-Tachov und quer durch rund 1700 Jahre Geschichte. Beginnend im 3. Jahrhundert (nach Christus) und endend 1945. Unsere Favoritin darunter: "Ländliches Frauenleben  in Deutschland 1945". Denn so manches Stück dort kennt der Autor dieser Zeilen noch aus seiner Kindheit bei den Großeltern. Da wurden Erinnerungen wach!

Unser Favorit außer Konkurrenz war auch dieses Mal "Spätmittelalterliche Küche und Haushaltsführung um 1320". Denn dort (bei De Timmermansche) hat einer von uns mitgeholfen … natürlich auch beim Essen.

Kurz: Was Agnes da an Qualität, sowohl in der Darstellung als auch in der Didaktik, zusammengebracht hat, war schon wieder einmal großartig. Und um unsere Hoffnung von 2024 zu wiederholen: Wir würden uns wünschen, dass die "Weibsbilder" Schule machen ... und Mut. Vor allem in klassischen Museen. Mut zu einem weg von den bloßen Vitrinen und Texttafeln, hin zur lebendigen Geschichtsvermittlung.

 

Alle Bilder: Agnes Zankl