Am 23. August und 6. September 2026 um 15:00 Uhr

Am 26. September 2026 von 17:00 bis 23:00 Uhr


Wie die ehrbaren Geschlechter zu Patriziern wurden – Kurz und knapp X

Bayreuth, 18. Juli 2026

 

Vor Kurzem hat sich uns der Herr links im Bild ... Christoph Scheurl II (1481-1542) sein Name, in den Fokus gedrängt. Besser gesagt, die Behauptung, eben jener Christoph Scheurl habe das Wort "Patrizier", die gesellschaftlich-politische Elite der Stadt Nürnberg meinend, in die Welt gebracht. Ein Wort, das man heute ganz selbstverständlich auch für den mittelalterlichen Stadtadel verwendet. Allerdings bezeichnete sich dieser damals eben nicht als Patrizier, sondern als « herren », « geschlechter » oder auch "ehrbare Geschlechter". Bis dann tatsächlich, wir haben kurz mal nachgelesen, eben jener Christoph Scheurl, damals Ratskonsulent (juristischer Ratgeber) der Reichsstadt Nürnberg, im Jahr 1516 eine Epistel (Brief mit literarischem Anspruch) über das Nürnberger Stadtregiment verfasste. In Latein verfasst und adressiert an seinen Freund, den Generalvikar des Augustinerordens, Johann Staupitz.

Darin betitelt Scheurl als Erster die bürgerliche Ober- und Führungsschicht seiner Heimatstadt Nürnberg mit dem lateinischen Titel « patricii ». Entlehnt hatte er den Titel dabei aus der römischen Antike. Bezeichnete man doch auch dort schon die gesellschaftlich-politische Elite des Reichs ebenso als « patricii“ ».

Damit war der Titel, die bürgerliche Oberschicht der Reichsstadt Nürnberg meinend, in der Welt und die « geschlechter » in « patricier », umetikettiert. Genauso wie für Ulm, Augsburg, Rothenburg ob der Tauber,  Kempten, Frankfurt am Main, Ulm, Konstanz, München und so weiter. Allerdings wurde der Titel erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts so richtig populär um dann schließlich zu DER Bezeichnung für die bürgerliche Oberschicht einer mittelalterlichen und/oder neuzeitlichen Stadt zu werden.

 

Quellen/Literatur:

Wüst, Wolfgang (Hrsg.): Patrizier – Wege zur städtischen Oligarchie und zum Landadel. Berlin 2018.

Mummenhoff, Ernst: Scheurl, Christoph - Artikel aus Allgemeine Deutsche Biographie 1890 via Bavarikon. URL: https://www.bavarikon.de/object/bav:HKO-ADB-00000000SFZ78243?lang=de. Stand: 10. Juli 2026.

Historische Commission bei der Königl. Academie der Wissenschaften (Hrsg.): Die Chroniken der fränkischen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, Band 5 - Nürnberg. Leipzig 1874. URL: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11184557?page=1. Stand: 9. Juli 2026.

Bild: Lucas Cranach der Ältere: Bildnis des Christoph Scheurl, 1509 via Wikimedia Commons. Public domain.


Kissen, Polster, Decke - Inhaltsangabe

Bayreuth, 5. Juli 2026

 

In unserem Blogbeitrag Kissen, Polster und Banklaken hatten wir sie ja schon mal kurz gestreift. Die Frage, mit welchem Material mittelalterliche Kissen und Co gefüllt waren. Ganz egal ob man darauf oder darunter schlief, oder sich einfach darauf setzte. Hier jetzt was wir gefunden haben, ganz wie es uns in unserem Bücherregal und auf der Festplatte begegnet ist und ohne irgendeine Systematik.

Beginnen wollen wir mit einem Klassiker. Harry Kühnel‘s "Alltag im Spätmittelalter". Darin zitiert Helmut Hundsbichler den Italiener Antonio de Beatis aus dessen Erfahrungen, die dieser 1517/18 in Deutschland gemacht hatte. Darunter: Allgemein und bis in bäuerliche Kreise hinein waren mit Federn gefüllte Matratzen und Bettdecken üblich. Beatis führt dies auf die Gänsehaltung im großen Stil (mit der eine allgemeine Verfügbarkeit von Gänsefedern einhergeht) zurück, welche er hier in Deutschland mehrfach beobachten konnte  (1).

In der Dissertation "Die materielle Kultur in den Lüneburger Testamenten 1332 bis 1500" von Susanne Moser-Christoph dann, findet sich unter den wohl hunderten testierter Heimtextilien, auch eine Vielzahl an Kissen, Polstern und Bettdecken. Manchmal auch mit Angabe zur Füllung mit Federn oder Daunen (2).

Weiter geht es mit Anton Tuchers Haushaltsbuch (1507-1517). Darin finden sich über Jahre hinweg die Ausgaben für das Befüllen von großen und kleinen Bettdecken, für die Anschaffungen von mit Federn gefüllter, bunter Polstern (in verschiedenen Längen) und Kissen. Und die Ausgaben Polster- und Kissenbezüge mit « (…) federn darein (…) » (3).

Und in "Endres Tuchers Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg (1464-1475)"? Dieses dokumentiert die 1471 gemachte Inventur der Kaiserburg. Darin wiederum die Ausstattung der unzähligen Betten in der Burg. Bemerkenswert dabei: Alle aufgezählten Betten verfügten über Strohsack und Federbett. Und natürlich auch über Kissen, Polster und Decken (leider ohne Angabe zum Füllmaterial). Egal ob in der sog. Grünen Kammer des Kaisers, der Kammer eines Kochs oder der Kammer in einem Wachhäuslein (4).

