Bayreuth Mittelalter 14. Jahrhundert

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Willkommen auf unserem Blog. Natürlich geht es hier bei uns rund ums Thema Mittelalter. Dabei ist es egal ob es über uns, mit uns, von uns, oder einfach nur von uns aufgetan ist. Ob Archäologie, Ausstellung, Buch, Museum, Reenactment, oder oder oder. Wenn es uns bemerkenswert erscheint, findet Ihr es hier. Also schaut einfach ab und zu mal vorbei.


Aquamanile - Die Sache mit dem Igel

Bayreuth/Nürnberg, 3. März 2024

Schaut mal was uns kürzlich vor die Linse gelaufen ist. Ein Aquamanile in Igelform. Gesehen im Lager(raum) eines befreundeten Reenactors. Das Original bzw. das zugrundeliegende Fundstück dahinter stammt aus Wien. Genauer, aus der Latrine im sogenannten Augustinerturms.

Solche Aquamanilen, ob wie hier aus Keramik oder Metallguss (meist Bronze), dienten zusammen mit einem Auffangbecken, zum Händewaschen. Zum einen im liturgischen Brauch im Rahmen der Heiligen Messe, zum anderen, aus hygienischen Gründen, bei Tisch (1). Wie die Funde zeigen, gleichermaßen auf Burgen, Klöstern und Städten, seltener dagegen im ländlichen Siedlungen (2). Aus Keramik findet man sie bereits ab ca. 1200 und durchgängig bis ins 16. Jahrhundert (3). Es gibt sie in vielerlei Ausgestalltung. Als Tiere (meist Pferd oder Hund), als Fabelwesen, verziert mit Ritzdekor, Glasur oder Engobebemalung.

Gemacht wurde der diesem Replik zugrundeliegende Fund, 1999 bei baubegleitenden archäologischen Maßnahmen beim Neubau eines Studiengebäudes. Genauer gesagt, in der Latrine eines Turmes der ehemaligen mittelalterlichen Stadtbefestigung Wiens, die dabei entdeckt wurde. Erbaut wohl im Zuge der Stadterweiterung zwischen ca. 1200 und der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Die Latrine selbst, wurde erst 1354 nachträglich in den Turm eingebaut, der sich da dann im Bereich des 1327 dort angesiedelten Augustinereremitenklosters befand. Wohl als Abort des Klosters. Sein Ende fand der Turm dann um 1600 im Zuge des Ausbaus der Wiener Stadtbefestigung nach der Belagerung durch die Türken (4).
Damit ergäbe sich für die Datierung des Aquamanile ein Zeitfenster zwischen der Mitte des 14. bis ins 16. Jahrhundert. Allerdings lässt sich dieses Zeitfenster anhand eines in Brno, in der Tschechischen Republik, gemachten Fund deutlich reduzieren. Dort fand sich ein in die zweite Hälfte des 14. bzw. den Anfang des 15. Jahrhunderts datiertes Vergleichsstück. Eine Datierung, die auch für das Wiener Stück angenommen wird (5).
Erstaunlich ist aber nicht der Fund eines Aquamaniels in der Latrine eines Klosters an sich. Es ist vielmehr die Symbolik dieses Aquamanils in Form eines Igels. Denn der Igel galt schon in der Antike als Schädling, der die Weinstöcke plündert, indem er den Stock erklettert, die Beeren herunterwirft, sich in ihnen wälzt und sich mit ihnen aus dem Staub macht. Im Mittelalter wurde dann dieses Bild des Igels mit Beeren auf dem stacheligen Rücken zum Symbol des Teufel der die Gläubigen verführt. Darüberhinaus und auch noch nach dem Mittelalter glaubte man, dass Igel Hühner töten und ebenso, die Milch aus den Eutern der Kühe saugen (6). Erstaunlich also, dass ein so negativ belegtes Tier in Form eines Aquamanile in einem Kloster in Gebrauch war. Möglicherweise sollte das das so gestalte „Böse“ die Ordensleute ermahnen, ein gottgefälliges Leben zu führen (7).

 

1) Mehler 2013, S. 21
2) Gross 1995, S, 138
3) Mehler 2013, S. 24
4) Scharrer-Liska 2005, S. 13f.
5) Ebd, S. 22
6) Scharrer 2002, S. 164f.
7) Ebd, S. 166f.


