Bayreuth Mittelalter 14. Jahrhundert

Christbaumkugel

Weihnachten 2023 - Alle Jahre wieder

Bayreuth 24. Dezember 2023

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und für uns ist jetzt erst einmal Winterpause. Aber keine Angst, hier auf bayreuth1320.de wird natürlich wie alle Jahre durchgemacht. Also immer mal wieder reinschauen, damit ihr nichts verpasst. Die ersten Termine für 2024 stehen auch schon fest.
Jetzt und hier erst einmal ein riesengroßes Dankeschön von uns an euch alle da draußen. Für die regen Besuche, ob hier im Netz oder bei unseren Veranstaltungen. Und vielen Dank auch an alle Helferinnen und Helfer in Museen, Bibliotheken, Archiven und auf Veranstaltungen. Ganz besonders dabei an das Team von Minden-Marketing. Was Ihr für die Zeitinseln im Juni geleistet habt … Chapeau!
So, das war's für dieses Jahr. Frohe Weihnachten und vielleicht ein paar ruhige Tage.


Die Nürnberger Fleischbrücke - … und die Sache mit dem Ochsen

Bayreuth/Nürnberg, 16. Dezember 2023

Warum liegt da ein Ochse auf einem Treppenportal an der Fleischbrücke in Nürnberg? Und warum sieht der so anders aus, wie die Rinder die wir hier kennen? Wir haben mal nachgeschlagen. Und was soll man sagen, der Name der Brücke verrät es eigentlich schon.
An dieser Stelle stand seit 1570-71 das erste steinerne Fleischhaus Nürnbergs. Davor standen hier (und dahinter) seine mittelalterlichen Vorgänger, die Fleischbänke. Das Ochsenportal, wie es heißt, wurde jedoch erst später (1599) als Eingangstor zum Fleischhaus errichtet. Leider wurde der Bau im 2. Weltkrieg völlig zerstört, das Portal schwer beschädigt. Das heutige Gebäude steht auf den Grundmauern seines historischen Vorgängers und ist diesem nicht ganz unähnlich. Das Ochsenportal wurde 1950 wiederhergestellt (1).
Durchschreitet man das Portal und geht noch einige Meter weiter, steht man auch heute noch „Zwischen den Fleischbänken“. So der Name des Platzes, der heute überwiegend gastronomisch genutzt wird.
Zurzeit, es ist Advent und der Christkindlesmarkt ist in vollem Gange, steht hier, noch bis zum 31. Dezember, die Nürnberger Feuerzangenbowle. Und wegen der waren wir auch hergekommen.
Aber zurück zum Ochsen, der dem Portal, den Namen gibt. Warum sieht der so anders aus, mit seinen gewaltig ausladenden Hörnern? Ganz einfach! Er stellt ein ungarisches Graurind dar. Der Fleischlieferant Nr. 1 des Spätmittelalters, der frühen Neuzeit und darüber hinaus, in Süddeutschland. Diese wurden mindestens seit dem 14. Jahrhundert über die weite Strecke von Ungarn via Österreich nach Süddeutschland getrieben. Unter anderem auch nach Nürnberg.
Nachweisen lässt sich der Handel mit ungarischen Rindern für Nürnberg erstmals im Handlungsbuch für 1304–1307, der Familie Holzschuher, bereits 1305. Dort für den Handel mit ungarischen Ochsenhäuten. Ebenso 1358-60. Hier lassen sich die Holzschuher als Finanzier eines Ochsenkaufs in Budapest fassen (2).
Seinen Höhepunkt erreichte der ungarische Ochsenhandel in den 1570er und 80er Jahren mit durchschnittlich 150.000 bis 200.000 exportierten Tieren pro Jahr (3).
Um 1600 erreichte die jährliche Anzahl allein nur für Deutschland die 100000 Tiere. Hinzu kamen dann noch Tiere aus den anderen Regionen Osteuropas sowie der Schweiz und Dänemark (4).
Allein für Nürnberg wird für das 17. Jahrhundert eine Zahl von jährlich 70.000 verkauften Tieren angenommen (5). Sicher nicht nur aus Ungarn. Denn hier in Süddeutschland bezog man auch Rinder aus Polen, Ungarn, Rumänien, von der Moldau und der Krim(6).
Dies alles um den enormen Bedarf der deutschen Städte (nicht nur Nürnbergs) zu decken, der wohl nicht aus dem eigenen Umland zu decken war (7). Zumal der Fleischverbrauch pro Person und Jahr, in der Zeit um 1600, in den Städten mit 50 kg angesetzt/geschätzt wird (8).
Und wer jetzt neugierig geworden ist und mehr über den Ochsenhandel in Mittelalter und Neuzeit erfahren möchte, dem empfehlen wir Euch die Homepage EUROPÄISCHE OXENWEGE - Auf den Pfaden der Herdentriebe von Ungarn nach Bayern und dort den Buch-Download Der Europäische Oxenweg damals und heute - Ein historischer Reiseführer. Herausgegeben vom Wittelsbacher Land e.V..

 

1) Siehe Wikipedia - An den Fleischbänken

2) Malcher 2016. S. 133

3) Ebd. S. 149

4) Hilpert 2009, S. 19

5) Ebd., S. 30

6) Malcher 2016, S. 126

7) Hilpert 2009, S. 18

8) Vangerow 2006, S. 90

Bild, Ochsenportal: Daderot via Wikimedia Commons, public domain

Bild, Ungarisches Graurind: Nl74 via Wikimedia Commons, public domain


Archäologie in 700 Jahren - Aus gegebenem Anlass

Bayreuth, 2. Dezember 2023

Ihr erinnert Euch doch sicher noch an unseren Sammler von Vierpassbechern (siehe 24. April 2023). Seine Sammlung hat ungewöhnlichen Zuwachs bekommen. Einen RECUP-Pfandbecher. Der stand da eines Tages zwischen den vielen Vierpässen auf dem Regal. Und wie in jedem Vierpass unseres Sammlers befand sich auch in diesem Becher ein Zettel mit Fundort/Grabung und Datierung. Darauf zu lesen: Nürnberg, Augustinerstraße, Anfang 21. Jahrhundert. Genau unser Humor.

Und für uns Anlass, diesen Becher kurz mal als tatsächlichen Fund zu betrachten und hier in die Runde zu fabulieren was, sagen wir mal im Jahr 2723, in der Ausstellung "Schlaglichter aus dem Nürnberg der zweiten Moderne" auf der Vitrine über diesen Becher zu lesen sein wird?

Vielleicht folgendes:

Ach ja: Der Becher steht übrigens immer noch da wo er so überraschend aufgetaucht ist und soll auch weiterhin dort bleiben.


Holbein und die Renaissance im Norden - Einfach der Hammer

Bayreuth/Frankfurt a. Main, 26. November 2023

Wir waren seit längerem wieder mal im Städel in Frankfurt. Dazu überredet hat uns die dort stattfindende Sonderausstellung Holbein und die Renaissance im Norden Also auf nach Nordwesten zu Albrecht Dürer, Hans Holbein den Älteren und Hans Burgkmair den Älteren. Den Pionieren einer neuen Kunst. So der Flyer zur Ausstellung. Auf zu rund 130 Werke an einem Ort versammelt um genau das zu zeigen.