Besonders ergiebig war unsere Ausbeute bezüglich Kissen und Polster dann aber in: "Textiler Hausrat, Kleidung und Haustextilien in Nürnberg von 1500-1650" von Jutta Zander-Seidel. Dort findet man im Kapitel III.2.1. bezüglich der Betten (5), « ... wer hätte es gedacht ... mit Federn gefüllte Kissen, Polster und natürlich Bettdecken. Aber auch (…) strohene (…) », also mit Stroh gefüllte Polster aus einem Nachlass von 1538. Und Kissen mit « (…) zwilchen (…) » oder « (…) barchenten inngefider (…) ». Zumindest für das 16. Jahrhundert. Wobei Zwilch ein Leinengewebe in Köperbindung und Barchent ein Leinen-Baumwoll-Mischgewebe meint und Inngefider für Füllung steht! Die beiden letzten Füllmaterialien finden sich nach Zander-Seidel übrigens auch in Bettdecken. 

Apropos Bettdecken. Solche finden sich bei Zander-Seidel auch als mit Watt (?), Baum- oder Scherwolle gefüllte Matratzen erwähnt, welche (obwohl ja als Matratzen bezeichnet) auch als Bettdecke genutzt wurden. Dazu wurden diese allerdings « (…) mit einen übergeschlagenen Leylachen aufgebreitet (…) », also in ein Betttuch eingeschlagen. Zwar ist die angegebene Quelle "erst" von 1703 (6), doch sieht die Autorin diese in Form von « (…) ausgenehte Deck oder Golter (…) » , bereits für das späte 15. Jahrhundert nachweisbar (7). 

Dann wären da noch Moriz Heyne‘s  "Deutschen Hausaltertümer" von 1899. Zwar sind diese als Quelle eigentlich überholt und mit Vorsicht zu geniessen, dann aber doch wegen ihrer Quellenzitate im Text und in den Fußnoten eine wahre Goldgrube. Und genau unter diesen Zitaten finden sich sich passgenau zu unserem Thema, ein « (…) pflumfederin kussin (…) » in einem Breslauer Haushalt von 1350. Und als weiteres Beispiel, Kissen und Polster mit Federn gefüllt und mit Leder überzogen, in einer Stadtrechnung aus Hildesheim von 1402 (8).

Zu guter Letzt wären da noch ein Kissen(-fund) den wir euch nicht vorenthalten wollen. Und zwar ein hauptsächlich mit Möwenfedern gefülltes und mit grober Wolle überzogenes Kissen aus dem wikingerzeitlichen “Øksnes Bootsgrab“. Gefunden 1934 auf den Vesterålen-Inseln (Norwegen) und in das 10. Jahrhundert radiocarbon-datiert. Besonders spannend an diesem Kissen: Man geht davon aus, dass es schon längere Zeit in alltäglichen Gebrauch war, bevor es mit ins Grab gegeben wurde. HIER nachzulesen in einem Artikel von Carla J. Dove und Stephen Wickler.

Das wäre es dann aber endgültig von uns! Zumindest nach dem was wir aus unsere Literatur heraus gelesen haben, die bei uns so rumliegt. Aber falls ihr noch was habt, lasst es uns wissen. Mail genügt!

 

1) Hundsbichler 1996, S. 268.

2) Moser – Christoph 1998, S. 153

3) Loose 1877, S. 104f.

4) Lexer 1862, S. 299.

5) Zander-Seidel 1990, S. 340

6) Endter 1703, S. 182

7) Zander-Seidel 1990, S. 365

8) Heyne 1899, S.257


Feuerstülpe - Savety first

Bayreuth, 28. Juni 2026

 

Ist euch schon mal so ein Teil begegnet? Uns jedenfalls bis jetzt nur das hier gezeigte Stück! Und zwar bei einem befreundeten Reenactor. In Verwendung auf Veranstaltung sowieso und auch bei ihm zu Hause eingelagert. Und dort haben wie es gleich mal vor die Kamera gehalten, um es euch hier vorzustellen. Das gute Stück hat einen Durchmesser von 39 cm und ist 38 cm hoch (inkl. Bügelgriff). Es wurde nach einem spätmittelalterlichen Fund aus Bamberg (1) gefertigt.

Finden lassen sich diese, zu den Herdgerätschaften zählenden, meist glockenförmigen Feuerstülpen (2) mit den verschiedensten Arten von Abzugslöchern, Verzierungen und Handhaben/Griffen in Deutschland aber schon seit dem Hochmittelalter (3) und durchgehend bis über die Neuzeit hinaus. In der Schweiz sogar noch bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Verwendet wurden sie, um sie nach dem Kochen über die zusammengeschobene Glut des niedergebrannten Herdfeuers zu stülpen. So sollte einem späteren Funkenflug oder der versehentlichen Verbreitung von Glutresten durch Haustiere, vorgebeugt werden. Und natürlich konnte so auch nichts unbemerkt oder aus versehen in die Glut fallen und sich entzünden. Eine Brandschutzmaßnahme par excellence also.

