Stadtführung 2025 - Gute Frage, nächste Frage

Bayreuth, 26. August 2024

Schön war’s mit euch. Danke für euer zahlreiches Dabeisein und dass bis zum Schluss durchhalten. Dieses Mal übrigens mit deutlich mehr Auswärtigen als Bayreuther Teilnehmern.
 Begonnen hat die Stadtführung wie schon mal 2023 mit einer Stippvisite im Historischen Museum. An den dort ausgestellten Funden der archäologischen Ausgrabung „Alte Lateinschule“ war gut zu zeigen, woher man etwas über das Mittelalter vor 1430 in Bayreuth weiß, obwohl die Schriftquellen dazu verloren gegangen sind.
Weiter ging es dann durch die Gassenaltstadt vor die Mohrenapotheke am Marktplatz, dem Platz des ersten und zweiten Rathauses. Dort dann verbal auch noch zum ersten Spital und zum Frauenhaus der Stadt und schlussendlich, dann wieder zu Fuß, in den Ehrenhof des Alten Schlosses, wo die Führung nach einer Stunde endete.

Aber da bei unseren Stadtführungen traditionell nicht die längst verschwundenen Gebäude im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr die Menschen, die im Spätmittelalter dort gelebt haben, waren diese Plätze allesamt nur Aufhänger für allerlei Alltägliches dieser in Bayreuth gerne vergessenen Zeit. Wer wohnte wo, Spitalwesen, tägliche Hygiene und Badekultur, Frauenhäuser und und und. Stichwortgeber waren dabei oft die Teilnehmer selbst. Die beste Frage diesmal: Wie kann es sein, dass die beiden Badehäuser der Stadt ausgerechnet in unmittelbarer Nähe der Kottgass (= heutige Kämmereigasse) standen, durch welche ein Seitenarm des Tappert floss und in welchen die Abwässer und Fäkalien der Anrainer entsorgt wurden? Eine Frage, die wir ad hoc nicht beantworten konnten, der wir aber nachgehen werden.
 Begleitet wurde unsere Führung wie immer von Alltagsgegenständen des 14. Jahrhunderts. Nuppenbecher, Kerbholz, Nietbrille, Paternoster und vieles mehr gab es zu sehen und anzufassen. Und von der Frage, ob man im 14. Jahrhundert schon Reis, Zitronen, Mandeln oder Feigen zu kaufen bekam. Vielleicht ja nicht unbedingt in Bayreuth, aber bestimmt in Nürnberg.

Ob unser "Rundgang auf den Spuren des mittelalterlichen Bayreuth" gefallen hat? Wir hoffen es. Aber auf jeden Fall sind, so wie es aussah, alle Teilnehmer bis zum Schluss dabei geblieben. Danke noch einmal dafür. 


Middelaldercentret Nykøbing - Reenactmentsommer I

Bayreuth/Nykøbing, 22. August 2025

Schaut mal, wir haben es endlich geschafft unseren seit 2014 gehegten Traum auf Reenactment im Mittelaldercentret zu verwirklichen. Und das dann gleich für 10 Tage. Wunderbar war’s und stellenweise auch anstrengend. Mehr dazu gibt’s hier an dieser Stelle, sobald wir alles Bildmaterial zusammenhaben. Versprochen!

Ach ja! Nicht vergessen, morgen 14 Uhr ist Stadtführungszeit. Da geht es mit einem von uns 1320ern „Auf den Spuren des mittelalterlichen Bayreuth“ durch die Innenstadt. Veranstalter ist der Historische Verein für Oberfranken e.V. Treffpunkt ist wie der Kirchplatz zwischen Stadtkirche und Historischem Museum. Im Anschluss kann dann noch kostenlos das Archäologische Museum besucht werden.


Melencolia I - Meisterschaft sehen

Nürnberg, 3. August 2025

Die seit 2021 im Grafischen Kabinett des Albrecht-Dürer-Hauses stattfindende Reihe "Original Dürer" mit Werken aus den Beständen der Graphischen Sammlung der Museen der Stadt Nürnberg hat uns ja 2023 schon einmal auf die Idee gebracht, das Haus zu besuchen. Und da der Ausstellungsschwerpunkt bekanntermaßen alle 4 Monate wechselt, haben auch wir vor kurzem wieder mal vorbeigeschaut. Denn derzeit und noch bis zum 2. November diesen Jahres präsentiert das Grafische Kabinett: "500 Jahre Dürer & Geometrie. Altes Wissen - neue Welten". Anlass ist das Erscheinen des ersten Geometrie-Lehrbuchs in deutscher Sprache. Albrecht Dürers "Unterweisung der Messung mit dem Zirkel und Richtscheit“.

Neben dessen Originalausgabe ist als weiteres Highlight auch Dürers wohl rätselhaftester Kupferstich zu sehen. "Melencolia I" aus dem Jahr 1514. Selbstverständlich ebenfalls im Original.
Unnötig zu erwähnen, dass die Stiche begeistern. Unglaublich welche Meisterschaft Dürer hier zeigt. Nicht umsonst zählt "Melencolia I" neben "Ritter, Tod und Teufel" und "Der heilige Hieronymus im Gehäus" zu den  sogenannten Meisterstichen. Schaut sie euch an. Es lohnt sich. Auch wenn man eine etwas längere Anreise hat.


Fackeln im Mittelalter? - Gute Frage

Bayreuth, 26. Juli 2025

Ein Archäologen-Abenteuer-Heimkinoabend und die späte Frage: Gab es im Mittelalter auch Fackeln? Ja klar, sieht man manchmal auf Gemälden oder in z.B. Hausbüchern oder so. Aber wie die tatsächlich aussahen … noch nie drüber nachgedacht. Aber de facto nicht so wie im Film! Oder vielleicht doch?