Und was soll man sagen? Ausser vielleicht … Meisterschaft, die kaum zu glauben ist. Mit einer Präzision, Realitätsnähe und Lebendigkeit die ihres gleichen sucht. Besonders bei den Portraits wird das gerade zu fassbar. Aber während einem bei Dürer, Holbein d.Ä. und Burgkmair d.Ä. doch klar ist, das man vor einem Gemälde steht, ist diese Klarheit bei Hans Holbein dem Jüngeren durchbrochen. Bei ihm findet sich ein Realismus der glauben lässt, das Modell im Atelier zu betrachten und eben nicht das gemalte Bild. So, geradezu hyperrealistisch, erscheinen die Charaktere. Zum Beispiel Jacob Meyer, in dem Werk „Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen“. So lebensnah wiedergegeben, das man "ihn" anfassen möchte nur um sich zu vergewissern, tatsächlich vor einem Bild zu stehen. Ebenso das Bildnis des Simon Georg of Cornwall. Selbst aus nächster Nähe, hat man den Eindruck von Realität und eben nicht von einem Gemälde. Aber schaut es euch selbst an, dann versteht ihr vielleicht was wir meinen. Denn kurioserweise tritt dieser Effekt beim betrachten der Werke in digitaler oder gedruckter Form, so nicht auf. Also ab ins Verkehrsmittel eurer Wahl und auf nach Frankfurt. Auf ins Städel zu Holbein und die Renaissance im Norden.


Straßen(auf)bau in der mittelalterlichen Stadt - Über Stock und Stein

Bayreuth, 19. November 2023

Noch so ein Stadtführungssplitter: Die Gassen und Wege in der Stadt waren grundlose Morastpisten! Zzgl. dem Unrat den Jedermann aus dem Fenster auf die Straße warf … und natürlich dort liegen lies. Stimmt nur so halb könnte man sagen. Vor allem Letzteres war genau so nicht die Regel und wurde auch nicht einfach so hingenommen. Wunderbar nachzulesen u.a. in Kapitel VII - Gesundheits- und Reinlichkeitspolizei, der Nürnberger Polizeiordnung des 13. bis 15. Jahrhunderts.

Aber zurück zum Morast. Es ist kaum anzunehmen das man mindesten seit den Karolingern zwar das von den Römern "geerbte" Fernstraßennetz instand hielt (Szabó, S. 77), innerorts dagegen alles verkommen lies und sich dem Status quo hingab. Vielmehr dürfte auch hier Instandhaltung und damit eine Verbesserung der "Straßen"verhältnisse betrieben worden sein. So ein zur langfristigen Verbesserung der Wegesituation gemachter Einbau ließ sich, als Beispiel, in Emden für das 9. und 10. Jahrhundert archäologisch nachweisen (Szabó, S. 74) und damit eigentlich, mittelalterlicher Straßen-, oder vielleicht besser Wegebau. Aber wie sahen diese Baumaßnahmen aus? Wie waren Gassen und Wege in der Stadt konstruiert bzw. aufgebaut? Das liest sich hervorragend in: Die Straßen in Deutschland und Italien im Mittelalter, von Thomas Szabó. Genauer und hier für uns besonders interessant, das Kapitel 1a, "Der Straßenbau in Deutschland - in den Städten". Viel Spaß beim lesen.

Und wenn ihr euch jetzt noch mal ein Bild davon machen wollt, wie so eine Straße/Gasse im Befund aussieht, schaut mal HIER in: Alte und neue Straßen - Die archäologischen Untersuchungen im Sanierungsgebiet Dresden-Altstadt (Bauabschnitt D). Oder vielleicht noch HIER in: Binnenstruktur und öffentliche Räume in der mittelalterlichen Stadtwüstung Nienover - Neue Erkenntnisse zum mittelalterlichen Straßenbau im Weserbergland von Hans-Georg Stephan. Auch hier, viel Spaß beim lesen.

 

Im Bild: Bohlenweg im Geschichtspark Barnau-Tachov 2016.

Alle Links im Text, Stand 19. November 2023.


… denn bishar warend sy nur tüchig gsin* - Fenster before Fensterglas

Bayreuth, 12. November 2024

Dass Glasfenster Licht ins Haus lassen, das Wetter dagegen draussen halten, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Aber wie sah das im mittelalterlichen Haus aus? Vor allem, bevor es Glasfenster gab. Oder später dort, wo man sich Glas zunächst nicht leisten konnte oder wollte. Wie, oder besser durch was, kam das Licht durchs Fenster ins Haus?

In Freilandmuseen wird diese Frage mit Rekonstruktionen/Rekonstruktionsvorschlägen beantwortet, in deren Fensterrahmen, Leinen oder Pergament gespannt ist.

Aber worauf basiert diese Lösung? Wir haben sie eigentlich immer schon als Fakt angenommen. Frei nach dem Motto: Wird schon seine Richtigkeit haben … ist ja schliesslich Museum.

Bis zu einem (von uns fast vergessenem) Video des Archäologie-YouTubers Julian Decker ak Archäologie kurz erklärt ak IN TERRA VERITAS. Das nämlich warf bei uns die Frage auf, wenn es keine archäologischen Nachweiß gibt, worauf basieren diese Rekonstruktionen dann? Gibt es eventuell Schriftquellen? Oder ist das Ganze ein tradierter Mythos? Also haben wir uns auf die Suche gemacht. Und gefunden haben wir:

- Die Anschaffung von Leinwand für die Fenster der Berner Ratstube für 1378 (1).

- Eine Anleitung zum Anfertigen von "Fensterglas" aus Pergament, aus dem Chorherrenstift Seckau (Steiermark/Österreich) aus der Zeit um 1400 (2).

- Die Erwähnung von Leinwand für, die Fenster der Ratsstube, in den Hildesheimer Stadtrechnungen von 1410 (3).

- Fenster aus Pergament oder Tierblase 1474 in Breslau(4).

- Das in Zürich 1504 die Tuchfenster der Ratsstube durch (Glas)Scheiben ersetzt werden (5).

- Das im Konstanzer Baumeisterbuch von 1517, Leinwand für die Fenster im Rathaus abgerechnet steht (6).

- Und das 1551 die Fenster der Konstanzer Ratsstube mit neuem Tuch gemacht wurden (7).

Also ohne Wenn und Aber, Fenster die mit Leinwand, Pergament und Tierblasenhaut "verglast" waren, lassen sich zwar tatsächlich nicht archäologisch nachweisen, aber dann eben doch in den Archivalien. Wobei wir Euch hier und jetzt schuldig bleiben müssen, seit wann durch solche Fenster Licht ins mittelalterliche Haus kam.

 

* … denn bisher waren sie nur aus Tuch gewesen. Aussage zu den Vorgängerfenstern der ersten Glasfenster der Ratsstube in Zürich 1504.

Bild oben: Leinwandfenster in der sog. Herberge. Geschichtspark Bärnau-Tachov, 2023.
Bild unten: Pergamentfenster im Bauernhaus aus Höfstetten. Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim, 2009.

1) Reith 2022. S. 220.
2) Dokonal u. Hofmarcher 2022. S. 1f.
3 u. 4) Kühnel 1996. S. 263.
5) Reith 2022. S. 220.
6 u. 7) Ebd. S. 221.


Wirtshaus Zum Wilden Mann - Datierung … aber richtig*

Bayreuth, 4. November 2023

Die hier, etwas weiter unten (21. Oktober 2023), in unserem Blog gezeigte Tischleuchte datieren wir im Gegensatz zum Ausstellungskatalog "Aus dem Wirtshaus Zum Wilden Mann - Funde aus dem Mittelalterlichen Nürnberg" ins 15. Jahrhundert. Beruhend auf der kurz nach der Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum vorgenommen Neubewertung der Grabungsergebnisse. Und da diese Nachbetrachtung/Neubewertung eher unbekannt ist, hier noch ein paar Zeilen dazu.

Bereits während der laufenden Ausstellung wurde die zeitlich sehr späte Einordnung der vorgefundenen Formen und Typen kritisch angesprochen. Standen diese doch deutlich im Widerspruch zu den eigentlich üblichen Datierungen solcher Formen und Typen. Wohingegen zeitlich typische Formen und Typen für die Zeit nach 1394, eben des 15. Jahrhunderts, unter den Funden der "Oberen Krämersgasse" fehlten.

Ergraben und in der Ausstellung gezeigt wurden, was oft vergessen wird, nicht nur die Funde aus der Latrine des namensgebenden Wirtshauses "Zum Wilden Mann", aus welchem auch das Original der bei uns gezeigten Laterne stammt, sondern auch die Latrine des nur wenige hundert Meter entfernten Wohnhauses "Obere Krämersgasse 12". Dort führten die Grabungsumstände zu einer Datierung der Latrine in die Zeit nach 1394.