Außerdem liest man, dass die für die Feuerstülpen so typischen Luftlöcher gleichzeitig für den Abzug der Rauchgase und eine reduzierte Sauerstoffzufuhr sorgen sollten, so dass am nächsten Morgen, mit der dadurch noch erhaltenen Glut, das Feuer auf einfache Weise erneut entfacht werden konnte. Ein Effekt, der bis jetzt, mit der hier gezeigten Replik und über einen so langen Zeitraum (über Nacht), bis jetzt nicht nachvollzogen werden konnte.

 

Quellen/Literatur:

Ansorge, Jörg: Feuerstülpen und anderes Hausgerät des 13. Jahrhunderts aus der Rostocker Altstadt, Fischbank 5. In: Archäologische Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern e.V.: Archäologische Berichte aus Mecklenburg - Vorpommern, Band 13 2006. S. 124-140.

Gross, Uwe: Feuerstülpen/Backhauben - alternative Deutungsvorschläge für „grosse Deckel“ und vermeintliche Schüsseln via https://www.arthistoricum.net. URL: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/8832/. Stand 22. Juni 2026.

Schlösser, Manfred und Thier, Bernd: Schützen und Bewahren - eine spätmittelalterliche Feuerstülpe aus der Aa bei Haus Kump. In: LWL-Archäologie für Westfalen (Hrsg.): Archäologie in Westfalen-Lippe 2022 (2023). S. 158-160. URL: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/aiw/article/view/108421. Stand 22. Juni 2026.

1) Auf Nachfrage vor Ort, ins 14. Jahrhundert zu datieren.

2) Auch als Gluthauben, Glutglocken oder Glutbewahrer bezeichnet.

3) Vermutlich aber bereits seit dem Neolithikum. Siehe Schlösser u. Thier S. 159.


Langer Abend im Archäologischen Museum - Andere sagen ab ... wir nicht

Bayreuth, 21. Juni 2026

Um es gleich mal klar und deutlich zu sagen: Unser Langer Abend im Archäologischen Museum Bayreuth FINDET STATT! Auch wenn die Stadt Bayreuth ihre "Lange Nacht der Kultur" abgesagt und aus dem Jubiläumsprogramm "150 Jahre Bayreuther Festspiele" gestrichen hat. Denn unser "Langer Abend" ist ein jährlich wiederkehrender Termin des Historischen Verein für Oberfranken e.V. und findet traditionell am letzten Samstag im September statt. In diesem Jahr wäre er dann also eher zufällig mit der inzwischen abgesagten "Langen Nacht der Kultur" zusammengefallen. Einen Zufall, den wir, um ehrlich zu sein, gerne genutzt hätten, denn im Programm einer so großen Veranstaltung aufzutauchen, hätte unserer Veranstaltung und dem Archäologischen Museum Bayreuth, sicher gut getan. Aber was  soll’s, dann eben nicht. Wir SIND AUF JEDEN FALL FÜR EUCH DA ... am 26. September 2026 von 17:00 bis 23:00 Uhr. Und auch wirklich bis 23:00 Uhr. Nicht 22:00 Uhr, wie es im dem einen oder anderen Veranstaltungskalender steht.

Ach ja! Wenn euch das mit den Absagen rund um das Jubiläumsprogramm 150 Jahre Bayreuther Festspiele genauer interessiert, lest mal im Bayreuther Tagblatt die folgenden Artikel:

- Aus finanziellen Gründen: Keine Festmeile zu 150 Jahren Festspiele

- Festmeile abgesagt: Oberfrankenstiftung legt Förderzahlen zum Festspieljubiläum offen

- Nach Absage der Festmeile: Weitere Einschnitte für Festival150 folgen.


Bayreuth 1320 in Bayreuth 2026 - Zeitumstellung

Bayreuth, 13. Juni 2026

 

Wenig lässt sich im Voraus planen ohne dass bis dahin nicht doch noch was dazwischenkommt. So auch bei unseren beiden Stadtführungen. Diese müssen nämlich, aus Gründen, auf die wir keinen Einfluss haben, EINE STUNDE SPÄTER starten. Also um 15:00 Uhr! Auch der Treffpunkt musste geändert werden. Nämlich vor das Historische Museum Bayreuth! Und zu allem Überfluss, stehen unsere Stadtführung dann auch noch unter dem 2025er-Titel "Rundgang auf den Spuren des mittelalterlichen Bayreuth" in den Veranstaltungskalendern. Na, wenn das mal kein Chaos ist! Aber keine Angst: Inhaltlich laufen beide Stadtführungen wie geplant nach dem 2026er-Programm und sind auch weiterhin nahezu deckungsgleich. Bis auf weniger kindgerechte Themen. Die werden werden wir, ebenfalls wie geplant, bei der Familienführung im September ausklammern.

Ach ja! Da wäre noch der Lange Museumsabend im Archäologischen Museum. Auch da stimmt eine Angabe nicht. Denn wir von der Lebendigen Geschichte im Archäologischen Museum, werden auf jeden Fall bis 23:00 Uhr für euch da sein. Egal, was in diversen Veranstaltungskalendern sonst so steht.