Beginnen wir von vorn … beziehungsweise, beginnen wir die Sache dieses Mal zuerst mit der etymologischen Seite. Das Wort "Fackel" geht zurück auf das Mittelhochdeutsche "vackel", welches wiederum auf das Althochdeutsche "fackala" zurüchgeht, was für Fackel und Kienfackel steht und das seinerseits auf das Lateinische "facula" zurück geht. Letzteres ist wiedeum das Diminutiv* von "fax", was wiederum für Kienspan, Fackel, Flamme oder Feuer steht. Womit wir mit fakula = vackel = Fackel bei einem kleinen Feuer wären. Soweit, so klar, es gab Fackeln also schon vor dem Mittelalter. Zumindest dem Namen nach. Doch wie sahen diese aus? Hier können uns die Bildquellen weiterhelfen. Für das Spätmittelalter beispielsweise die Chronik des Benedikt Tschachtlan = Berner Chronik (siehe Bild oben). Die Fackeln dort wirken wie etwas längere, zu einem Bündel zusammengeschnürte Hölzer. Sehr ähnliche Fackeln tragen übrigens die Fackelträger auf dem Deckelrelief des sog. Lipsanoteca di Brescia, einem elfenbeinernen Reliquienkästchen aus dem 4. Jahrhundert.

Leider geben solche Quellen keine Auskunft über das verwendete Material. Waren es, dem althochdeutschen „fackala“ für "Kienfackel" folgend, eventuell tatsächlich einfach nur etwas längere, zu einem Bündel geschnürte Kienspähne? Oder aber einfach nur Bündel dünner Äste, die mit einer brennbaren Substanz präpariert wurden? Für Ersteres würde der Kienspanlieferant selbst sprechen, nennt man die Kiefer doch auch Kienföhre, Kienbaum, Feuerbaum oder eben Fackelbaum. "Kien" meint übrigens den inneren Kern vom totem Holz, in dem sich während des Absterbens des Baumes dessen Harz sammelt, was ebenso bei Tannen, Fichten, Lärchen, Pinien, Birken oder Kirschbäumen auftritt. Letzteres, das Präparieren von Holzbündeln mit einer brennbaren Substanz, findet sich in: Dark ages ? - Licht im Mittelalter. Einer Publikation des Historischen Museums Olten. Darin ist von der Verwendung von Unschlitt (Talg) für die Herstellung von (unter anderem) Fackeln im gesamten mittelalterlichen Europa die Rede. Leider ohne näher darauf einzugehen oder gar eine so hergestellte Fackel zu beschreiben.

Aber vielleicht findet sich deren Beschreibung in einem Artikel von Janne Harjula. Bei ihm ist zu lesen, dass Fackeln aus zu Bündeln gebundenen Zweigen oder Rinde hergestellt wurden. Ganz wie es unsere Bildquelle vermuten lässt. Hergestellt vorzugsweise aus harzhaltigen und damit von Natur aus leicht brennbaren Holz (Kienholz). Oder man trug z. B. Harz oder Teer auf die Bündel auf, um nötigenfalls deren Brennbarkeit zu verbessern.

Ach Ja! Der Artikel von Janne Harjula stellt primär und am Beispiel eines für Finnland wohl einzigartigen Fundes eine ganz andere Art von Fackel vor. Diese besteht aus zwei langen Hölzern, deren obere Enden nebeneinander in einer kompakten Wicklung aus Textil und Pflanzenfasern stecken, welche mit Kiefernteer getränkt ist. Wenn das nicht an einen dieser Archäologen-Abenteuerfilme erinnert?

Die Hölzer im Fund haben dabei eine Länge von 34 bzw. 29 cm, waren ursprünglich aber wohl länger. Die Wicklung selbst ist ca. 90 mm breit und hat einen maximalen Durchmesser von 75 mm. Gefunden wurde die Fackel bei archäologischen Ausgrabungen neben dem Hauptgebäude der Åbo Akademi (Universität) in Turuk.

Zusammen mit der Fackel wurde übrigens auch eine Holzschale mit einem Durchmesser von ca. 18 cm gefunden. In dieser, Kiefenpech-Anhaftungen. Vermutet wird, dass der textile Teil von Fackeln mithilfe solcher Schalen mit Teer getränkt wurde. Datiert sind Fackel und Holzschale zwischen dem späten 14. und dem frühen 15. Jahrhundert.

Mit diesem Fund dürfte dann auch die eingangs aufgegriffene Mutmassung, mit einem Doch, auch Fackeln so ähnliche wie die im Film, zurechtgerückt sein. Aber nicht die Frage, warum die da in jeder dunklen Gruft griffbereit in der Wand stecken, selbst nach Jahrhunderten noch mühelos anzuzünden sind und dann brennen und brennen und brennen und …


*Verkleinerungsform eines Substantivs mit grammatischen Mitteln

Quellen/Literatur:
Chrzanovski, Laurent und Kaiser Peter (Hrsg): Dark ages ? -Licht im Mittelalter. Historisches Museum Olten, 2007. Via Academia. URL: https://www.academia.edu/1201561/L_Chrzanovski_P_Kaiser_Dark_Ages_Licht_im_Mittelalter_Léclairage_au_moyen_âge_Milano_2007_Edizioni_ET_. Stand 19. Juli 2025.

Etymologisches Wörterbuch des Deutschen; Fackel, … URL: https://www.dwds.de/wb/etymwb/Fackel. Stand 21. Juli 2024.

Harjula, Janne: Valoa ja varjoa Keskiaikainen soihtu Åbo Akademin päärakennuksen tontin kaivauksista Johdantobei. In: Pellinen, Hanna-Maria: Maasta, Kivestä ja Hengestä - Markus Hiekkanen Festschrift. Saarijärvi 2009. S. 314-380. Via Academia. URL: https://www.academia.edu/1056014/Valoa_ja_varjoa_keskiaikainen_soihtu_%C3%85bo_Akademin_p%C3%A4%C3%A4rakennuksen_tontin_kaivauksista_Light_and_Shadows_a_medieval_torch_find_from_the_%C3%85bo_Akademi_main_building_site_excavation_in_Turku_SW_Finland_. Stand 19. Juli 2025.