Im Mittelalter schlief man auf dem Boden - Auf der Suche nach der Quelle

Bayreuth, 25. Februar 2024

Was jetzt kommt, ist durchaus ernst gemeint! Nämlich die Frage: Woher kommt es, dass man immer wieder hört oder liest, dass die Menschen im Mittelalter, sofern sie nicht adelig oder reich waren, auf dem Boden geschlafen hätten? Im schlimmsten Fall nur auf aufgeschüttetem Stroh. Zugedeckt, wenn überhaupt, mit dem eigenen Mantel.

Weiß irgendjemand da draußen, auf wessen Aussage da immer wieder zurückgegriffen wird?
Unser Gedanke dazu: Wer auch immer das zuerst in den Raum gestellt hat, könnte es damit zu tun haben, dass das Wort "Matratze", laut DWDS - Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute, vom italienischen "materazzo" entlehnt ist, dem wiederum das lateinische "matarazum" vorangeht. Ebenso wäre laut DWDS möglich dass "Matratze" dem mittelhochdeutschen "materaʒ" entstammt, dem wiederum das altfranzösische "materas" vorangeht, welches sowohl "Teppich" als auch "langes Kissen" bedeutet. Beide Varianten gehen aber wohl auf das arabische "maṭraḥ" zurück gehen, was wiederum für "Teppich auf dem man schläft", steht. Womit die Matratze, zumindest entymologisch, tatsächlich auf dem Boden zu liegen kommt.

Was meint ihr? Kennt ihr des Rätsel Lösung? Schreibt es uns.


Straßen und Wegebau im mittelalterlichen Bayreuth - Über Stock und Stein II

Bayreuth, 18. Februar 2024

Eine Leserfrage nach unserm Beitrag "Straßen(auf)bau in der mittelalterlichen Stadt - Über Stock und Stein" vom 19. November 2023. Gibt’ es eigentlich auch was zum mittelalterlichen Straßenbau in Bayreuth? Klar doch! Zwar nicht als Monographie, aber dann doch in den Publikationen (und Artikeln des Nordbayrischen Kuriers) zu den vor Jahren hier in Bayreuth durchgeführten archäologischen Grabungen .

Und natürlich gibt's auch HIER bei uns was zum Thema! Schaut mal unter STADTARCHÄOLOGIE. Im Kapitel BAYREUTH. Dort zugegebenermaßen nur kurz und knapp, als nur eines von vielen Themen.

Allerdings legt Eure Frage nahe, dass Interesse an mehr Informationen besteht. Um dem nachzukommen, haben wir unsere Nasen noch einmal in die Unterlagen gesteckt. Auch um uns mal selbst wieder auf den neuesten Stand zu bringen.
Und herausgelesen haben wir zum einen, einen Bohlenweg aus der Zeit um 1200, der bei der Ausgrabung "Alte Lateinschule" zu Tage getreten ist. Der Weg war etwa 60 cm breit und diente wohl der Erschließung des dort damals morastigen Geländes. Die Lauffläche bestand aus halbrunden Hölzern und viereckigen Bohlenstücken. Diese lagen auf Unterzügen aus Tannenholzstämmen, die in den anstehenden Boden eingetieft waren. Die ursprüngliche Länge des Weges ist nicht bekannt, da nur ein kleiner Abschnitt erfasst/ergraben werden konnte (1).

Unweit davon entfernt fanden sich in der Grabung "Ehemalige Schmiedgasse" ca. 1,5 m² einer (Hinter-)Hofpflasterung. Sie bestand aus größeren Sandsteinen die ohne Mörtel verlegt waren. Ein Teil des Pflasters lag bereits vor dem Stadtbrand von 1430. Kurz nach dem Brand wurde wohl, evtl. beim Wiederaufbau des Areals, die Pflasterung fortgesetzt oder nochmals erweitert (2).

Weiter geht es mit einer Pflasterung die bei der Marktplatzgrabung von 2009 gesichert werden konnte. Die Grabung übrigens, in etwa vor der heutigen Mohrenapotheke gelegen, bei welcher es gelang die beiden ersten Rathäuser Bayreuths im Boden nachzuweisen. Zum einen das 1430 im Hussitensturm niedergebrannte Rathaus und dessen Nachfolger, der beim Stadtbrand von 1621 ebenfalls ein raub der Flammen wurde.