Davon ausgehend, dass das (dendrodatierte) Wohnhaus und die Latrine um diese Zeit gemeinsam errichtet wurden, datierte man die Masse der dort geborgenen Funde und ihre Entsprechungen aus "Zum Wilden Mann", in die erste Hälfte des 15. Jahrhundert. Dies fand dann auch Einzug in den Ausstellungskatalog und wurde wie gesagt, schon während der Ausstellung kritisch hinterfragt.
Um diese Diskrepanz zu diskutieren lud das Germanische Nationalmuseum bereits kurz nach der Ausstellung zu einem Kolloquium.

Dabei konzentrierte man sich auf zwei Themenschwerpunkte. Die Laufzeit von Gefäßtypen, u.a. bei Keramik und  der Frage, ob Gebäude und Latrine "Obere Krämersgasse 12", tatsächlich zeitgleich errichtet wurden.

Letzteres mit dem Ergebnis, dass zum einen die Befundbeobachtung keine Beziehung zwischen Haus und Latrine erbringen konnte. Zum anderen, dass die (typologische) Datierung des Fundkomplexes - es fanden sich Stücke die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen - klar darauf hindeutet, dass die Latrine um 1394 aufgelassen und wohl für den (Neu-)Bau des Hauses verfüllt und überbaut wurde. Damit sind die Funde nicht in die Zeit nach ca. 1400, sondern bis zu diesem Zeitpunkt zu datieren

Blieben noch die Funde aus der Grabung „Zum Wilden Mann“ am Weinmarkt, die der Ausstellung ihren Namen gab. Hier konnte die ursprünglich gemachte Beobachtung bestätigt werden, dass die Funde, im Vergleich zu „Obere Krämersgasse“, ein größeres Zeitfenster abdecken. Dem Ergebnis des Kolloquiums folgend, neben den auch hier vorkommenden älteren Funden, analog zu datieren wie "Obere Krämersgasse", auch noch Stücke die sicher ins 15. Jahrhundert zeigen.
Womit wir wieder bei der Datierung der hier in unserem Blog gezeigten Laterne wären. Beziehungsweise ihrem Originalvorbild. Wir haben uns entschlossen, dem Ergebnis des Kolloquiums zu folgen. Und da dieses die jüngsten Funde aus "Zum Wilden Mann" klar ins 15. Jahrhundert datiert, dürfte auch die Laterne, die zu eben jenen jüngsten Stücken zählt, ebenfalls ins 15. Jahrhundert zu datieren sein.

 

*Siehe: Scholkmann, Barbara: Bericht über das Kolloquium zur Ausstellung „Aus dem Wirtshaus Zum Wilden Mann - Funde aus dem Mittelalterlichen Nürnberg“ am 21. September 1984 im Germanischen Nationalmuseum. In: Janssen, W., Steuer, H., Binding G. (Hrsg): Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters. Band 12 (1984). S. 225-226.

Bild: Nürnberg, Weinmarkt 11, Wirtshaus Zum Wilden Mann. Aus: Der Weinmarkt (Bildausschnitt), von Johann Adam Deselbach, 1725. Via Archivportal-D, CC BY-SA 4.0 DEED


Mietwohnung Mittelalter

Zur Miete im Mittelalter? Aber klar! - Was für eine Frage

Bayreuth, 29. August 2023

Neulich hatten wir das Vergnügen eine Stadtführung in Nürnberg zu besuchen. Und bei dieser kam eine Frage aus dem Publikum, die uns bekannt vorkam und deren Antwort auch dort ungläubige Gesichter erzeugte. Die Frage: Wie oder wo haben die Leute im Mittelalter gewohnt, die kein eigenes Haus besaßen? Die Antwort … natürlich völlig richtig: Zur Miete! Denn kurioserweise gab es die selbe Frage, die selbe Antwort und die selben ungläubige Gesichter bei der von uns für den Historischen Verein von Oberfranken durchgeführten Stadtführung Anfang August.

Grund genug für uns, die Frage hier noch einmal aufzugreifen und mit einem Lesetipp versehen, etwas ausführlicher zu beantworten. Für all jene, die es genau wissen wollen … oder immer noch ihr ungläubiges Gesicht auf haben.

Aber eigentlich hat uns die Reaktion nicht wirklich gewundert. Schließlich wird das Wort "Miete" in Zusammenhang mit der Wohnraumüberlassung erst ab dem 18. Jahrhundert allgemein gebräuchlich. Bis dahin sprach man weiterhin vom "Zins", nannte die Mietshäuser "ZInshäuser" und die Mieter "Hausgenossen", "Hintersassen", "Inwohner" oder eben "Zinsleute", um nur einige Begriffe zu nennen. Und dass, obwohl sich die Rechtsform „Mieten“ von Wohnraum in Köln bereits für 1159 nachweisen lässt. Wobei hier der beginnende Übergang von der, vorher üblichen "Leihe" gegen "Zins"(zahlung), hin zur "Miete" bei der Überlassung von Wohnraum auf Zeit (als Rechtsform), markiert ist. Für Nürnberg zum Beispiel, gelingt dieser Nachweis erst 1327. Was in Deutschland in etwa auch die Zeit markiert, in der Wohnen zur Miete, bereits Praxis geworden ist. Wobei zu Anfang und noch ins ausgehende Mittelalter hinein, das Wohnen in Herdgemeinschaft (ein oder mehrere Mieter und der Vermieter teilen sich Feuerstelle/Küche und Stube) üblich war.

Das wiederum wendete sich noch im 15. Jahrhundert beginnend, hin zum Wohnen bzw. Mieten abgeschlossener Wohnungen oder ganzer Häuser, so wie wir es heute kennen. Ein Vorgang, der erst im 18. Jahrhundert seinen Abschluss fand.

Und für alle die genau wissen wollen, woher wir das wissen: Wohnen ohne Eigentum - Mieten und Bauen in Land und Stadt seit dem Mittelalter in Franken. Von Julia Krieger (Hrsg.). Aus der Reihe: Geschichte und Kultur in Mittelfranken, Band 10. Erschienen 2022.


Tischleuchte - Es werde Licht

Bayreuth, 21. Oktober 2023

Licht kann man in einem mittelalterlichen Haus nie genug haben. Und schöne Lampen auch nicht. Letzteres auch nicht im modernen Haus. So gesehen auf dem Küchentisch eines befreundeten Reenactors. In diesem Fall eine doch ziemlich grosse Tischleuchte. Gefertigt nach einem relativ vollständigen Original aus der Grabung Weinmarkt 11, "Wirtshaus Zum Wilden Mann" in Nürnberg. Datiert ist das gute Stück inzwischen in das 15. Jahrhundert (1).

Natürlich haben wir uns das Teil gleich mal vorgeknöpft. Laut dem Katalog zu Ausstellung "Aus dem Wirtshaus Zum Wilden Mann - Funde aus dem mittelalterlichen Nürnberg" von 1984 misst das Original ca. 28 cm in der Höhe und dürfte ursprünglich ca. 50 dieser dreieckige Öffnungen gehabt haben (2). Allerdings fehlt ihm die hier am Replik ergänzte Handhabe/Henkel.

Aufgrund der Gefäßform wird gemutmasst, das solche Leuchten im Freien verwendet wurden. Beispielsweise auf den Tischen im bewirteten Aussenbereich. (3) Natürlich wäre auch der Einsatz im Haus denkbar. Ebenso der Einsatz im privaten Bereich der Wirtsleute. Aber egal ob aussen oder innen, die Kerze erträgt einiges an Zugluft oder Wind, bevor ihr das Licht ausgeht.