Bild 1) Tschachtlan, Bendicht und Dittlinger, Heinrich: Berner Chronik. Bern um 1470. Bildausschnitt von Seite 307. Zentralbibliothek Zürich, Ms A 120 via e I manuscripta. URL:. https://www.e-manuscripta.ch/zuz/content/zoom/2402564. Public Domain Mark.

Bild 2) Fackel aus Turuk. Skizze frei nach Pellinen, Hanna-Maria: Maasta, Kivestä ja Hengestä - Markus Hiekkanen Festschrift, S. 314.


Stadtführung - In eigener Sache

Bayreuth, 13. Juli 2025

In wenigen Wochen ist es wieder so weit … Stadtführungszeit! Am Samstag, den 23. August 2025, laden der Historische Verein für Oberfranken e.V. und „Bayreuth 1320” erneut zu einer Führung durch die Bayreuther Innenstadt ein. Der Titel lautet auch dieses Mal: „Auf den Spuren des mittelalterlichen Bayreuth“. Veranstalter ist dabei der Historische Verein für Oberfranken e.V. Die eigentliche Durchführung obliegt uns 1320ern.

Die Führung orientiert sich an den Resten der mittelalterlichen Bebauung innerhalb der Bayreuther Stadtmauer sowie an dem, was die Archäologie über das mittelalterliche Bayreuth und dessen Einwohner zu berichten weiß.

Beginn ist um 14 Uhr und Treffpunkt ist wie immer der Kirchplatz zwischen Stadtkirche und Historischem Museum.
Und wie üblich bei den Stadtführungen die Bayreuth1320 für den Historischen Verein durchführt, ist die Teilnahme kostenlos. Die Dauer ist auf eine Stunde angesetzt, kann aber bei Interesse aber gerne ausgedehnt werden. Abgesehen vom Kopfsteinpflaster der Bayreuther Innenstadt, ist die Route auch rollstuhl- und rollatorgerecht.


Bemaltes Kruseler-Püppchen - Neues aus der Spielzeugkiste

Bayreuth/Nürnberg, 6. Juli 2025

Schon wieder einmal so eine Sache in Sachen Mittelalter, von der man nicht wusste dass es sie gibt. Und man hätte auch nicht geglaubt, dass es sie gibt, hätte man sie nicht vor die Nase gehalten bekommen. Diesmal war es ein bemaltes Kruseler-Püppchen aus der Stadtarchäologie Nürnberg. Gefunden bei einer Grabung in der Rathsbergerstraße in Nürnberg und wohl vor 1400 zu datieren. Unser erster Gedanke nachdem die Verblüffung verflogen war: Ja warum eigentlich nicht? Es ist ja schließlich Kinderspielzeug.

Aber so richtig sortieren konnten wir es nicht. Macht aber nichts, denn genau dazu gibt Literatur.
Moden aus Modeln, so der Titel. 1998 vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg herausgegeben. Und darin: Bemalte Tonfigürchen. Auch bemalte Kruseler-Püppchen. Zwar nur wenige, aber immerhin. Und dass so wenige bemalt gefunden wurden, liegt wohl daran, dass deren ursprüngliche Bemalung durch Abnutzung beim Gebrauch und/oder die lange Zeit im Boden verloren ging. Glücklicherweise aber nicht immer. Denn gelegentlich findet man vor allem in deren Gesichtern noch Farbreste der ursprünglichen Bemalung. Dabei ist festzustellen dass damit wohl die Augen, der Mund, aber auch die Arme und Teile der Kleidung betont werden sollten. Schwarz war hierbei die Farbe der Wahl. Bei den hier gezeigten Püppchen aus der Stadtarchäologie Nürnberg, finden sich solche (augenscheinlich) schwarzen Farbreste an der Stirn unter dem Kruseler, als rechte Augenbraue, in der Armbeuge des rechten Arms und am rechten Handgelenk.

Daneben waren auch die Augen farblich hervorgehoben. Diese wohl aber in einer anderen Farbe. Solche über ihre Konturierung hinausgehend bemalten Kruselerpüppchen finden sich auch in der Sammlung des GNM. Wenn auch nur mit wenigen Stücken. Erstaunlicherweise in Form von ehemals bunt bemalten Kruseler-Hauben (Farbresten zwischen den Rüschen). Erstaunlich deshalb, weil die zeitgenössische Kunst unseres Wissens nach, die ehemals aus Leinentuch bestehenden Kruseler immer weiß darstellt. Aber vielleicht könnt ihr uns da weiterhelfen. Bezüglich des Wissens um bunte Kruseler oder vielleicht sogar mit einem ehemals komplett bemalten Kruseler-Püppchen. Egal ob als ausgestelltes Original im Museum bei euch um die Ecke, als Textstelle in einem der Bücher bei euch im Regal oder einem Link. Mail genügt.

 

Quelle/Literatur:
Grönke, Eveline und Weinlich, Edgar: Mode aus Modeln - Kruseler- und andere Tonfiguren des 14. bis 16. Jahrhunderts aus dem Germanischen Nationalmuseum und anderen Sammlungen. Nürnberg 1998.

Archäologisches Lexikon - "Mode aus Modeln" - Spielzeug oder Gabenträger. In: Archäologie am Obermain. URL: http://landschaftsmuseum.de/index1.htm. Stand 5. Juli 2025

Bild 1: Kruselerpüppchen mit Resten einer Bemalung. © Holger Heid mit freundlicher Genehmigung durch Melanie Langbein, Stadtarchäologie Nürnberg.

Bild 2: Ausschnittvergrösserung.

Bild 3. Rückseite des Püppchens. © Holger Heid mit freundlicher Genehmigung durch Melanie Langbein, Stadtarchäologie Nürnberg.