Dabei fand sich in der sogenannten "Fläche 1" (Straßen-)Pflaster das hier in Bayreuth für das frühe 15. Jahrhundert typisch ist (3). Die Pflasterung besteht hier aus Kalksteinen in sehr unterschiedlicher Größe und ist in hellgelb-grauem Sand verlegt. Anzumerken wäre hier allerdings, dass für diese Art der Pflasterung eine Entsprechung in der Grabung "Sparkasse/Maxstraße 62" gefunden wurde, die dort abweichend ins 16. Jahrhundert datiert wird (4).

Zu guter letzt, bei einer Grabung "In der Nähe der Spitalkirche" (5). Dort fand sich bei einer Sondage, unter einer Schicht mit u.a. Keramik des 14. Jahrhunderts, ein deutlich abgefahrenes/abgelaufenes (Straßen-)Pflaster. Sicher datiert, vor 1430. Bei der weiterführenden Grabung kam dann erneut Straßenpflaster aus dieser Zeit zum Vorschein. Diesmal auf ganzer Grabungsfläche und sich wohl auch in alle Richtungen fortsetzend. Die Pflasterung zeigte auch hier zum Teil stark ausgefahrenen Fuhrrinnen, was auf einen stark frequentierten Platz, evtl. aber auch auf eine nicht überlieferte Torsituation an diese Stelle hinweist.

Unter diesem Pflaster (von vor 1430) verborgen, fand sich eine weitere Pflasterung. Diese stammt wohl aus dem 13. Jahrhundert. Für beide Pflasterungen fehlen (uns) die Angaben zu verwendetem Material oder Unterbau (6).
Damit hat es sich. Zumindest nach unseren Unterlagen. Aber auch das Wenige, das wir gefunden haben, zeigt deutlich, dass man sich (auch) in Bayreuth nicht hilflos dem Schmutz und Morast der Straßen ergeben hat. Seit der Zeit um 1200 herum nicht! Man hatte vielmehr aktiv versucht die Situation (langfristig) zu verbessern. Bohlenwege durch morastiges Gelände (sicher nicht nur einer), gepflasterte Hinterhöfe (sicher nicht nur einer) und gepflasterte Plätze, zumindest an stark frequentierten Orten und um das Rathaus.

Was im Umkehrschluss natürlich nicht heißt, dass jeder Flecken zwischen den Häusern und jede Gasse in der Stadt befestigt war und sich bei entsprechendem Wetter, nicht doch zum unpassierbaren Sumpf wurde.

 

Im Bild: Kalksteinpflaster aus dem 18. Jahrhundert, vor dem Neuen Schloss in Bayreuth. Die Pflasterung vor dem Schloß liegt weitestgehend in situ (am Ort seiner ehemaligen Nutzung). Das gleichartige Pflaster um die Stadtkirche und im Ehrenhof dürfte wohl ebenfalls so alt sein, wurde aber mehrfach, auch großflächig, für Bauarbeiten herausgenommen und wieder eingebaut (lt. Historischer Verein für Oberfranken e.V.).

1) Müller J. 1996 S. 17

2) Aas 2011 S.110f.

3) Ebd. S.234

4) Ebd. S. 215

5) Wichtig hierbei: Die hier als Ortsangabe dienende (heutige) Spitalkirche wurde, samt zugehörigen Spital; erst 1435 - 1443 errichtet. Von der vorhergehenden Bebauung ist unseres Wissens nach nichts bekannt.

6) Waha, 24. Juni 2010 S. 13


Pilgerzeichen - Massenhaft und weitgereist

Bayreuth, 10. Februar 2024

Noch sowas aus unserer Sammlung. Pilgerzeichen. Sie sind allerdings nur bedingt eine Erfindung des Mittelalters. Denn die Mitnahme von Pilgerandenken, sogenannten Eulogien lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen (1). Genauer gesagt, bis ins 4. Jahrhundert. Solche Eulogien bestanden aus Staub, Öl oder Wasser, welche in den Pilgerzentren der heiligen Orte durch Kontakt mit Reliquien geheiligt wurden. Diese wurden dort eigens für die Pilger hergestellt und üblicherweise an diese verschenkt. In großen Pilgerzentren wurden neben den Eulogien selbst auch geeignete Behältnisse für deren Transport hergestellt, welche dann, im Gegensatz zur eigentlichen Eulogie, an die Pilger verkauft wurden. Für Flüssigkeiten waren dies Ampullen aus Bleiguss oder Keramik.