 

1) Abweichend von der im Ausstellungskatalog gemachten Angabe. Siehe dazu: Scholkmann, Barbara: Bericht über das Kolloquium zur Ausstellung "Aus dem Wirtshaus Zum Wilden Mann - Funde aus dem Mittelalterlichen Nürnberg" am 21. September 1984 im Germanischen Nationalmuseum. In: Janssen, W., Steuer, H., Binding G. (Hrsg): Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters. Band 12 (1984). S. 225-226.

2) Kahsnitz 1984, S. 99.

3) Ebd, S. 98.


Herbstmarkt - Schon wieder Geschichtspark

Bayreuth/Bärnau, 2. Oktober 2023

Wir waren schon wieder im Geschichtspark Bärnau-Tachov. Zum Herbstmarkt. Dieses mal, relativ kurz entschlossen, als Trittbrettfahrer am Stand der Paternostermacherin.

Was uns, da wir eher selten im Geschichtspark mitwirken, überrascht hat, waren die vielen Besucher. Und ebenfalls erstaunlich, wir lange Besucher im Geschichtspark verweilen. Letzteres ist uns im August bei "Vom Rasten auf Reisen" schon aufgefallen und hat sich jetzt erneut bestätigt. Geschichtsparkbesucher bringen Zeit mit. Was aber eigentlich nicht verwundern sollte. Gibt es doch an solchen Veranstaltungswochenenden wie im August und auch jetzt zum Herbstmarkt reichlich zu sehen. Neben den mit mittelalterlichen Alltagsleben gefüllten Häusern und dem einen oder anderen Handwerker, Händler mit historischen Waren. Vor den Toren des Parks dann noch Händler mit modernen Warenangebot. Somit dürfte für jeden was dabei gewesen sein. Und das Wetter hat auch mitgespielt. Bestes Ausflugswetter, so spät im Jahr.

Bemerkenswert bei uns im Park und mit historischen Waren, wieviel an Besucher über den Tisch ging, die nach eigener Aussage, nicht aus der historischen Darstellung kommen. Aber natürlich waren auch die da. Konnte man doch hier genau die Sachen in die Hand nehmen, die man sonst nur im Onlineshop zu sehen bekommt.

Um es kurz zu machen, uns hat die Veranstaltung einfach nur Spaß gemacht. Besonders der Samstagabend im Gastraum der Herberge und später dann, vor den Nachbarhaus. So viel Spaß, das wir hoffen, nächstes Jahr wieder dabei sein zu dürfen.


Ab ins Museum - Warum eigentlich nicht (mehr)

Bayreuth, 11. September 2023

Eine Frage. Warum bleiben den kleinen Museen die Besucher weg? Wir jedenfalls haben keine Ahnung. Bis vor kurzem war das auch nur unser subjektiver Eindruck. Aber ein kürzlich geführtes Gespräch mit einem Museumsmitarbeiter hat uns das inzwischen bestätigt. Zumindest die Sonderausstellungen scheinen aber noch zu laufen. Da ist an den ersten Wochenenden richtig was los. Vorausgesetzt natürlich, das Thema stimmt. Sonderführungen durch die Dauerausstellung des Hauses, laufen dagegen schon wieder schlechter. Ein Phänomen das auch vor den Freilandmuseen nicht Halt macht. Thementage laufen auch hier immer noch gut. Letzteres konnten wir vor ein paar Wochen selbst beobachten.

Woran könnte das liegen? Sind Museen vielleicht ein Konzept von gestern? Zu analog in einer digitalen Zeit? Oder ist da zu wenig Action im Museumsalltag? Keine Ahnung wie gesagt.

Wie dem auch sei. Wir möchten euch hier und jetzt dazu auffordern, etwas dagegen zu tun. Geht ins Museum! Auch einmal in eines der kleinen Regionalmuseen in eurer Heimat. Oder ins Heimat- oder Stadtmuseum an eurem Urlaubsort. Gerade die brauchen und freuen sich über jeden Besucher. Und wenn ihr mal Gäste von auswärts beherbergt, schlagt ihnen doch mal genau so einen Museumsbesuch vor. Im kleinen Museum um die Ecke. Ihr werdet sehen, auch ihr werdet euren Spaß haben. Denn nichts öffnet einem die Augen so sehr wie der unverstellte Blick eines anderen.

Euch fällt kein Museum ein? Kein Problem, HIER bei uns unter LINKS, in den Rubriken MUSEEN und FREILANDMUSEEN + PARKS, findet sich bestimmt etwas für euch.


Quedlinburg - Alte Hauser gucken

Bayreuth/Quedlinburg, 3. September 2023

Ist es eigentlich noch nötig Quedlinburg als Reiseziel zu empfehlen? Wohl kaum! Warum auch, ist es doch diesbezüglich hinlänglich bekannt. Wir tun’s trotzdem. Und zwar als Reiseziel für Profanbaunerds mit Leistungskurs Mittelalter und frühe Neuzeit. Obwohl … vermutlich kennen gerade die, Quedlinburg und seine Häuser besser wie wir, nach unserem ersten Besuch.

Über 2000 Fachwerkhäuser auf 84 ha Welterbegebiet sollen es sein. Das es darunter auch einiges erstaunliche gibt, liegt auf der Hand. Gotisches Rathaus, Kirchen die bis in die Romanik zurück reichen. Ja klar. Unbedingt anschauen! Haben wir natürlich auch gemacht!

Aber für uns, waren das eigentlich erstaunliche, die dort noch vorhandenen mittelalterlichen Wohnhäuser. Häuser die seit zum Teil weit über 500 Jahren dort stehen wo sie stehen und eben nicht im Museum. Und auch meist noch als genutzt werden. Die haben es uns angetan.

Zwei davon haben wir kurzerhand für Euch mitgebracht. Zum einen, im oberen Bild, das ohnehin weithin bekannte Haus Wordgasse 3. Dendrodatiert auf 1346/47. Das Gebäude wurde in den 1960er Jahren gerettet und dabei weitestgehend in den bauzeitlichen Zustand zurückversetzt. Dabei konnte etwa 1/3 der bauzeitlichen Bausubstanz erhalten werden. Darunter etwa 2/3 des Ständerwerks. Heute beherbergt das Haus das Fachwerkmuseum im Ständerbau und kann  somit auch von innen besichtigt werden.

Und dann wäre da noch das Haus Hölle 11. Der sogenannte Höllenhof. Das Gebäude wurde zwischen 1215 und 1301 in drei Bauabschnitten errichtet. Der hier im Bild zu sehende nördliche Gebäudeteil, entstand dabei in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und besteht  auch heute noch zu etwa 2/3 aus seiner bauzeitlichen Substanz. So qualitätvoll gebaut, dass man an seiner Nordseite den Eindruck hat, als stünde er keinen Tag länger als es der barock anmutende Umbau im Erdgeschoß es vermuten lässt.


Frauenhäuser in Bayreuth - Ein Lesetipp

Bayreuth, 13. August 2023

Das es auch im mittelalterlichen Bayreuth Frauenhäuser gab, ist allseits bekannter Fakt. Wann erstmals so ein Haus hier in Bayreuth betrieben wurde, liegt allerdings im Dunklen. Bekannt wiederum ist, das sie ab dem 15. Jahrhundert in der (heutigen) Frauengasse zu finden waren.

Warum wir davon anfangen? Die Frage eines Teilnehmers unserer Stadtführung hat uns drauf gebracht. Und auch wenn es explizit über die Bayreuther Frauenhäusern nichts zu finden gibt, ausser wie gesagt, zu ihrem ungefähren Standort, ist das Thema Frauenhaus doch oft und ausführlich publiziert. Darunter auch etwas, dass sich eventuell doch auch für Bayreuth anwenden lässt.

Nämlich „Ein gottloses Frauenhaus - Prostitution im mittelalterlichen Nürnberg“ von Maren Pullwitt. Auch wenn es der schmissige Titel nicht vermuten lässt, eine mehr als erstklassige Arbeit! Und wie gesagt, vielleicht auch auf Bayreuth übertragbar. Galt hier doch, seit der Mitte des 14. Jahrhunderts, Nürnberger Recht. Und damit möglicherweise auch die Nürnberger Frauenhausordnung. Viel Spaß beim lesen.