Nürnberg Mitte 15tes - Ein Augenzeugenbericht

Bayreuth, 29. Juni 2025

Fundstücke über Fundstücke. Diesmal, ein Auszug aus dem von 1457 bis 1558 entstandenen Reisebericht „De ritu, situ, moribus et conditione Germaniae descriptio“ (= Beschreibung von Lage, Gebräuchen und vom Zustand Deutschlands). Verfasst von Aeneas Silvius de Piccolomini (1405-64), dem späteren (ab1458) Papst Pius II.
Gefunden haben wir den Auszug, wie auch schon die Sache mit den Blumentöpfen, in "Franken in alten Ansichten und Schilderungen" von Hanns Hubert Hofmann und Günther Schuhmann.
Darin wird De Piccolomini bezüglich Nürnberg wie folgt zitiert: « Wenn man aus Niederfranken kommt und diese herrliche Stadt aus der Ferne erblickt, zeigt sie sich in wahrhaft majestätischem Glanze, der beim Eintritt in ihre Tore durch die Schönheit ihrer Straßen und die Sauberkeit ihrer Häuser sich bewahrheitet. Die Kirchen zu St. Sebald und St. Lorenz sind ehrwürdig und prachtvoll, die kaiserliche Burg blickt fest und stolz herab, und die Bürgerhäuser scheinen für Fürsten erbaut. Wahrlich, die Könige von Schottland würden wünschen, so gut wie die Durchschnittsbürger von Nürnberg zu wohnen. »

Dem ist nichts hinzuzufügen. Allerdings sollte man bedenken, dass Piccolomini an der einen oder anderen Stelle, vielleicht sogar mit einem gewissen Kalkül, etwas übertrieben haben könnte. Vielleicht aber auch nicht, stand doch Nürnberg damals in seiner wirtschaftlichen und kulturellen Blüte, von der noch heute die unter der Burg stehenden (Bürger-)Häuser dieser Zeit zeugen. Außerdem kann man annehmen, dass ein (damals noch) Kardinal, wohl schwerlich die Gassen abseits der Hauptstraßen, der großen Kirchen und der Patrizierhäuser zu sehen bekam.

 

Quelle/Literatur:
Schuhmann, Hanns Hubert und Hofmann, Günther (Hrsg.): Franken in alten Ansichten und Schilderungen. 1967.

Bayerische Akademie der Wissenschaften: Geschichts­quellen des deutschen Mittelalters - De ritu, situ, moribus et conditione Germaniae descriptio. URL: https://geschichtsquellen.de/werk/1819. Stand 23. Juni 2025.

Bayerische Akademie der Wissenschaften: Geschichts­quellen des deutschen Mittelalters - Pius II papa. URL: https://geschichtsquellen.de/autor/1803. Stand 23. Juni 2025.

Diefenbacher, Michael: Nürnberg, Reichsstadt: Politische und soziale Entwicklung. In: Historisches Lexikon Bayern. URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/N%C3%BCrnberg,_Reichsstadt:_Politische_und_soziale_Entwicklung#Aufstieg_zur_Reichsstadt_-_Verbindung_zum_K%C3%B6nigtum_-_Innere_Unruhen. Stand 28. Juni 2025.

Bild: Bürgerhaus Obere Krämersgasse 12, Nürnberg. 1399 erbaut. Fassade mit Zwerchhaus weitestgehend bauzeitlich. Siehe: https://www.nuernberg.museum/projects/show/771-haus-obere-kraemersgasse-12-privatbesitz-besichtigen (Stand 14. Mai 2025)


Grapen? Dreibeintopf? Dreibeinpfanne? - Das ist hier die Frage

Bayreuth, 22. Juni 2025

Nicht alle Keramikkochgefäße sind Grapen. Soweit so klar. Aber auch nicht alle die auf drei Beinen stehen! Denn ein Grapen ist nur dann ein solcher wenn er auf besagten drei Beinen steht UND einen mehr oder weniger rundkugeligen Gefäßboden hat. Dabei ist es auch egal ob er aus Keramik oder Buntmetallguss hergestellt ist.

Kochkeramik mit zwar ebenfalls drei Beinen, ABER einem flach-gedrungenen Gefäßkörper und nahezu flachem Boden, firmiert dagegen als Dreibeintopf oder Dreibeinpfanne. Je nachdem ob sie einen Bandhenkel (= Dreibeintopf) oder einen hohlen Tüllengriff (= Dreibeinpfanne) hat. Und um noch eins draufzusetzen: Es gibt auch Grapen aus Keramik mit Henkeln oder hohlen Tüllengriffen. Letztere bezeichnet man dann als Tüllengrappen. Noch Fragen?

Aber vielleicht wollt ihr euch doch lieber selbst ein Bild machen. Idealerweise mit dem "Leitfaden zur Keramikbeschreibung (Mittelalter - Neuzeit)". Leider gibt es den, so wie es zurzeit aussieht, nur noch über eine Bibliothek auszuleihen oder antiquarisch zu kaufen. Oder ihr nutz einfach* das BaLISminK. Das Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik. Habt aber bitte keine Scheu, denn obwohl das BaLISminK eigentlich für den Universitätsbetrieb konzipiert wurde, richtet es sich ausdrücklich auch an den interessierte Laien. Auch bezüglich der Erweiterung und Verbesserung.

Und wenn wir schon beim Thema Keramiktypologie sind und ihr vielleicht mal kurz über unsere Landesgrenzen hinausschauen wollt, klickt euch mal durch den Guide to the Classification of Medieval Ceramic Forms an. Der Name lässt es erraten: der Leitfaden zur Beschreibung englischer Keramik. Oder ihr werft einen Blick ins Handbuch zur Terminologie der mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Österreich. Viel Spaß beim Stöbern!

Ach ja! Kochgefäße ohne Beine sind einfach nur Töpfe. Je nach der Form ihres Bodens, Standboden- oder Kugeltöpfe.