Staub(eulogien) wurden dazu mit Ton vermischt und zu Medaillons geformt. Beides wurde mit szenischen Darstellungen mit Bezug zum Verehrungsort verziert. Verwendung fanden Eulogien dann in der Heimat, bei der Behandlung von Krankheiten und/oder als Schutz vor den verschiedensten Übeln.

Diese Wirkung wurde dann im 5./6. Jahrhundert, mit der da aufkommenden Bilderverehrung auf Heiligenbilder übertragen. Unter den zahlreichen erhaltenen Objekten dieser Art, finden sich auch frühbyzantinische Medaillons mit Darstellungen die man auch von Eulogien(behältern) her kennt. Allerdings enthalten sie keine geheiligten Substanzen, wurden aber dennoch ebenfalls als Devotionalien oder Pilgerandenken betrachtet (2).

Doch zurück zu den mittelalterlichen Pilgerzeichen. Auch sie werden am Wallfahrtsort erworben. Allerdings haben sie, und das ist neu, neben ihrem religiösen Charakter, primär die Funktion ihren Träger, nach außen sichtbar, als (erfolgreichen) Pilger zu kennzeichnen. Quasi auszuweisen.

Beobachten lässt sich diese Art "Ausweis", in Form der Jakobsmuschel (oberes Bild) bereits seit dem ausgehenden 11. Jahrhundert. Die hier ebenfalls gezeigten Pilgerzeichen (unteres Bild) aus einer Blei-Zinn-Legierung, sie werden in steinernen Modeln gegossen, finden sich dann ab der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. In Deutschland wohl erst mit Beginn des 13. Jahrhundert. Diese frühen Exemplare waren in Flachguss ausgeführt. Meist mit durchgehender Oberfläche, welche die Darstellung als erhabenes Relief trägt. Etwa ab der Mitte des 14. Jahrhunderts werden diese dann von Stücken in filigranem Gitterguss sukzessive abgelöst. Bei dieser Technik trägt und bildet das namensgebende Gitter die Darstellung. Ab dem Ende des 15. Jahrhunderts finden sich dann auch noch Pilgerzeichen aus einseitig geprägtem Blech. So genannte Brakteaten (3). Ab der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts finden sich dann auch Pilgerzeichen aus Edelmetall (Gold, Silber und vergoldetes Silber). Zuerst in Frankreich und den Niederlanden. Im übrigen Europa jedoch erst um ca. 1500. Gehäuft schlußendlich im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts (4).

In die Zeit des Übergangs vom Flach- zum Gitterguss fällt übrigens auch die Blütezeit der Pilgerzeichenproduktion. Man schätzt dass im mittelalterlichen Europa an mindestens 500 Kirchen Pilgerzeichen verkauft wurden. Spitzenreiter dürfte dabei Aachen gewesen sein. Auch wenn dazu keine Daten vorliegen. Für die Wallfahrt zur Schönen Maria von Regensburg jedenfalls, stehen für die Jahre 1519 bis 1523, zehn- bis zwanzigtausend verkaufter Pilgerzeichen jährlich. Um nur eine Zahl zu nennen. Insgesamt dürften zwischen dem Ende des 12. Jahrhundert und dem beginnenden 17. Jahrhunderts, als die Herstellung von Pilgerzeichen europaweit zum Erliegen kam, viele Millionen Pilgerzeichen hergestellt worden sein (5).

Neugierich geworden? Dann empfehlen wir Euch die Publikationen zur Ausstellung "Wallfahrt kennt keine Grenzen" im Bayerisches Nationalmuseum München 1984, das Buch "Pilgerzeichen - Pilgerstraßen" von Klaus Herbers und Hartmut Kühne und natürlich, hier im Netz, die Pilgerzeichendatenbank.

 

Im unteren Bild links: St. Ursula, Köln, 1325-1400.
Im unteren Bild rechts: Heiltumsweisung, Aachen. 2. Hälfte 14. Jahrhundert.
1) Herbers 2013, S. 9
2) Schäfer 2018, S. 327f.
3) Herbers 2013, S. 9ff.
4) Haasis-Berner 2002, S. 67.
5) Herbers 2013, S. 11ff.


Wenzelsbibel digital - kommet, sehet, staunet

Bayreuth, 3. Februar 2024

Wir haben da einen Tipp bekommen … zu einer der prachtvollsten Ecken des 14. Jahrhunderts. Danke dafür nach Nürnberg!