 

Flyer und Poster als PDF zum Download*

Zeitreisestadtführung am 23. August 2026, 15:00 Uhr (aktualisierter Flyer)

Zeitreisestadtführung am 6. September 2026, 15:00 Uhr (aktualisierter Flyer)

Langer Abend im Archäologischen Museum Bayreuth

 

*Zum öffnen/betrachten benötigen Sie den Adobe Reader


Nierendolch - Mehr in der Truhe denn am Mann

Bayreuth, 8. Juni 2026

 

Hand hoch, wer von euch hat KEIN Replik daheim, das er/sie sich mehr fürs Herz als zur tatsächlichen Nutzung angeschafft hat. Ein Beispiel von uns wäre der hier gezeigte Nierendolch. Denn genaugenommen ergäbe sich für uns kaum eine Gelegenheit ihn auszuführen. Warum? Weil unsere Darstellung üblicherweise in städtischem Setting stattfindet und wir uns dabei am Nürnberger Recht und natürlich an der Nürnberger Polizeiordnung orientieren, welche dann im Laufe der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch tatsächlich in Bayreuth eingeführt wurde. Was für uns Bayreuth 1320er bedeuten muss, dass wir in unserer Darstellung im Alltag gar keine solche Waffe tragen durften. Denn in Nürnberg (und nicht nur dort) durfte man in der Stadt ganz allgemein keine « (…) swert oder spitzigeu messer oder verbotten wer (…) » mit sich führen. Weder offen noch verdeckt. Das galt für Gäste in der Stadt gleichermaßen wie für Einheimische. Ausgenommen bestimmter städtischer Beamter, deren Personal und die Büttel der Stadt natürlich. Was also heißt: Der Dolch bleibt zu Hause in der Truhe! Aber Achtung: Die Polizeiordnung meint damit kein Waffenbesitzverbot, sondern sorgt damit für ein friedliches Miteinander im öffentlichen Raum.

Doch zurück zum Nierendolch. Diese ursprünglich wohl aus Nordeuropa stammende und über Europa hinaus verbreitete Dolchform findet man in den verschiedensten Varianten vom 13. bis hinein ins 16. Jahrhundert. Getragen sieht man Dolche (egal welchen Typs) in den Bildquellen des 14. Jahrhunderts meist rechts am Gürtel hängend. Manchmal sogar hinter der Gürteltasche. Egal ob bei gerüsteten, ungerüsteten oder ansonsten unbewaffneten Männern.

Der Dolch hier, mit seinem schlichten Holzgriff, datiert gemäß der Typologie der Nierendolche von H. Seitz in die Zeit zwischen 1300 und 1400. Pate beim Nachbau stand ein unpublizierter Fund aus dem frühen 14. Jahrhundert aus Eichstätt. Eine 24 cm lange, symmetrische aber einschneidige Klinge mit Griffangel ohne jede Spur oder Rest von Griffteilen. Der Griff und die ebenfalls im Original nicht mehr erhaltene Scheide sind dabei generische Rekonstruktionen, die sich an Vorbildern aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts orientieren.

 

Quellen/Literatur:

Abels, Björn-Uwe: Ein gotischer Dolch aus Trunstadt. In: Das Archäologische Jahr in Bayern, 1990 (1991), S. 166-168.


Weibsbilder ... Frauen schreiben Geschichte - Hat Spaß gemacht

Bayreuth, 17. Mai 2026

 

Die Überschrift verrät es: Die Veranstaltung  im Geschichtspark Bärnau-Tachov stattfand, war eine Veranstaltung die einfach nur Spaß gemacht hat. Respekt, was Agnes Zankl da inzwischen übrigens, zum dritten Mal auf die Beine gestellt hat. Insgesamt waren es dieses Mal 24 Stationen quer durch den Geschichtspark Bärnau-Tachov und quer durch rund 1700 Jahre Geschichte. Beginnend im 3. Jahrhundert (nach Christus) und endend 1945. Unsere Favoritin darunter: "Ländliches Frauenleben  in Deutschland 1945". Denn so manches Stück dort kennt der Autor dieser Zeilen noch aus seiner Kindheit bei den Großeltern. Da wurden Erinnerungen wach!

Unser Favorit außer Konkurrenz war auch dieses Mal "Spätmittelalterliche Küche und Haushaltsführung um 1320". Denn dort (bei De Timmermansche) hat einer von uns mitgeholfen … natürlich auch beim Essen.

Kurz: Was Agnes da an Qualität, sowohl in der Darstellung als auch in der Didaktik, zusammengebracht hat, war schon wieder einmal großartig. Und um unsere Hoffnung von 2024 zu wiederholen: Wir würden uns wünschen, dass die "Weibsbilder" Schule machen ... und Mut. Vor allem in klassischen Museen. Mut zu einem weg von den bloßen Vitrinen und Texttafeln, hin zur lebendigen Geschichtsvermittlung.

 

Alle Bilder: Agnes Zankl


Weibsbilder ... Frauen schreiben Geschichte - Nix wie hin

Bayreuth, 17. Mai 2026

 

Am Pfingstwochenende, vom 23. bis zum 25. Mai 2026, finden im Geschichtspark Bärnau-Tachov zum dritten mal "Weibsbilder ... Frauen schreiben Geschichte" statt. Alle, die die Veranstaltungsreihe kennen, können jetzt aufhören zu lesen, denn sie werden ohnehin hinfahren. An alle anderen: Egal, was ihr zu Pfingsten vorhabt, sagt es ab und fahrt in den Geschichtspark Bärnau-Tachov! Vertraut uns diesbezüglich! Denn was ihr dort nächstes Wochenende an Living History zu sehen bekommt, werdet ihr wohl so schnell an keinem anderen Ort so umfassend und in dieser Qualität zu sehen bekommen. Beginnend im 3. und endend im 20. Jahrhundert. Womit wohl für jeden etwas dabei sein dürfte.