 

*Der Link zum BaLISminK ist ab sofort ebenfalls HIER bei uns unter LINKS unten in der Fußleiste zu finden. Dort in der Kategorie RECHERCHE.

Im Bild: 1= Standboden, 2= auf- oder eingewölbter Standboden, 3= Linsenboden, 4= Kugelboden, 6-12= angesetzte Füße.

Quelle/Literatur:
Bauer, Ingolf; Endres, Werner; Kerkhoff-Hader u.a.: Leitfaden zur Keramikbeschreibung (Mittelalter - Neuzeit) - Terminologie, Typologie, Technologie. München 2005.
BaLISminK = Das Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik. URL: https://amanz-balismink.rproxy.rz.uni-bamberg.de/balismink/index.php/Hauptseite. Stand 5. Juni 2025.


Blumentöpfe - Drüber gestolpert

Bayreuth, 15. Juni 2025

Manchmal begegnen einem Dinge, die glaubt man erst mal nicht. Diesmal: Mittelalterliche Blumentöpfe. Richtig, die gab es wirklich. Drüber gestolpert sind wir in dem Buch: Franken in alten Ansichten und Schilderungen. Darin ein Zitat des Humanisten Conrad Celtis von 1495: « … und vor denselben fenstern in scherben mancherley wohlriechender plumen und frembder kräuter, die dann, so sich der luft bewegt, die schlafkammer und heuser, also sie offen und luftig sind, mit ihren geschmack erfüllen … ». Gemeint sind die Fenster in Nürnberg und mit den "scherben" Blumentöpfe.
Blumentöpfe auf der spätmittelalterlichen Fensterbank. Das bedarf der Recherche.

Und siehe da, Uwe Gross hat uns da weitergeholfen, Blumentöpfe waren in den Städten seit dem Hochmittelalter durchaus gebräuchlich. Ihre trotzdem geringe Anzahl im archäologischen Fundgut, begründet er damit, dass sie anfangs wohl auch keine spezifische Form hatten und sie sich somit kaum von den Töpfen aus Küche und Vorratshaltung unterschieden. Einzig die Löcher zur Vermeidung von Staunässe im Gefäßboden, könnten sie als Blumentopf ausweisen. Gross meint in diesem Zusammenhang auch, dass Töpfe mit durchlochtem Boden zu oft als Siebgefäße missgedeutet wurden und werden. Für uns durchaus nachvollziehbar. Vor allem bei Töpfen mit nachträglich durchlochtem Boden.

Ab dem späten 14. Jahrhundert wird die Sache aber einfacher. Da bildet sich dann die bis heute für Blumentöpfe so typische steilwandige Form heraus. Meist weitmundig, etwa halbhoch und von vornherein mit (auch mehreren) Löchern im Gefäßboden oder dem bodennahen Wandbereich. Dabei konnten die Töpfe durchaus auch verziert sein. Zum Beispiel mit ein- oder zweifarbiger Engobe. Mit Randleisten oder umlaufend eingeritzten Linien und/oder Wellen. Oder mit Zinnen oder Treppchen tragende Gefäßrändern.

Dementsprechende Stücke findet man auch in der zeitgenössischen Kunst. Dort stehen sie dann im Zusammenhang mit einer augenscheinlich gut situierten Gesellschaft. Wobei sich hierbei für uns die Frage stellt, inwieweit Keramiktöpfe und mehr sind Blumentöpfe nun mal nicht, tatsächlich nur als Luxusgut einer vermögenden Bevölkerungsschicht zu sehen sind. Eine Ausnahme dürfte dabei die Majolika in Bild 3 darstellen. Vielleicht standen Blumentöpfe ja ganz im Gegenteil, sogar, um zu Conrad Celtis zurückzukommen, auch auf den Fensterbänken der Nürnberger Handwerkerhäuser. Waren also, wie oben schon angemerkt, weil missgedeutet, wesentlich verbreiteter als uns die wenigen Blumentöpfen unter den archäologischer Funden denken lassen.

 

Quelle/Literatur:
Schuhmann, Hanns Hubert und Hofmann, Günther (Hrsg.): Franken in alten Ansichten und Schilderungen. 1967.
Gross, Uwe: Ungewöhnliche Keramikfunde aus den Grabungen des Jahres 2008 in Bruchsal - Teil 1: Ein hortus condusus en miniature (?). In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg - Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege. 38. Jahrgang 3/2009. S. 186-187. URL: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/944/. Stand 8. Juni 2025.
Pönitz Cornelia: Eine (außer-)gewöhnliche Gefäßkeramik - Blumentöpfe als Sonderform. In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Band 36, 2023. S. 53-62. URL: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/mitt-dgamn/article/view/105438. Stand 26. Mai 2025.

Bild 1: Hans Vintler: Das buoch der tugend, Augsburg, 1486. Bildnr.360.
Public Domain Mark 1.0 Universal via Münchner DigitalisierunsZentrum

Bild 2: Mittelalterliches Hausbuch von Schloss Wolfegg, Doppelseite fol. 18v–19r (Badehaus), ca. 1480.
Anonymous/Unknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

Bild 3: Margaret of York before the resurrected Christ, MS Add 7970, f. 1v, 15. Jahrhundert.
Nicholas Finet, Public domain, via Wikimedia Commons


Das Kruseler-Püppchen der Sammlung Spannrad - Ein Update

Bayreuth, 8. Juni 2025

Man ist nur so klug wie das letzte (Fach-)Buch einen gemacht hat. Diesmal bezüglich des Kruseler-Püppchens aus der Sammlung Spannrad, das wir euch HIER im Blog unter FUNDE vorgestellt haben. Wenn ihr euch erinnert, zu dem Püppchen gibt es eigentlich keinerlei Informationen. Noch nicht mal, wo es gefunden wurde.