Die Wenzelsbibel (ca. 1390-1400) gibt's jetzt nämlich als digitale Edition der Österreichischen Nationalbibliothek. Das Ganze scheint ziemlich "druckfrisch" und noch im Wachsen zusein. Laut Homepage, Stand heute, in der Version 2.2.0 vom 25. Januar 2024. Aber das was man bis jetzt schon zu sehen bekommt, begeistert.

Am genialsten finden wir die Zweiteilung des Bildschirms. Zu Beginn sind die beiden Bildschirmhälften zum einen mit dem Faksimile von Folio 1r und zum anderen mit dessen Transkription belegt. Daneben stehen noch eine Lesefassung und die (Beschreibung der) Illuminationen zur Auswahl. Beide Bildschirmhälften sind jedoch frei belegbar. Man kann also z.B. links weiterhin unter "Faksimile" eine der Buchseite betrachten und natürlich auch hineinzoomen und rechts daneben, zu "Illuminationen" wechseln und dort eine Gesamtbeschreibung dieser Seite, eine Beschreibung der einzelnen Miniaturen und eine Beschreibung der Marginalien dieser Seite erhalten. Natürlich kann man auch (z.B.) Transkription und Lesefassung nebeneinander stellen. Ganz entsprechen dem eigenen Rechercheziel.

Aber macht euch doch selber ein Bild. Stand und Pferdefuß derzeit noch, bisher sind "nur" die Folios 1r bis 53r von den insgesamt 1214 Blättern der Bibel verfügbar. Macht aber nix, das Projekt ist ja noch jung und, wie schon gesagt, im Wachsen begriffen. Es wird also. Wir auf jeden Fall, freuen uns jetzt schon auf das nächste "Update" der Wenzelsbibel.

 

Bild: Illuminationen aus einer Kopie der Wenzelsbiibel, Josef Hák via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 Deed


Topf, Kessel, Grape - Who’s Who der Kochgefäße im 14. Jahrhundert

Bayreuth, 28. Januar 2024

Und was ist das denn für ein Topf? Eine Frage die immer wieder gestellt wird, sobald auf einer Veranstaltung ein Grape am Herdfeuer steht. Eine gute Frage und ein Grund für eine etwas ausführlichere Antwort. Oder besser … einen Überblick!

Töpfe (Bild 1 u. 2) dürften, gemessen an der Zahl der Funde, das wohl am häufigsten verwendete Kochgefäß gewesen sein. Sozusagen DAS Kochgefäß für jeden Tag und jeden Haushalt. Man findet sie überwiegend als Standboden-, weniger häufig als Kugeltöpfe. Wobei hier jeweils der Boden des Gefäßes namensgebend ist.

Standbodentöpfe haben dabei, ganz wie moderne Kochtöpfe, einen flachen, Standboden. Ihr Gefäßkörper ist meist gestreckt-bauchig, wobei die größte Weite oberhalb der Mitte liegt. Sie stehen auf dem Herd, den Quellen folgend, am aber nicht im Feuer (1).

Kugeltöpfe dagegen habe meist über einen fast halbkugelförmigen Gefäßboden und eine insgesamt kugelige bis birnenförmige Gefäßform. Wie sie ursprünglich erhitzt wurden ist schwer zu sagen. Zu lesen ist aber, dass sie direkt in die Flammen gestellt wurden (2). Leider fehlen uns dazu die Abbildungen um dies zu verifizieren. Im Versuch hat sich aber gezeigt, dass sie wie die Standbodentöpfe, dicht am Feuer oder auch am Rand der Glut am besten funktionieren.
Beide Topfarten bestehen ausnahmslos aus Keramik. Und beide Arten dienten nicht nur zum Kochen, sondern konnten auch als Vorratsbehälter Verwendung finden. Am Fund weisen dann eingebrannte Speisereste und/oder Rußspuren vom Herdfeuer bzw. deren Fehlen, auf den ehemaligen Verwendungszweck hin (3).