Wir jedenfalls, werden auf jeden Fall hin fahren. Und das nicht nur weil einer von uns, wie schon 2024, das ganze Wochenende mit dabei sein wird ... und zwar im Team von „Spätmittelalterliche Küche und Haushaltsführung“. Zu finden in der Herberge in der Baugruppe Hochmittelalter.


Reserviert! Kurz und knapp IX

Bayreuth, 10. Mai 2026

 

Schaut mal, worüber wir da in den Nürnberger Polizeiordnungen des 13. bis 15. Jahrhunderts, bezüglich Veranstaltungen im Rathaus, gestolpert sind ... und uns ein Schmunzeln nicht verkneifen konnten. Das Verbot einen Sitzplatz (oder Sitzstätte, wie es heißt) zu besetzen oder besetzen zu lassen! Vor allem nicht bei Tanzveranstaltungen!

Und das liest sich wie folgt: « Es soll auch fürbaß nymant eyniche sitzstatt auff dem rathawse weder zu tenntzen noch sunst verfahen noch ime verfahen lassen, bey peen eyner yden fart ain phundt newer haller ».

Seit damals hat sich also nichts geändert. Zumindest nicht bei Veranstaltungen mit freier Platzwahl. Interessieren würde uns dabei, wie das Besetzen damals vor sich ging. Weiß das jemand von euch? Einfach ein Handtuch über die gewünschte Sitzstatt legen, wird es wohl nicht gewesen sein. Aber warum eigentlich einen Sitzplatz vorab besetzen, war doch die Teilnahme an den Tanzveranstaltungen im Rathaus ausschließlich Angehörigen der ratsfähigen Familien vorbehalten und somit auch die Personenzahl und damit die benötigte Anzahl an Sitzplätzen dieser geschlossenen Gesellschaft durchaus bekannt. Aber vielleicht ging es ja gar darum einen Sitzplatz an sich zu ergattern, sondern vielmehr darum, eben genau DIESEN Sitzplatz neben oder bei DIESER Familie oder Person zu erlangen.

Auf jeden Fall war diese Praxis nicht gerne gesehen, wie die ebenfalls aufgeführte Strafe zeigt. Obwohl ... konnte eine Strafe von einem Pfund neuer Heller den Nürnberger Geldadel wirklich abschrecken?

 

Quelle/Literatur:

Baader, Joseph: Nürnberger Polizeiordnungen aus dem XIII bis XV Jahrhundert. Stuttgart 1861. URL: https://archive.org/details/nrnbergerpolize00gergoog. S. 91. Stand 10. Mai 2026.

Bild (Ausschnitt): Von René Bittner auf Pixabay


Kissen, Polster und Banklaken - Probiers mal mit Bequemlichkeit

Bayreuth, 3. Mai 2026

 

Wenn es um das Thema "Wohnen im Mittelalter" geht, fällt meist das Wort "spartanisch". Selbst noch im Spätmittelalter. Warum eigentlich? Betrachtet man nämlich zeitgenössische Bilder, sieht man das genaue Gegenteil. Natürlich sind die Räume dort aus heutiger Sicht nur sparsam mit Tisch, Bank, Hocker/Stuhl und Truhe (manchmal auch einem Schrank) möbliert. Einfach, auf das Nötigste beschränkt oder gar anspruchslos, spartanisch also, ist die Raumausstattung aber keinesfalls. Selbst wenn man die feine handwerliche Ausführung von so manchem Möbel ausser Acht lässt. Da wären nämlich noch Regale und Wandhaken voller Hausrat und persönlicher Dinge. Seien es Bücher, Flaschen, Scheren, Bürsten oder Spiegel. Sogar Tischdecken und  eine Blumenvase auf dem Tisch oder Blumentöpfe auf der Fensterbank lassen sich finden. Auf den Hockern, Stühlen und Bänken dann ... liegen Kissen, Polster und Banklaken. Oder, um es zeitgenössisch zu sagen: Stolkussen und Panncklag. Und auch wenn klar sein muss, dass man hier in die Stuben und Kammern der oberen Zehntausend schaut, erkennt man: Der mittelalterliche Mensch hatte es ganz offensichtlich gerne bequem. Und das sicherlich nicht erst seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (Bild 1). Und auch nicht nur bei Adel und Patriziern, wie einen die zeitgenössische Kunst glauben lässt. Ganz im Gegenteil sogar. Sitzkissen und Banklaken finden sich nämlich auch in mittel- und unterschichtigen Haushalten belegt. Wenn auch deutlich seltener und noch seltener in ihrer Beschaffenheit beschrieben.

Beschrieben finden Sie sich ... beginnen wir mit den Kissen ... ganz unabhängig vom Stand ihres Besitzers, wenn nicht überhaupt nur als deren bloße Menge erwähnt, meist nur rudimentär über Material, Größenangabe, Farbe oder Wert. Selten werden dabei Details wie das Motiv ihrer Stickerei, Wirkerei oder einer etwaigen Verzierung erwähnt. In Inventaren, Testamenten oder Rechnungsbüchern liest man beispielsweise "nur" von zum Beispiel, langen Bankpolstern, sechs Bankkissen, ledernen Polstern, ledernen Polstern mit grünem Überzug, grünen Kissen ohne Angabe des Materials, Kissen aus Leder, Kissen aus Tuch, Kissen aus Seide oder von mehreren Polstern und Kissen im Gesamtwert von (beispielsweise) 6 Gulden. Gelegentlich finden sich dann aber doch Beschreibungen der Motive die sie zierten. Darunter: Tiere, Blumen, Früchte, Blattwerk, Schrift oder Wappen, aber auch figürlichche Darstellungen. Noch seltener erfährt man dabei etwas über das wohl Wichtigste an (oder besser in) einem Kissen oder Polster. Namentlich über deren Füllung. Und wenn doch, sind uns hier beim Thema Sitzkissen und -polster, bis jetzt nur Federn begegnet. Um nur ein Beispiel anzuführen: Im Haushaltsbuch (1507-1517) des Anton Tucher hat es mehrfache Angaben zu mit Federn gefüllter Kissen und Polster.