Ach ja, es gab mal einen Artikel im Nordbayrischen Kurier zum Thema.


Bayreuth … auf den Spuren des Mittelalters - Nix da finster und dreckig II

Bayreuth 7. August 2023

Schön war's! Und sogar der Regen hat uns in Ruhe gelassen. Fast ein Wunder bei der Wettervorhersage.
Begonnen hat die Stadtführung mit einer Stippvisite im Historischen Museum. An den dort ausgestellten Funden der archäologischen Ausgrabung „Alte Lateinschule“ war gut zu zeigen, woher man etwas über das Mittelalter vor 1430 in Bayreuth weiß, obwohl die Schriftquellen verloren gegangen sind.
Weiter ging es dann durch die Gassenaltstadt zu Stadtkirche, Spital und Stadtmauer. Aber da unsere Stadtführungen traditionell nicht die historischen Gebäude in den Mittelpunkt stellen, sondern vielmehr das Leben der Menschen im Spätmittelalter drumherum, waren sie allesamt nur Anlaufpunkt und Aufhänger für allerlei zu Recht und Gesetz, das wer wohnte damals wo, Wasserver- und -entsorgung, Spitalwesen, tägliche Hygiene und Badekultur, Frauenhäuser, Stadtverteidigung und und und. Stichwortgeber waren dabei oft die Teilnehmer selbst.
Zwei Stunden wurden es, bevor das Ganze dann, für alle die noch wollten, im Archäologischen Museum seinen Abschluss fand. Für uns mit der Bestätigung, dass eine Stadtführung, die zu den Menschen vergangener Zeiten führt, auch den belesensten Kenner seiner Stadt abholen kann. Und wir würden uns freuen wenn der Historische Verein Oberfranken, für den wir die Führung durchgeführt haben, die eine oder andere Wiederholung ins Auge fassen würde.

 

Bild: ©  Norbert Hübsch


Gniedel- oder Glättstein - Eigentlich ja ein Glättglas

Bayreuth, 29. Juli 2023

Wir konnten einfach nicht widerstehen! Einfach nur weil wir es wissen wollten! Glätt- oder auch Gniedelsteine. Englisch: "linen smoother". Übersetzt: Wäscheglätter. Ob und wie funktionieren die Dinger? Also fix einen besorgt und ausprobiert.
Aber zuerst mal, was ist ein Gniedelstein? Entgegen dem Namen sind die mittelalterlichen Exemplare nur selten Steine. In den meisten Fällen sind es aus grünem, fast schwarzem Glas gefertigte kreisrunde Objekte mit einer deutlich konvexen Ober- und einer mässig konkaven Unterseite. Eigentlich wäre deshalb die Bezeichnung Glättglas zutreffender.
Verwendet wurden sie, das verraten allerdings erst neuzeitliche Schriftquellen, primär zum glätten von Kleidung. Vereinzelt auch von Leder und Papier und zum einarbeiten von Wachs als Imprägnierung. Gläserne Exemplare sind seit dem 2. Jahrhundert bekannt und werden erst in der späten Neuzeit durch das Bügeleisen verdrängt. Mit Schwerpunkt vom 9. bis zum 14. Jahrhundert. Verbreitet waren sie primär im westlichen Skandinavien und dem nordwestlichen Mitteleuropa, während sie in Süd- und Osteuropa nur vereinzelt gefunden wurden (1). Regional für Nordbayern zum Beispiel mit einem Exemplar in Würzburg. Dort grob zwischen Mitte 13. und Anfang 15. Jahrhundert datiert (2).

Und auch wenn jedwede Schriftlichkeit zu mittelalterlichen Glättgläsern fehlt, archäologisch lässt sich ihr Zusammenhang mit der Textilverarbeitung über Siedlungsbefunde sicher nachweisen. Finden sie sich doch immer wieder innerhalb von Hausgrundrissen. Durchgängig vom Früh- ins Spätmittelalter. Dabei auch immer wieder in Fundzusammenhang mit anderen Werkzeugen der Textilverarbeitung (3).

Aber jetzt zum Versuch. Als Versuchsobjekt dient ein Leinenhandtuch. Gewaschen, mit der Hand glattgestrichen und an der Leine getrocknet. Heraus kam, wie zu erwarten ein störrisch hartes Handtuch. Das wurden dann, auf ein Brett aufgelegt und mit dem Glättglas „gebügelt“. Ergebnis: Ein weich fliessendes Stück Stoff mit leicht seidigem Glanz. Genaus so wie es der englische Terminus "linen smoother" auf den Punkt bringt. Kann doch "smooth" nicht nur mit "glatt", sondern auch mit "weich" oder "geschmeidig" übersetzt werden. Die beim waschen entstanden Falten wurden durch das Glättglas aber nicht vollständig beseitigt, fallen aber auf dem weich fließenden Stoff kaum noch auf.
Link zum Thema: Wenn wir euch jetzt neugierig gemacht haben, dann schaut doch mal auf dem Blog WEAVING:HISTORY I FRAU BIRKENBAUM vorbei. Was dort über Glättgläser zusammen getragen wurde ist beeindruckend.

 

1) Steppuhn 1999, S. 114f.

2) Hembach 2003, S. 94f.

2) Steppuhn 1999, S. 118


Ein Eisenhut aus dem Steinachtal - Museum zum Anfassen

Bayreuth, 22. Juli 2023

Das Historische Museum Bayreuth hat wieder geöffnet! Genauer gesagt, am 13. Mai wiedereröffnet! Und natürlich waren wir schon dort um zu sehen was sich im Zuge der dreijährigen Renovierungsarbeit und der Erneuerung der Dauerausstellung so in punkto Mittelalter geändert hat. So einiges wie es scheint. Von den beiden Vitrinen in Foyer, steht nur noch Eine. Naturgemäß mit einer reduzierten Anzahl an Exponaten. Schade wie wir finden, ist das Mittelalter in der Bayreuther Stadtgeschichtsvermittlung doch deutlich unterpräsentiert.

Aber vielleicht ändert sich das doch gerade. Denn in der neuen Dauerausstellung liegt ein, zwar arg ramponierter aber relativ kompletter, Eisenhut (oder Schaller) mit Einschussloch. Höchstwahrscheinlich von einer Armbrust.

Das gute Stück ist eine Leihgabe des Historischen Verein für Oberfranken. Gefunden und später dann dem Verein übergeben wurde er vor rund 100 Jahren vom damaligen Besitzer des Pfeiferhaus (heute ein Gemeindesteil von Warmensteinach). Der wiederum hatte ihn unter einem Mauerversturz der Burgruine Wurzstein im Steinachtal geborgen.

Von der Burg selbst ist wenig bekannt. Nicht wann sie errichtet wurde, vermutlich im 11. Jahrhundert und nicht wann sie aufgegeben oder zerstört wurde. Nur das sie 1692 bereits eine Ruine war ist sicher.

Der Helm aber dürfte aus dem 15. Jahrhundert sein. Ein Vergleichsstück auf der Leuchtenburg in Thüringen, zeigt das. Nach Auskunft des Historischen Vereins, könnten der Helm und sein Träger Opfer des Bayrischen Krieg (auch Fürstenkrieg) 1459 bis 1463 geworden sein. Der tödliche(?) Armbrustschuss erfolgte dabei eindeutig von oben (siehe unteres Bild). Das lässt vermuten, dass der Helm von einem Angreifer oder Belagerer getragen wurde. Allerdings wäre es, wenn auch möglich, reine Spekulation, daraus zu schließen, dass der Helm bei der Zerstörung der Burg unter die herabstürzende Mauer geraten ist und somit das Ende der Anlage datierbar wäre.