Aber jetzt hat uns da die Lektüre von "Mode aus Modeln - Kruseler- und andere Tonfiguren des 14. bis 16. Jahrhunderts aus dem Germanischen Nationalmuseum und anderen Sammlungen" zumindest etwas weitergeholfen. Der Titel beschreibt nämlich solche Püppchen in all ihren Varianten als "nur" zwischen der Mitte des 14. Jahrhunderts und dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts vorkommend. Also in etwa zwischen 1350 und 1435. Der Risen-Kruseler den das Püppchen der Sammlung Spannrad trägt, taucht dabei aber erst um 1370 in der Mode der Zeit auf. Was auch dessen möglichen Herstellungszeitraum noch etwas mehr eingrenzt.

Daneben kann man eventuell sogar eine Vermutung bezüglich seiner Herkunft anstellen. Und zwar über die Verzierung der Kleider, die die Püppchen tragen. Üblicherweise, fast standardmäßig, ist dass eine vertikale Reihe kreisrunder Medaillons. Abweichend davon und seltener gibt es auch Beispiele für Kleider, die wie geknöpft erscheinen, oder Kleider, die wie beim Spannrad-Püppchen, mit einer vertikalen Vierpassreihe (Borte?) verziert sind. Letztere gehäuft unter den Nürnberger Funden von Püppchen mit Risenkruseler, aus der Sammlung des GNM*.

Beides zusammen legt nahe, dass das Kruseler-Püppchen der Sammlung Spannrad, mit aller gebotenen Vorsicht, zwischen etwa 1370 und 1435 zu datieren ist und eine deutliche Verwandtschaft zu einem Typ aufweist, der gehäuft in Nürnberg gefundenen wurde. Mehr aber auch nicht. Auch nicht, ob das Figürchen aus der Sammlung Spannrad ein in Nürnberger gemachter Fund ist oder es gar aus einer Nürnberger Werkstatt stammt.

Aber auf jeden Fall haben wir aber unseren Blogbeitrag unter FUNDE und unser PDF "Die mittelalterliche Keramik der Sammlung Xaver Spanrad" das ihr HIER unter AUFSÄTZE im Kapitel ANHANG herunterladen könnt, diesbezüglich aktualisiert.

 

*Germanisches Nationalmuseum Nrnberg

Quelle/Literatur:
Grönke, Eveline und Weinlich, Edgar: Mode aus Modeln - Kruseler- und andere Tonfiguren des 14. bis 16. Jahrhunderts aus dem Germanischen Nationalmuseum und anderen Sammlungen. Nürnberg 1998.


Spätmittelalterliche Bohlenstube - Die Holzkiste im Haus

Bayreuth, 1. Juni 2025

Weitergehen soll unsere lose Serie zum Thema Wohnen in einem spätmittelalterlichen Haus, nach Kachelofen und Küche (siehe HIER im BLOG unter WOHNEN + CO) mit der Stube. Einem Wohnraum im Haus, der mittels eines von außen (meist von der Küche her) betriebenen Ofens rauchfrei beheizt werden kann. So die Volkskunde (1). Geholfen hat uns dabei ein ganz wunderbarer Artikel von Konrad Pedal (2), dem wir hiermit folgen wollen.

Also: Zurückverfolgen kann man die Stube bzw. das Wort "stuba" bis ins 7. Jahrhundert, im Lex Alemannorum. Allerdings bleibt die Funktion der "stuba" dort unerwähnt. Das ändert sich erst im späten 11. und dem 12. Jahrhundert. Dann nämlich findet man in Quellen mit kirchlich-klösterlichem Kontext, das Wort "stuba", für einen beheizbaren Raum. Gemeint war damit wohl eher ein Aufenthaltsraum.

Im profanen Hausbau setzt der archivalische Nachweis für Stuben erst nach 1200 und verstärkt ab 1250 ein. Dabei hauptsächlich in den oberdeutschen Städten (3). Was jedoch nicht heißen soll, dass die Wohnstube als solches nicht doch viel älter sein kann als und die Schriftquellen verraten. Auf jeden Fall kann man davon ausgehen dass sie ab dem Jahr 1300 im städtischen wie auch im bäuerlichen Hausbau gleichermaßen üblich war. Dabei liegt der bisher älteste Baubeleg für so eine hölzerne Stube bei 1264 in Regensburg. Diese hölzernen Stuben kann man sich tatsächlich wie eine Holzkiste vorstellen. Wände, Decke und Boden sind allesamt aus Holz gefertigt aber natürlich mit Tür, Fenstern und eben einem Heizofen versehen. Dabei können die Stubenwände, Balken auf Balken, als Blockbau ausgeführt sein. Solche Stuben findet man, wie eingeschoben, in ansonsten anders gebauten Häusern. Sei es ein Steinbau oder ein Fachwerkhaus.

Alternativ können die Wände dieser "Holzkiste" auch aus Bohlen, relativ dicke und breite Bretter, gefertigt sein, welche dann wie Gefache in das Balkenwerk der Fachwerkkonstruktion eingenutet werden und damit Teil der Fachwerkwand selbst sind. Hölzerne Gefache sozusagen. Welche dann wiederum an der Aussenseite noch mit Strohlehm verputzt sein konnten, was um 1400 wohl schon Standard war.

Daneben wiederum, gab es noch, wenn auch selten, noch Wohnstuben mit sogenannten Spundwänden. Hierbei wurden die Gefache des Fachwerks mit senkrecht stehenden dicken und beidseitig genuteten Bohlen, die sich mit darin eigenuteten Bretter abwechselten, geschlossen.

Die Stubendecken bestanden in ihrer einfachsten Form und dass zurück bis ins 12. Jahrhundert, aus den Balken der Fachwerkkonstruktion auf welche Bohlen aufgelegt waren. Diese bildeten dabei nicht nur die Stubendecke selbst, sondern auch den Unterbau des Fußbodens der darüberliegenden Etage.