Aber jetzt weiter zu den Banklaken. Auch bei ihnen findet man ebenso nur sehr allgemeine Angaben. « (…) Lange  Panncklag (…) », Banklaken im Wert einer gewissen Summe, in einer gewissen Länge oder in einer bestimmten Farbe usw. Als Materialien werden hier besticktes Leinen, wollene Wirkware und Seide genannt. Manchmal ist auch hier deren Motivik beschrieben. Dabei wiederholt sich die Palette der Stuhlkissen und Polster.

In der zeitgenössischen Kunst sieht man daneben auch noch Banklaken mit (vermutlich) Webmustern oder komplett einfarbig Stücke. Dabei liegen sie gleichermaßen nur über der Sitzfläche oder über Sitzfläche und Lehne (Bild 2).. Manchmal mit und manchmal ohne zusätzliche(s) Kissen.

Allerdings greift die Betrachtung der Banklaken rein als Sitzauflage eventuell zu kurz. So deutet beispielsweise die Beschreibung einer schmalen wollenen Wirkware als « (…) Wandteppich oder Panckle (…) » im Nachlass des Nürnberger Wolf Löffelholz aus dem Jahr 1519 darauf hin, dass solche Stücke scheinbar gleichermaßen als Wandbehang und Banklaken verwendet wurden (Bild 3).

All das diente natürlich nicht nur der Bequemlichkeit, sondern auch der Repräsentation. Das zeigen besonders die aufwändig gestalteten Stücke. Seidene Kissen (siehe Bild 4), aufwendig bestickte Stücke oder eben jenes « (…) Pankle, mit 4 darauf gewurckten dühren und allerlei gefarbten Rosen » des Wolf Löffelholz dürften die Gäste zuerst beeindruckt haben, bevor man ihnen anbot, darauf oder davor Platz zu nehmen. Aber auch wenn man bei so beschriebenen Stücken durchaus einen vermögenden Haushalt voraussetzen darf, sollte man nicht vergessen, dass wie oben erwähnt, Sitzkissen, Polster und Banklaken bis hinunter in die mittel- und unterschichtigen Haushalten verbreitet waren. Und auch wenn die Repräsentation dort vielleicht hintanstand, der Wunsch nach Bequemlichkeit tat es mit Sicherheit nicht.

Zum Schluss haben wir hier noch zwei erhalten gebliebene Kissen aus dem Spätmittelalter für euch. Zum einen ein besticktes Kissen (Seide auf Leinen) aus dem Dionysschatz des Stiftes Enger in Westfalen (Anfang 15. Jahrhundert) mit angeblich originaler Füllung aus feinem Heu oder Ähnlichem. HIER mehrere Bilder des Kissens auf der privaten Homepage von Joyce Miller. Und HIER eine Beschreibung des Kissens auf der Homepage der Staatlichen Museen zu Berlin. Das Kissen liegt heute (Stand 30. März 2026) im Kunstgewerbemuseum Berlin.

Und dann wäre da noch ein Lederkissen mit Daunenfüllung. Vorderseite: rot gefärbt mit geschnittener Verzierung, Rückseite: weißes Leder. Vermutlich aus Lüneburg (um 1425). HIER ein Bild des Kissens auf der Homepage der Lüneburger Stadtarchäologie. Und HIER eine Beschreibung des Kissens auf der Homepage des Archivinformationssystems Niedersachsen und Bremen. Das Kissen liegt heute (Stand 30. März 2026) im Museum Lüneburg.

 

Quelle/Literatur:

Zander-Seidel, Jutta: Textiler Hausrat - Kleidung und Haustextilien in Nürnberg von 1500-1650, S. 365-369. URL: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/3451/. Stand 24. März 2026.

Mosler-Christoph, Susanne: Die materielle Kultur in den Lüneburger Testamenten 1323 bis 1500. Dissertation, 1998. URL: https://ediss.uni-goettingen.de/handle/11858/00-1735-0000-0022-5D36-0. Stand: 5. Juli 2024.

Loose, Wilhelm: Anton Tuchers Haushaltsbuch (1507-1517). Laup 1877. URL: https://opendigi.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Kc87-134#p=9. Stand 2. November 2025.


Analoge Recherche - Zur Erinnerung

Bayreuth, 26. April 2026

 

Wir haben es ja schon einmal angesprochen (siehe HIER im Blog unter RECHERCHE + CO). Was tun, wenn einen die Recherche am Rechner nicht weiterhilft oder das dort empfohlene Buch nicht mehr erhältlich oder doch sehr teuer ist? Natürlich geht man in die nächstgelegene Universitätsbibliothek! Mit etwas Glück hat es dort den gesuchten Titel dort direkt im Bestand und man kann ihn auch sofort ausleihen. Oder man kann ihn dort via Fernleihe bestellen. Auch als Otto Normalforscher. 