Und genau von diesem ramponierten Helm haben das Historische Museum Bayreuth und der Historische Verein für Oberfranken e.V. ein Replik anfertigen lassen. Und das ist das eigentliche Hallo im "Museumsmittelalter". Nur leider, oder vielleicht zum Glück, steht das gute Stück eben nicht neben dem Original in der Vitrine. Vielmehr ist es der Museumspädagogik zugeordnet. Einfach mal schnell im Vorbeigehen einen Blick drauf werfen ist also nicht möglich. Aber ein Anruf oder eine Mail an die Museumspädagogik hilft da sicher weiter. Denn im Historischen Museum Bayreuth arbeitet ein sehr hilfsbereites Team, das sich, das wissen wir aus erster Hand, auch mal etwas mehr Zeit nimmt. Und dann könnt ihr das gute Stück nicht nur ganz genau anschauen, sondern auch in die Hand nehmen oder vielleicht ja mal schnell aufziehen … sofern es einem passt. Bis dahin müssen es die Bilder hier bei uns tun.

 

Bild oben und Mitte: Replik und Original im Historischen Museum Bayreuth.

Bild unten: Original bei der Vermessung im Archäologischen Museum Bayreuth 2015.


Archäologischer Rundweg - Drüber gestolpert

Bayreuth, 8. Juli 2023

Schon gewusst? Bayreuth hat einen archäologischen (Stelen) Rundweg. Wir wüssten es auch nicht, wären wir nicht vor kurzem über eine der Stelen gestolpert. Gut gemacht zeigt jede von ihnen, was da wo sie steht, an Spuren unter dem Straßenpflaster lag und noch liegt. Vier der Stelen stehen wohl schon seit mindesten Februar 2022. Wie gesagt, wir haben sie bis jetzt übersehen. Kein Wunder, unterscheiden sich die Stelen des archäologischen Rundwegs doch erst nach den zweiten Blick von den Stelen des Fußgängerleitsystems. Dieses soll nämlich Besucher zu touristischen Zielpunkten und den Haupteinkaufsbereichen der Stadt führen. Als Bayreuther ignoriert man sowas … schließlich kennt man sich aus. Leider ignoriert man damit auch gleich noch den archäologischen Rundweg samt seiner Stelen. Hoffentlich geht das nicht allen Bayreuthern so.

Beworben haben wir, bis auf einen Artikel im Nordbayrischen Kurier, den Rundweg übrigens nirgends gefunden. Schade eigentlich, denn der Weg ist für Besucher und Einheimische gleichermassen ein wunderbarer Spaziergang durch die Geschichte der Stadt, den man einmal gemacht haben sollte.

Und damit die Suche nach den Stelen für euch genau so "spannend" wird wie für uns, zwölf Stück sollen es wohl sein oder werden, verraten wir Euch nicht wo sie stehen. Nur so viel, beginnt eure Suche da wo vormals das Untere (Stadt)Tor stand und sucht dann weiter auf dem Marktplatz, beim Alten Schloß und der Opernstraße. Haltet dabei unbedingt das Umfeld der historischen Gebäude im Blick. Viel Spaß dabei!


Mindener Zeitinseln - Immer eine Reise wert

Bayreuth/Minden 5. Juni 2023

Nach 9 Jahren Pause waren wir wieder in Minden. Zu den Zeitinseln. Und derer waren es dieses mal, über die Innenstadt verteilt, 10 an der Zahl. Von der Steinzeit bis um 1900 gab’s wieder so einiges zu sehen und zu erleben. Darunter auch, wieder in Domhof, das Mittelalter. Zu sehen gab’s da unter dem Motto „Mittelalterliches Alltagsleben in Minden“, unter anderem Händler (darunter auch wir) in ihren Verkaufsständen und Handwerker an ihren Werkbänken. Denen konnte man dann über die Schulter, oder auf die Finger schauen. Oder Löcher in den Bauch fragen! Darunter gab es einen Altkleiderhändler und eine Bäckerin. Bei den Handwerkern, einen Sarwürker und eine Färberin, um nur einige zu nennen. Und last but not least, Kriegshandwerker aus der Zeit um 1200 und der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Machen wir’s kurz, es war großartig. Klasse Stimmung bei Darstellern und Publikum gleichermassen. Klasse Wetter und klasse Betreuung durch Minden Marketing.
Unsere Zeitinsel-Lieblinge waren dieses mal die römischen Legionäre. Wir waren zwar nicht in ihrer Zeitinsel, dafür haben wir die Zeit nicht gefunden, aber sie haben „das Mittelalter“ besucht und man ist ins Gespräch gekommen. Über die stetig wachsende Zahl von Akteuren mit ziviler Darstellung (mindestens Zweitdarstellung) in der (Römer)Szene. Etwas das uns überrascht hat. Sind doch all unsere „römischen“ Bekannten Legionäre.


Anthropomorphe Gürtelklemme - Echt nur für Schlüssel???

Bayreuth 21. Mai 2023

Was man so alles (wieder)findet, wenn man auf der Suche nach etwas ganz anderen ist. Dieses mal, eine figürlichen Gürtelklemme. Manchmal auch Gürtelhaken (1), Schlüsselhalter oder einfach Schlüsselmann genannt. Vor Ewigkeiten bei einem von uns bestellt, aber nie abgeholt. Gefertigt entsprechend einem Original aus der Fränkischen Schweiz und in das späte 15. Jahrhundert datiert (lt. Aussage des Auftraggeber).
Allgemein datieren solche figürlichen Gürtelklemmen von der zweiten Hälfte des 15. bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts (2).

Ihre Produktionsstätten sind unbekannt. Für die süddeutschen Stücke vermutet man, aufgrund seiner florierenden Buntmetallproduktion, Nürnberg als Herstellungsort. Den der norddeutschen Funde dagegen, könnte man im Hanseraum vermuten (3).

Neben Klemmen mit männlichen Figuren, so wie hier im Bild, finden sich noch Figuren die ein tanzendes (oder umarmendes?) Paar darstellen.

In beiden Gruppen, finden sich zwei unterschiedliche Arten von (Schlüssel)Ringen. Zum einen, so wie hier im Bild, Figuren mit einem, maximal drei, fest angegossenen Ringen. Zum anderen, Figuren die auf einer runden Hülse "stehen", durch welche ein einzelner beweglicher Ring befestigt ist (4).

Getragen wurden sie über den Gürtel geschoben bzw. eingehängt. Was an den Ringen getragen wurde, ist unbekannt. Schlüssel wären da nur eine Möglichkeit (5).

Ebenfalls ungeklärt ist von wem sie getragen wurden. Vermutlich aber vorrangig von Frauen. Obliegt ihnen doch im mittelalterlichen Rechtswesen die Schlüsselgewalt über das Haus (6).

 

1) Der Fachterminus "Gürtelhaken" meint eigentlich Beschläge mit denen ein Gürtel verschlossen bzw. zusammengehalten wird.
2) Stoi, 2008, S. 93.
3) Heidel, 1994, S. 266.
4) Siehe https://www.stadt-muenster.de/denkmalpflege/stadtarchaeologie/funde/ungewoehnlicher-schluesselhalter. Stand 21. Mai 2023.
5) Stoi 2008, S. 91.
6) Heidel, 1994, S. 267.


Waschen und Putzen - Von wegen dreckiges Mittelalter III

Bayreuth 14. Mai 2023

Das saubere Mittelalter ist natürlich mehr wie nur der saubere Mensch. Da wäre noch die saubere Wäsche, sauberes Geschirr und das saubere Haus. Mindestens! Und genau damit hat sich De Timmermansche auseinandergesetzt. Den meisten eher bekannt für ihre (mittelalterliche) Küche. Sie widerlegt anhand einer Vielzahl von Quellen, die Mär vom dreckigen Mittelalter. Aufgeteilt in die Themenbereiche, Hausputz, Abwasch und (Wäsche)Waschen. Dort zu finden im Kapitel Haushalt. Auch als PDF zum runterladen!
Und da auf einem Bein nicht gut stehen ist, hier noch ein Link in Richtung „Sauberes Mittelalter“, die wir euch ebenfalls ans Herz legen wollen. Zu den Wienische Hantwërcliute 1350. Die haben sich auf ihrer Site ausführlich mit dem Thema Wäsche waschen auseinandergesetzt. Inklusive einem Praxisversuch. Dort zu finden im Kapitel Alltag 1350 - Alltagsleben.