Eine weitere Art der Stubendecke waren die sogenannten Spunddecken. Auch hier lösen sich, wie bei der Spundwand, dicke Bohlen die beidseitig genutet sind mit dünneren, darin eingenutete Bretter ab. Es gab sie als Einheit aus den tragenden Balken des Fachwerks und darin eingenuteten Brettern , aber auch als eigenständige, unter den Balken „hängende“ Decke. Letztere findet sich nicht nur als gerade, sondern auch als seitlich geschrägte (besonders im 14. und 15. Jahrhundert) und als gewölbte Spunddecke. Natürlich konnten solche Decken und Wände auch verziert sein. Schnitzereien und Bemalungen lassen sich hier nachweisen. Letzteres allerdings erst nach 1500 (4). Schnitzereien dagegen bereits ab der Zeit um 1400.
Licht kam zu Anfang durch, oft mehrere, relativ kleine Fensteröffnungen in den Bohlen in die Stube. Nachweisbar seit Beginn des 14. Jahrhunderts. Um 1400 herum, lassen sich in den Bohlenstuben dann auch Fenster mit eigenem Fensterstock finden. Nach 1400 aufkommend und um 1450 üblich waren auch sogenannte Fenstererker. Hierbei trägt ein, um etwa balkendick aus der Fassade vorkragender sog. Fensterriegel den Fensterstock oder ein Fensterband (mehrere Fenster nebeneinander).

Die Stube im städtischen Wohnhaus befand sich üblicherweise in einer der zur Gasse oder zu einem Platz hinweisenden Hausecken, egal ob im Erdgeschoss oder in einem der Obergeschosse. Daneben, befand sich der Flur durch welchen die Stube, sowie auch alle anderen Räume der Etage, erschlossen waren. Hinter der Stube, quasi Wand an Wand und ebenso durch den Flur zu betreten, befand sich üblicherweise die Küche. Aus ihr heraus wurde (siehe ebenfalls HIER im BLOG unter WOHNEN + CO), spätestens seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, der Stubenofen betrieben und damit die Stube komplett rauchfrei beheizt (5). Es blieb aber nicht immer bei nur einer Stube bleiben. Auch Häuser mit mehreren Stuben sind bekannt. Diese können sich dann auf einer, oder über mehrere Etagen verteilen. So zum Beispiel im 13./14. Jahrhundert in Regensburg. Hier lag die eigentliche Wohnstube eher gassenseitig, die zweite dagegen hofseitig im Gebäude. Überliefert sind diesbezüglich beispielsweise Feststuben, Schreibstuben, (tatsächlich) Badstuben und Austragsstuben. War ein Haus stockwerksweise vermietet, hatte natürlich jede Wohnung auf ihrer Etage eine Stube. Zwei sehr schöne Beispiele für solche Stuben kann man übrigens, wen wundert’s, im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim besichtigen. Dies sind die Stube im sogenannten Kleinen Bürgerhaus aus Wolframs Eschenbach von 1410 und die sogenannte Fest- oder Prunkstube im nebenan stehenden Hinterhaus aus Eichstätt von 1322. Beide Gebäude findet man in der Baugruppe Stadt.
Aber leider zeigen die Bohlenstuben dort, ihre vormalige Einrichtung nicht in Gänze. Dafür bedarf es der zeitgenössischen Kunst. In diesen Fall "Die Spinnstube" von Barthel Beham. Zwar ist dieser Holzdruck erst um 1524 entstanden, zeigt aber trotzdem sehr anschaulich wie man sich die Möblierung einer solchen spätmittelalterlichen Stube vorstellen kann.. Zu sehen sind dort, neben dem Kachelofen natürlich, wandfeste Bänke neben der Tür, entlang der Fensterwand und neben dem Kachelofen. Dazu ein Tisch und weitere, mobile, Bänke und Hocker. Über dem Kachelofen, eine wagerecht aufgehängte Stange zum Trocknen oder Aufbewahren von Kleidung und einige Wandhaken(?) zum aufhängen diverser Utensilien. Und hinter der Tür, der Platz für Giessfass (Lavabo) und Waschschüssel oder später dann, den sogenannten Waschkasten (-schrank). Das Handtuch über seinem Halter ganz links im Bild, deutet dies an.

 

Quellen/Literatur:

1)Stelzle-Hüglin 2004, S. 321.

2) Bedal, Konrad: Wohnen wie zu Dürers Zeiten - Stuben und Wohnräume im süddeutschen, insbesondere fränkischen Bürgerhaus des späten Mittelalters. In: Großmann, G. Ulrich und Sonnenberger, Franz (Hrsg): Das Dürerhaus - Neue Erkenntnisse der Forschung. Dürerforschung Band 1. Nürnberg 2007, S. 27-60.

3) Oberdeutschland umfasst (grob umrissen) Deutschland südlich der Mainlinie inkl. das östliche Elsass, die Deutschschweiz und das westliche Österreich.

4) Einzige nachweisbare Ausnahme lt. Bebal: Eine Bohlenstubenwand in Windsheim aus dem Jahr 1355.

5) Davon abweichend und noch bis ins ausgehende 14. Jahrhunderts eher die Regel, gab es daneben noch Häuser mit sog. Flurküche. Hierbei befindet sich der Arbeitsplatz Küche im Flur des Hauses. Und damit auch das Schürloch des Stubenofens.
Daneben noch, eher als Ausnahme zu betrachten, auch noch spätmittelalterliche Häuser in denen die Kachelöfen tatsächlich nicht von der Küche aus, sondern vom Flur aus befeuert wurden. Siehe: Bedal, Albrecht: Flurküchen, Herde, Rauchfänge im Fachwerkhaus Südwestdeutschlands. In: Klein, Ulrich; Jansen, Michaela; Untermann, Matthias: Küche Kochen Ernährung - Archäologie, Bauforschung, Naturwissenschaften. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Band 19, Paderborn 2007, S. 171-182. URL: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/mitt-dgamn/issue/view/1845. Stand 4. November 2024.

Bild 1: Bohlenstube im sog. "Kleinen Bürgerhaus aus Wolframs-Eschenbach" im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim, Baugruppe Stadt.