Und eben diesen, wie es heißt, "Interessierten aus Stadt und Region" hilft die Universitätsbibliothek Bayreuth sogar beim Einstieg. Sie bietet nämlich regelmäßig sogenannte Bibliothekseinführungen an. Die Termine für dieses Semester sind der  21. Mai 2026, der 25. Juni 2026, der 23. Juli 2026 und der 10. September 2026, jeweils um 17 Uhr.

Andere Universitätsbibliotheken verfahren übrigens ähnlich. Schaut euch doch einfach mal deren Homepages an. Oder noch besser: Geht einfach mal vorbei. An der Ausleihtheke (meist leicht zu finden) wird euch sicher geholfen. Am besten geht ihr aber in deren Zentralbibliothek. Die Teilbibliotheken oder Zweigstellen sind nämlich nicht immer dafür ausgestattet neue Bibliothekskonten einzurichten.


Wildbäder - Kurbaden im Spätmittelalter

Bayreuth, 19. April 2026

 

Richtig gelesen: Badekuren gab es nicht nur bis in die Antike und dann, als quasi Neuentdeckung, erst wieder in der Neuzeit, sondern auch im Mittelalter. Die antike Kurbadekultur ging nämlich tatsächlich nie ganz verloren. So ist zum Beispiel überliefert, dass Karl der Große die seit den Römern überdauernden Thermalbäder von Aachen und deren Badepraxis sehr schätzte (1). Allgemein wurden die römischen Badeanstalten aber eher schlecht als recht instand gehalten oder man errichtete an Ort und Stelle neue Badebecken. Alles noch unter freiem Himmel. 

Bereits im 13. Jahrhundert ist dann aber eine zunehmende Nutzung deutscher Wildbäder zu verzeichnen. Anfangs wohl noch ohne regelhaften Badebetrieb und hauptsächlich von der direkten Anwohnerschaft besucht,  gab es diese Bäder jedoch, und sie wuchsen. Neue Becken kamen hinzu und in deren Umgebung auch Herbergen für auswärtige Gäste. Aber so richtig Fahrt auf nahm der mittelalterliche Badetourismus, also die Praxis der Badefahrt, dann doch erst ab dem 14. Jahrhundert. Kranke und Erholungssuchende der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten besuchten nun in der Hoffnung auf Heilung in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen die (gerne auch weiter entfernten) sogenannten Wildbäder (2). Dabei steht hier das Wort "wild" hier für natürlich vorkommendes thermales oder mineralisches Wasser und das Wort "Wildbad" meint somit ein Badhaus (auch mit Becken im Freien), das Zugriff zu einer solchen Quelle hat (3).

Und wie sah so eine Badekur idealerweise aus? Egal, ob in einem öffentlichen Bad oder im Privatbad einer Badeherberge. Egal, ob unter freiem Himmel oder in einer Badestube. Je nach Qualität des Wassers und Art und Schwere der Krankheit konnte sich eine solche Kur bis zu sechs Wochen hinziehen. Und das mit einer TÄGLICHEN Badezeit von vier bis zehn Stunden. Natürlich alles ärztlich verordnet! Vor dem Baden abführen, während des Badens weder essen noch schlafen und während der gesamten Kur weder schwere, fette oder scharfe Speisen zu sich nehmen, noch zwischenmenschlichen Kontakt pflegen (4). Nicht lustig, bis hier hin! Aber schließlich sollte es ja Genesung bringen. Zumindest aber Linderung.

Allerdings hat wohl nicht jeder nur um der Gesundheit willen das Wildbad aufgesucht, sondern auch ... etliche sogar hauptsächlich ... wegen der ebenfalls in den Bädern gebotenen Vergnügungen. Und die waren vielfältig. Es wurde musiziert, gefeiert und getanzt, ja sogar gespielt und geliebt. Egal ob in den Bädern der sogenannten besseren Gesellschaft oder denen des einfachen Volkes. Dabei badeten Männer und Frauen zwar getrennt, das jedoch oft nur durch einfache Holzwände, durch oder über welche hinweg man sich sehen konnte. So konnte man gemeinsam das Glas erheben, sich unterhalten und sich sogar berühren. Um die Becken herum konnte es Galerien geben, auf welchen man Platz nehmen konnte, um einfach nur dem Badetreiben zuzuschauen oder um Gespräche zu führen (5). Somit bot so ein Wildbad oder eine Badeort gleichermaßen Raum für Genesung, Erholung, Entspannung und Müßiggang. Ganz in der Gewichtung des Gastes.

Das hatte natürlich alles seinen Preis. Und der war dabei von der Willkür des Bademeisters abhängig, da dieser das Badegeld, von Gast zu Gast, selbst bestimmen durfte. Wobei ortsansässige Badegäste üblicherweise weniger tief in die Tasche greifen mussten (6). Wenn überhaupt, denn so manche  Stadt bot öffentliche Badebecken, welche kostenlos genutzt werden konnten (7). Und/oder es gab Spitalstiftungen, die den Armen und Kranken nicht nur das Baden selbst ermöglichten, sondern auch für deren Unterkunft und Verpflegung sorgten (8).