 

Bild: © Peter Lutz


Mehrpassbecher - Mein Becher hat viel Ecken

Bayreuth 29. April 2023

Vier- besser gesagt Mehrpassbecher. Eigentlich schade das sie "ausgestorben" sind. Fast jedenfalls. Bei uns fränkischen 14. Jahrhundert Darstellern sind sie ja noch allgegenwärtig.

Normalerweise hat da jeder von uns "seinen" Becher(typ). Je nach Region und Zeitstellung natürlich. Für uns ist das der Becher ganz links im Bild (H). Von allen anderen Bechertypen hiesse es für uns also, Finger weg. Zumindest für unsere 1320er Darstellung.

Das hat einen von uns aber nicht davon abgehalten, sich einen Überblick zu verschaffen. Ihre Vielfalt an Erscheinungsformen lädt ja geradezu dazu ein. Sind sie doch regional so stark ausgeprägt, das man ein paar Kilometer weiter eine ganz andere Form vorfindet. Gar nicht zu reden von ein paar Jahrzehnten später. Spannend wie wir finden. Beispiele gefällig? Gerne doch! Aber Vorsicht, alles hier ist voll 14tes und sehr fränkisch.

(A) Bayreuth, ehemalige Schmiedgasse, 2. Hälfte 14. Jahrhundert. (B) Nürnberg, Tetzelgasse, Anfang/1. Hälfte 14. Jahrhundert. (C) Nürnberg, in mehreren Grabungen vorkommend, 14. Jahrhundert. (D) Aus der Trebgast bei Harsdorf (Landkeis Kulmbach), Anfang 14. Jahrhundert. (E) Der einzige Fünfpass hier, Fränkische Schweiz, Mitte 14. Jahrhundert. (F) Nürnberg, Tetzelgasse, 1. Hälfte 14. Jahrhundert. (G) Nürnberg, Rathaus, spätes 14. Jahrhundert. (H) Bayreuth, Alte Lateinschule, 1. Hälfte 14. Jahrhundert.

Ergo: Wenn Ihr euch mit euerer Darstellung also einer Zeit und einer Region verschrieben habt (alles andere ist unserer Meinung nach … schwierig), braucht’s auch die korrekte Keramik dazu. Denn gerade Keramik hat eine stark ausgeprägte Regionalität.


Quellenkritik - Trau schau wem

Bayreuth 16. April 2023

Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir euch hier bei uns ein Gießfass neu vorgestellt. Gefertigt nach Fotos eines komplett unbeschädigten Originals. Zu sehen im Deutschen Burgenmuseum auf der Heldburg in Thüringen. Gefunden, 1951 in Nürnberg. Die zugehörige Tafel in der Vitrine titelt: "Handwaschgerät (Lavabo) mit Decken - Steinzeug, 13./14. Jh. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Ke 2551".

Blöd nur, das uns dieser Tage ein Artikel in die Hände gefallen ist, der neben Anderen auch genau diesen Gießfass behandelt, und der sagt etwas ganz anderes. In KulturGUT - Aus der Forschung des Germanischen Nationalmuseums, Heft 37, 2. Quartal 2013 (Seite 5-7) steht zu lesen, daß das Stück anhand von Vergleichsfunden grob zwischen die zweite Hälfte 14. und den Beginn des 16. Jahrhunderts zu datieren ist. Wobei im Artikel ausdrücklich darauf hingewiesen wird das eine typologische Datierung solcher Gießfässer, einiges an Ungenauigkeit mit sich bringt. Allerdings liesse sich "unser" Gießfass anhand begleitender Keramikfunde ins 15. Jahrhundert datiert.

Soweit so schlecht. Zwei Datierungen für ein und das selbe Stück. Damit ist guter Rat teuer! Wir tendieren zur Zeit dazu, weiterhin der Datierung in der Ausstellung zu folgen. Zumal das Burgenmuseum drei Jahre nach erscheinen des Artikels in "KulturGUT" eröffnet wurde und wir hier deshalb unterstellen wollen, das die dort gezeigten Exponate für die Ausstellung neu bewertet wurden und die zugehörigen Tafeln dann auch den aktuellen Kenntnisstand wiedergeben.

Apropo: Da unser Gießfass, bedingt durch nur ein unvorteilhaftes Foto als Grundlage, nicht so ganz die Gefäßform des Originals wiedergibt, haben wir ein neues Replik in Auftrag gegeben. Jetzt entsprechend der (Fund)Zeichnung im Artikel in "KulturGUT" Heft 37 und in der in der Ausstellung angegebenen Warenart. Und selbstverständlich gibt’s das neue Teil dann auch hier zu sehen.


Ein etwas anderer Kerzenständer - Recycling 1475-1500

Bayreuth, 8. April 2023

So naheliegend die Idee ist, wir hatten sie nicht! Wir haben sie hier nur mal auf die Schnelle nachempfunden … mit einem ohnehin schon schwer angeschlagenen Topf.

Entdeckt haben wir diese Art des Recycling eher zufällig bei einem Streifzug durch die digitalen Sammlungen diverser Museen. Genauer, in der „Collection online“ des The British Museum. Noch genauer, auf dem Werk "Die Geburt" des niederländischen Meisters FVB. Zu finden unter: Collection - Collection online. Da dann einfach "Master FVB" in die Suche eingeben und schon könnt ihr euch selbst ein Bild machen.

Aber Achtung: Versteht das gute Stück bitte jetzt nicht als Beleg für das ganze Mittelalter. Die Quelle ist nunmal 1475-1500. Und die Annahme, das sowas auch schon frühen (und natürlich auch nachmittelalterlich) gemacht wurde ist, wenn auch naheliegend und sehr wahrscheinlich, dünnes Eis. Also besser Finger weg. Es sei denn natürlich, ihr findet für "euere Zeit" eine ähnliche Quelle. Und wenn die dann auch noch frühes 14. Jahrhundert ist, würden wir uns freuen wenn ihr sie mit uns teilen würdet. Mail genügt.


Zwei Handlaternen des 14. Jahrhunderts - Kleine Taschenlampe brenn’

Bayreuth, 2. April 2023

Mal was ganz anderes in Sachen Laterne. Kleine Handlaternen aus Keramik. Die eine, im Bild links, als Replik eines stark beschädigten Original aus Keramik. Gefunden in Tábor, in der Tschechischen Republik und ins 14. Jahrhundert datiert. Mit seitlichem Griff, ähnlich den Henkeln an Krug oder Kanne, auf der dem „Fenster“ abgewandten Seite.

Die andere, rechts im Bild, auf einer stiel- oder stabähnlichen Handhabe sitzend. Nachempfunden entsprechen einer solchen Laterne auf einer Bildtafel (Rest eines Passionsaltars) in der Klosterkirche Heilsbronn bei Nürnberg. Datiert auf 1350. Hier, als Rekonstruktionsvorschlag, ebenfalls aus Keramik gefertigt.

Beide Laternen sind im Gegensatz zu den rundum leuchtenden, mit Hornplatten "verglasten" Laternen vergleichsweise klein und mit nur einer Lichtöffnung naturgemäß ungeeignet einen Raum oder Platz zu beleuchten. Ihr in eine Richtung gerichtetes Licht lässt vielmehr an die Nutzung analog einer modernen Taschenlampe denken. Also den Weg oder Raum vor dem Nutzer zu beleuchten ohne diesen zu blenden.