Die Grape (Bild 3), hier aus Bronzeguss, ist dem Kugeltopf ähnliches Kochgefäß auf drei angeformten Füßen. Diese heben den eigentlichen Gefäßboden jedoch nur knapp oder nur einige wenige Zentimeter über die Herdplatte. Während des Kochvorgangs steht der Grapen, den Bildquellen zufolge, an der Glut am Rand des Feuers (4). Grapen zeigt das Fundgut sowohl aus Keramik als auch in Metallguss. Bei Keramik meist nur als Wandungsscherbe, mit einem der für sie typischen Füßen. Metallenen Exemplaren dagegen begegnet man oft auch völlig unbeschädigt.

Kessel (Bild 4) wiederum bestehen aus Metallblech. Meist wohl aus Messing- oder Bronzeblech. Seltener auch, wie hier im Bild, aus Eisenblech. Meist sind sie größer als Töpfe und Grapen. In der Gefäßform eher zylindrisch mit einem mehr oder weniger gewölbtem Boden und ähnlich einem Eimer, mit Henkel zum Tragen und ggf. Aufhängen am Kesselhaken. Die Befeuerung erfolgt von unten. Auf einem Dreibein über dem Feuer stehend oder an einem Kesselhaken über den Flammen des Herdfeuers hängend (5).

Und wenn ihr jetzt wissen wollt, was man in den verschiedenen Kochgefäßen zaubern kann, oder wie man sie richtig benutzt, dann empfehlen wir euch die Homepage von De Timmermansche. Dort findet ihr dann neben jeder Menge Kochrezepte, noch mehr Wissenswertes über mittelalterliche Kochtöpfe, eine Anleitung zum Kochen in Keramik und den Beweis, dass Kugeltöpfe nicht umfallen.

 

1) Siehe: Mendelsche Zwölfbrüderhausstiftungen (Mendel I), Folio 95r
2) Gareiß-Castritius 1997, S. 21
3) A. Bischof 2010, S.50
4) Siehe: Mendelsche Zwölfbrüderhausstiftungen (Mendel I), Folio 142r
5) Siehe nochmals: Mendelsche Zwölfbrüderhausstiftungen (Mendel I), Folio 95r


Film Mittelalter

GESCHICHTEn // hiSTORY #4 - ... and the forgotten subtitles

Bayreuth, January 21, 2024

It's been a few years since "Heyden - bürger czu Nürenberch" (Heyden - Citizens of Nuremberg) and "Bayreuth 1320" created a small and fine collaborative project. The short film GESCHICHTEn // hiSTORY #4.

Until recently, the film was available on the YouTube channel of "Heyden - bürger czu Nürenberch" and of course HERE on our VIMEO channel.

Meanwhile, "Heyden" has unfortunately deleted his YouTube channel. So the film is now only available HERE on our very small Vimeo-channel. Unfortunately, we forgot to point out that the film has English subtitles. What we have added herewith.


Archäologischer Rundweg - Keine halben Sachen

Bayreuth, 14. Januar 2024

Erinnert ihr euch? Im Sommer 2023 sind wir in der Bayreuther Fußgängerzone eher zufällig über den Archäologischen Rundweg gestolpert. Nachzulesen hier im Blog am 8. Juli 2023. Oder besser gesagt über eine der Stelen, die in Wort und Bild zeigen was sich dort, wo sie stehen, an Spuren der Bayreuther Stadtgeschichte unter dem Straßenpflaster verbirgt.

Inzwischen, wohl seit Herbst, scheint der Weg fertiggestellt zu sein. Er trägt jetzt ganz offiziell den Namen "Archäologie Rundgang - Stadt Bayreuth". 12 Stationen laden seit dem zu einem Spaziergang durch die Stadtgeschichte ein. Ein Spaziergang den man unbedingt machen sollte. Einziger Kritikpunkt vor Ort, denn die Stelen selbst sind hervorragend gemacht, man wird nicht auf die anderen Stationen und damit auf den Rundweg als Ganzes hingewiesen.

Aber wozu gibt es denn das Internet! Wenn man denn vor Ort darauf kommt dort zu suchen. Den Rundgang gibts dort nämlich auch. Digital UND genial! Schaut mal HIER unter ARCHÄOLOGIE-RUNDGANG DER STADT BAYREUTH - Ein archäologischer Rundgang durch die Stadt "mit Hartmut Endres". Nicht nur, dass hier eine Karte den Rundgang als solchen zeigt, findet man dort auch jede Station in Wort, Bild und Kartenmaterial erläutert und erfährt, was dort, an Ort und Stelle, einmal gewesen ist. Teilweise ergänzt durch Auszüge aus Grabungsberichten und den Pressemitteilungen des "Nordbayerischen Kuriers". Besser geht's nicht, finden wir und nah dran an einer Publikation (die es leider nicht gibt und vermutlich auch nicht geben wird).