Ach ja! Abgestiegen sind die weitgereisten Gäste nicht nur in den umliegenden Herbergen. Sondern auch in sogenannten Badeherbergen. Häusern, die ihren auswärtigen Gästen, den Badetouristen könnte man sagen, nicht nur die herbergsübliche Unterkunft und Verpflegung sowie Stallungen für deren Reisetiere boten, sondern auch ihrerseits noch private Bäder bzw. Badestuben (9).

 

1) Schaer 2024, S. 31

2) Studt 2001, S. 34f.

3) Schaer 2024, S. 37.

4) Studt 2001, S. 40f.

5) Ebd. S. 42f.

6) Volland 1993, S. 169.

7) Strudt 2005, S. 160.

8) Studt 2001, S. 35.

9) Strudt 2005, S. 160)

Bild: Folz, Hans: Dises puchlein saget vns von allen paden die von natur heiß sein. Ca. 1491 via Münchner DigitalisierungsZentrum. Public Domain Mark 1.0 Universal


Update bzgl. Wenzelsbibel digital - Zur Erinnerung

Bayreuth, 12. April 2026

 

Die Digitaledition der Wenzelsbibel (ca. 1390-1400) hat ein Update bekommen. Aktueller Stand jetzt: Version 7.0.0 vom 2025-09-19. Mit dem Update sind nun die Folios 1r bis 239v von den insgesamt 1214 Blättern der Bibel verfügbar. Natürlich immer noch auf einem zweigeteilten Bildschirm. Zu Beginn ist eine Bildschirmhälfte mit dem Faksimile von Folio 1r belegt und die andere mit dessen Transkription. Daneben stehen noch eine Lesefassung und die (Beschreibung der) Illuminationen zur Auswahl.

Beide Bildschirmhälften können frei belegt werden. So kann man beispielsweise links weiterhin das Faksimile einer Buchseite betrachten und natürlich auch hineinzoomen und rechts daneben, zu "Illuminationen" wechseln um dort dann eine Gesamtbeschreibung dieser Seite, sowie eine Beschreibungen der einzelnen Miniaturen und der Marginalien zu erhalten. Natürlich kann man auch (z.B.) "Transkription" und "Lesefassung" nebeneinander stellen. Ganz entsprechend dem eigenen Rechercheziel.

 

Bild: Illuminationen aus einer Kopie der Wenzelsbiibel, Josef Hák via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Deed


Rekonstruierte Brunnen - Ein schönes Beispiel

Bayreuth/Nürnberg, 5. April 2026

 

Schaut mal was uns dieser Tage erreicht hat! Das Bild (und ein paar Links) eines Ziehbrunnens in Nürnberg. Genauer: Des Ziehbrunnens am Tiergärtnertor. Aber Achtung: Auch wenn er im Gegensatz zu seinen Bayreuther Brüdern tatsächlich so aussieht, ist er auch kein Original! Und ebensowenig nach einem mittelalterlichen Vorbild rekonstruiert.

Warum wir dann trotzdem davon anfangen? Wegen seiner möglichen Ähnlichkeit zu den beiden Brunnen, die man auf der als ältester Stadtplan von Bayreuth geltenden Federzeichnung "Bayreuth, wie es vor dem Brand 1621 gestanden" in der Kanzleistraße* finden kann. Einen beim Chor der Stadtkirche und einen im Einmündungsbereich zur Maximilianstraße*. Beide mit scheinbar runder Einfassung samt Überbau. Dabei trägt der Brunnen an der Maximilianstraße* zwar kein Dach, aber der Rollenzug ist gut zu erkennen. Der Brunnen an der Stadtkirche scheint dagegen aber mit einem Dach überbaut zu sein. Falls ihr euch selbst überzeugen wollt: Der Plan liegt in der Dauerausstellung des im Historischen Museum Bayreuth.

Doch zurück zum Nürnberger Brunnen: Entdeckt wurde sein Schacht 1979 bei Bauarbeiten. Seine Wiederherstellung nahmen dann der Altstadtfreunde Nürnberg e.V. in die Hand. Als Grundlage für die Rekonstruktion der oberirdischen Teile dienten dabei die Reste eines kriegszerstörten Hofbrunnens aus Nürnberg selbst, welcher obendrein noch die meisten der runden Säulensteine lieferte. Das sparsam ausgeführte Dach, welches eigentlich nur Querbalken und Rollenzug schützt, wurde entsprechend historischer Abbildungen gestaltet. Darunter vielleicht sogar (Bild unten) der von Johann Adam Delsenbach (1687-1765), geschaffene "Prospekt des Platzes beim Tiergärtnertor in Nürnberg" aus dem Jahr 1714, welcher eben jenen Brunnen ... und  seine Benutzung ... wunderbar detailreich wiedergibt.

 

Bild unten) Bildausschnitt aus: Prospekt des Platzes beim Tiergärtnertor in Nürnberg. Urheber: Delsenbach, Johann Adam. Rechtewahrnehmung und Datenpartner: Staatsbibliothek Bamberg. URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/UDDBTLUCDF5WPO7AGTZZ6O6ENZBD5EDU. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Stand 16. März 2026.

Quellen/Literatur:

Mulzer, Erich: Tätigkeitsbericht der Altstadtfreunde für das Jahr 1980. In: Altstadtfreunde Nürnberg e.V. (Hrsg): Nürnberger Altstadtberichte Nr. 6, 1981. S. 1-28. URL: https://www.altstadtfreunde-nuernberg.de/fileadmin/media/images/angebote/altstadtbericht/pdfs/altstadtberichte_nr._6_1981.pdf. Stand 19. März 2026.