Bild 2: Fest- oder Prunkstube mit geschnitzter Spunddecke im sog. "Hinterhaus aus Eichstätt" im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim, Baugruppe Stadt.

Bild 3: Kleine Stubenfenster in einer unverputzten Bohlenwand im sog. "Hinterhaus aus Eichstätt" im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim, Baugruppe Stadt.

Bild 4: Fenstererker im sog. "Hinterhaus aus Eichstätt" im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim, Baugruppe Stadt.

Grafik: Bohlenwand (links) und Spundwand (rechts). Ansicht vom Raum aus.

Holzdruck: Sebald Beham: Die Spinnstube, 1524, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. URL: https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/kunstwerke/Sebald-Beham/Die-Spinnstube/DE1596364A3285104E7908BE959BA9E4/. Stand 11. März 2025. Creative Commons CCO.


Wetzrillen - Wieso? Weshalb? Warum?

Bayreuth, 26. Mai 2025

Sie sind nahezu in ganz Europa zu finden. Natürlich auch in Bayreuth. Wahrscheinlich kennt sie auch jeder ... und rätselt darüber. Die an einen Schiffsrumpf erinnernden Eintiefungen im Sandstein- und im Norden auch in Ziegelmauerwerk historischer Gebäude. Die sogenannten Wetz- oder Schleifrillen. Manchmal auch als Pestrillen oder Teufelskrallen bezeichnet. Oftmals von den sogenannten „Näpfchen“ begleitet. Nahezu halbkugelförmige Vertiefungen. Letztere meist an Sakral-, seltener an Profanbauten.

Leider sind zu Wetzrillen und Näpfchen weder deren Zweck noch das „Werkzeug“, welches solche Spuren im Stein hinterließ, überliefert. Bei den Wetzrillen in steinzeitlichen Höllen, in Tempelanlagen in Ägypten oder an mittelalterlichen Gebäuden durchaus nachvolziehbar, Wenn man aber bedenkt, dass sie sich auch an Gebäuden finden, die erst im 19. Jahrhundert errichtet wurden, wie zum Beispiel am 1803 erbauten Komunbrauhaus in Creußen (Oberfranken), ist das doch eher verwunderlich. War Vorgang/Tätigkeit vielleicht so profan und alltäglich, dass niemand auf die Idee kam, es niederzuschreiben? Damit geht einher, dass sich auch der Entstehungszeitraum der Rillen eines Gebäudes nur selten fassen lässt. Ist es doch gut möglich und scheinbar auch vereinzelt nachgewiesen, dass sie eben nicht bauzeitlich, sondern deutlich jünger sind.

Niedergeschrieben gibt es dagegen eine Vielzahl von Erklärungsversuchen. Dem Autor dieser Zeilen wurden beispielsweise schon zu Schulzeiten erklärt, dass die Wetzrillen beim Nachschleifen der Messer und (Hack-)Beile der Marktleute und Handwerker entstanden seien. Für uns heute ist das nur schwer vorstellbar, bedenkt man die Qualität eines tatsächlichen Wetzsteins.

Eine weitere der vielen Thesen bezüglich der Wetzrillen, die man häufig hört, wurden Anfang der 2000er Jahre von Georg Steffel erneut aufgegriffen. Demnach sind die Wetzrillen beim Feuerschlagen entstanden. Man entzündete also bei Dunkelheit an der Wand des gerade verlassen Hauses (oder Kirche) mit Schlageisen und Zunder sein Laternenlicht. Wie gesagt, oft gehört und gelesen. Bemerkenswert bei Steffel, er hat nicht nur bereits vorhandene Quellen zurate gezogen, sondern auch (hier in Bayreuth) den praktischen Versuch unternommen.

Dabei gelang es ihm erfolgreich, an einer Sandsteinwand mit Schlageisen und Zunder « … ohne besonderen Aufwand und mit Regelmäßigkeit Feuer aus Sandstein zu entfachen. » und anschließend unter Zuhilfenahme einer kleinen Menge Hobelspäne eine Kerze zu entzünden. Nachzulesen im Archiv für Geschichte von Oberfranken, Band 86.

Trotzdem, auch wenn damit bewiesen ist, dass es tatsächlich möglich ist auf diese Art sein Laternenlicht anzuzünden und dabei auch indireket, warum Wetzrillen gleichermassen an Sakral- wie an Profanbauten zu finden sind, bleibt für uns die Frage: Warum man sein Laternenlicht nicht an einer der Kerzen oder Öllichter entzündete, die bei Dunkelheit sicherlich ohnehin in dem Haus brannten, das man zu verlassen vorhatte? Fällt euch ein Grund ein?

Aber egal und wie dem auch sei, wenn wir euch jetzt neugierig gemacht haben, schaut unbedingt auch mal auf schabespuren.de vorbei. Dort gibt es neben unendlich viel Wissenswertem zum Thema auch hunderte von Fundorten katalogisiert. Darunter auch der Verweis auf Rillen die deutlich jünger sind als die Gebäude in die sie eingeschliffen wurden und auch (vermutlich) alle Wetzrillen an Bayreuther Gebäuden. Und klickt/lest ruhig mal in unsere hier unten angehängte Quellen-/Literaturliste rein. Es lohnt sich. Vor allem bezüglich weiterer Deutungen.

 

Quellen/Literatur:

Steffel, Georg: Die rätselhaften Rillen. In Archiv für Geschichte von Oberfranken, Band 86, 2006. S. 255-262.

Seidl, Heinrich: Schalen und Wetzrillen an Kirchen und Kreuzen in Franken (Teil 2). URL: http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1993_55.pdf. Stand. 18. Mai 2025.

Heller, Hartmut: Denk mal! - Unscheinbare Narben im Stein. URL: http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1993_38.pdf. Stand 18. Mai 2025.

Bild 1: Stadtkirche, rechts des Westportals.

Bild 2: Kanzleistaße 9, rechts der Eingangstür