Was es aber bald geben wird (lt. Historischer Verein für Oberfranken e.V.), ist eine Broschüre.
Ansonsten bleibt nur der (dreifache) Zufall. 1. zufällig festzustellen, dass die graue Stele dort hinten eben nicht zum Fußgängerleitsystem gehört, sondern zum "Archäologie Rundgang - Stadt Bayreuth". 2. zufällig festzustellen dass es sich bei der eben gefundenen Stele um den Teil eines Rundgang handelt und nicht nur um ein einzelnes "Archäologisches Fenster". 3. zufällig festzustellen, dass es dazu eine wirklich geniale Internetpräsenz gibt.

Trotz alledem, hier von uns, an alle Beteiligten und Verantwortlichen, die den „Archäologie Rundgang - Stadt Bayreuth“ ermöglicht, gefördert und auf die Beine gestellt haben: Gute Arbeit. Man muss schon weit reisen, um das Thema Archäologie so gut auf die Straße gebracht zu finden. Da kann sich so manche andere "Welterbestadt" eine dicke Scheibe abschneiden. Danke dafür!

Ach ja, wer jetzt meint, er müsse nicht vor die Tür. Irrtum! Die Informationen auf den Stelen vor Ort sind dann doch etwas umfangreicher in Wort und Bild und damit noch spannender als im Internet vorgelegt.


Bayreuth 1320 ist keine Quelle

Bayreuth 1320 ist keine Quelle - Die Neujahrsabsprache

Bayreuth, 6. Januar 2024

Warum macht ihr das so? Woher habt ihr das denn? Wie seid ihr den darauf gekommen? Diese oder ähnliche Fragen werden uns immer wieder mal gestellt, oder man hört sie gelegentlich auf Veranstaltungen. Die Antwort lautet dann meist: "Aus der Publikation über Grabung A"; "Aus dem Hausbuch von B"; "Aus einer Dissertation über C". Oder oder oder. Ihr kennt das sicher. Das will man hören, das hilft einem weiter.

Aber manchmal (leider) hört man auch: "Bei der Gruppe X"; "Auf der Homepage von Y". Oder: "Bei Z, die haben das so gelöst". Und wenn dann "Bayreuth 1320" ins Spiel kommt, dann ehrt uns das und gleichzeitig läuft es uns eiskalt den Rücken runter. Denn, und das ist uns wichtig, WIR SIND KEINE QUELLE! Denn auch wir können Fehler machen. Egal wie akribisch wir recherchiert haben. Fehlinterpretationen, veraltete Literatur oder zu wenig Quellenkritik. Sucht euch was aus.

Besser, ihr knöpft euch nicht nur die (z.B.) Replik vor und kopiert sie stumpf, sondern ihr nehmt euch auch die dazugehörige Quelle vor. Prüft und hinterfragt sie kritisch. Recherchiert vielleicht noch einmal neu, oder in eine andere Richtung und kommt so zu eurem, ganz eigenen, Schluss. Und wenn ihr dabei zum selben Ergebnis kommt wie wir, super. Wenn nicht, sagt es weiter. Und vor allem, sagt es auch uns ... und wir sagen es weiter. Somit können nicht nur "Bayreuth 1320" (gegebenenfalls) nachbessern, sondern auch indirekt alle die hier bei uns vorbeischauen.

Denn nach unserem Verständnis bereichert genau dieser Austausch das Reenactment. Egal ob zu neu gewonnener Erkenntnisse, oder eben eventuelle entdeckten Irrtümern. Und im Idealfall, hilft das dann allen, gemachte Fehler nicht zu wiederholen … und ganz nebenbei auch noch Geld und Zeit zu sparen. In jeden Fall aber dabei, die eigene Darstellung zu verbessern.


Neujahr - Neues Jahr, neues Glück

Bayreuth, 1. Januar 2024

Wir von Bayreuth 1320 hoffen, Ihr seid gut rübergekommen … nach 2024 und wünschen Euch für das jetzt noch neue Jahr, viel Gesundheit, noch mehr Glück und noch viel mehr Erfolg bei allem was Ihr Euch so vorgenommen habt. Und vielleicht sieht man sich ja.