Natürlich haben wir die beiden Schätzchen gleich mal ausprobiert und wurden dabei in dreierlei Hinsicht überrascht. Zum einen werden die "Dächer" beider Laternen SEHR schnell SEHR heiß. Verbrannte Finger bei unsachgemässer Handhabung inklusive!!! Die Handhaben dagegen erwärmen sich auch bei längerer Nutzung kaum. Zum anderen, das durch die kleinen Öffnungen beschränkte, subjektiv schwache Licht, reicht vollkommen aus, bei Nacht den Weg nicht zu verlieren oder Hindernisse zu erkennen. Zu guter letzt: Es braucht erstaunlicherweise mehr als ein Lüftchen um die Kerzen auszublasen.


Nach dem Geschäft - Wohin mit dem Scheiß

Bayreuth/Bamberg, 25. März 2023

Vielleicht erinnert ihr euch an "Die Stadt im Mittelalter war bunt - Und damit basta I + II" vom
16. und 27. Oktober 2022 hier bei uns im Blog. Da haben wir die Artikel "Es war ganz anders als im Film“ Teil 1 und Teil 2 von IN TERRA VERITAS in deren hauseigenen Online-Magazin gefeiert. Beide Beiträge zeigen hervorragend wie falsch das Vorurteil des grauen Mittelalters ist und wie bunt das Mittelalter dann eben doch war.

Wir sagten damals: "Endlich sagt's mal einer laut!" Und das sagen wir jetzt wieder! Diesmal zu "Das große Geschäft - Entsorgungseinrichtungen in Mittelalter und Neuzeit". Den neusten Video auf dem relativ neuen Youtubekanal ARCHÄOLOGIE kurz erklärt von IN TERRA VERITAS. Erneut geht ITV, namentlich Herr Julian Decker, mit dem eisernen Besen durch die Rumpelkammer der Vorurteile zum Thema (dreckiges) Mittelalter und zeigt eine Zeit die sich eben nicht ihren Hinterlassenschaften und deren Gestank ergab, sondern vielmehr sehr aktiv dagegen vorging.

Schaut unbedingt mal rein. Die rund 35 Minuten Zeit die Euch das kostet, sind gut investiert. Besonders die letzten zwei Minuten!

 

Bild: Rekonstruierter Abort (um 1300) im Freilichtmuseum Bachritterburg Kanzach im Landkreis Biberach. Das Herz in die Tür dürfte eher romanischer Natur sein, als historische Tatsache.


Ein spätmittelalterliches Mietshaus - Ein Rechercheschnipsel

Bayreuth/Nürnberg, 18. März 2022

Schaut mal was wir gefunden haben. Ein Miets(doppel)haus von 1432 in Nürnberg. Gefunden haben wir es allerdings nicht in Nürnberg selbst, sondern in: Wohnen ohne Eigentum - Mieten und Bauen in Land und Stadt seit dem Mittelalter in Franken. Von Julia Krieger (Hrsg.). Aus der Reihe: Geschichte und Kultur in Mittelfranken, Band 10. Erschienen 2022.
Erbaut wurde es als Etagenwohnhaus. So gebaut, das Erdgeschoss und Obergeschoss unabhängig voneinander vermietet werden konnten. Es ist bei gespiegelten Grundrissen in der Mitte geteilt. Bauzeitlich bestanden die jeweiligen Erdgeschosse aus einem einzigen großen Raum, vermutlich als Werkstatt zu nutzen. In den Obergeschossen lagen Wohnungen. Entlang der Mittelwand die Flure welche die jeweils aussen liegende Stube, Küche und Kammer erschlossen.

Erreichen konnte man die Obergeschosse ursprünglich über Treppen in den Fluren. Ob diese bauzeitlich von der Straße aus oder über die Werkstatt zu betreten waren, muss ungewiss bleiben. Üblich wäre gewesen, das die Treppe zum Obergeschoß und das Untergeschoss durch separate Haustüren zugänglich waren.
Zwischenzeitlich waren wir natürlich vor Ort und haben uns ein Bild gemacht und es euch mitgebracht. Erdgeschoß und 1. Obergeschoss datieren wie gesagt auf 1432. Das 2. Obergeschoss und das Zwerchhaus auf 1873. Ebenfalls interessant, unter den linken Fenstern im 1. Obergeschoss, Putzreste des 17. bis 19. Jahrhunderts. Lediglich konservatorisch gesichert und im Originalzustand belassen. Gerettet wurde das Gebäude dankenswerterweise vom Altstadtfreunde Nürnberg e.V. und dann von 1990 bis 2002 saniert. Das im Bild rechte Nachbargebäude übrigens, es datiert im Kern auf 1401, wurde ebenfalls vom Altstadtfreunde Nürnberg e.V. gerettet und saniert.

Ach ja! Das Ganze ist Teil der Antwort auf die Frage: Wo und wie wohnten die Einwohner spätmittelalterlicher Städte, sofern sie kein eigenes Haus besaßen? Die Antwort: Zur Miete in Herdgemeinschaft oder (wie auch heute) als Mieter einer Wohnung bzw. eines Hauses. In Herdgemeinschaften ist die Mietsache eine Kammer im Haus des Vermieters. Wobei man sich Mieter und Vermieter, Herd und Stube teilten.

Nachweisen lässt sich die Überlassung von Wohnraum zur Miete erstmals für 1159 in Köln. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts kann man das Mietwohnen dann bereits als gängige Praxis annehmen. In diese Zeit fällt auch deren erster Nachweis für Mieten bzw. Vermieten hier in Franken. Die Nürnberger Polizeiordnung von 1327 macht es für die Stadt Nürnberg indirekt fassbar.


Onlinerecherche - Unendliche Weiten

Bayreuth, 12. März 2023

Bei der Recherche geht heut der erste Gang üblicherweise an den Rechner und dann erst in eine der einschlägigen Bibliotheken. Schade nur, das man im Netz nur bedingt das findet wonach man sucht. Ist es doch eine Unart von Suchmaschinen, das man die richtige Frage kennen muss um nicht leer auszugehen.

Oder man landet, bei ganz anderer Suche einen Glückstreffer. Zwei solcher Glückstreffer hat und die Suchmaschine vor einiger Zeit serviert. Zwei Datenbanken die wir, so aus dem Bauch raus, nie mit Geschichte oder Archäologie verbunden hätten. Und die wollen wir kurz mal an euch weiterreichen.

Zum einen, ART-Dok - Publikationsplattform Kunst und Bildwissenschaften. Bereitgestellt von der Universität Heidelberg. Zum anderen, E-Periodica - Plattform für Schweizer Zeitschriften online von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Und um es noch besser zu machen: Alles zum download und zitierfähig. Beide Links findet Ihr ab sofort und dauerhaft HIER bei uns unter LINKS.


Bayreuth1320 Linksammlung

Reenactmentshopping - Wenn man weiß was passt

Bayreuth, 18. Februar 2023

Wohin geht ihr eigentlich zum shoppen, wenn das Equipment nach Erweiterung verlangt. Bei uns jedenfalls geht der erste Weg tatsächlich manchmal in das eine oder andere Onlinekaufhaus. Vielleicht gibts ja was von der Stange. Meist nicht, wie Ihr sicher wisst. Was für ein Hobby. Nix gibts zu kaufen. Alles muss man sich anfertigen lassen.
Naja, fasst alles. Denn dankenswerterweise gibt es dann doch den einen oder anderen Händler mit reenactmenttauglichen Sortiment. Mehr wie man denkt, aber weniger als man gerne hätte. Einige davon, die auch wir gelegentlich heimsuchen, haben wir für euch unter der Überschrift "Kaufhäuser", HIER bei uns unter LINKS (ganz unten auf der Seite) zusammengetragen. Viel Spaß beim schoppen.

Ein Tipp für Einsteiger unter unseren Lesern. Kauf nichts mit einem der folgenden oder ähnlichen Sätzen im Kopf: „Das ist doch so Ähnlich!“, „Das passt schon!“, „Es gibt nichts anderes!“. Das wäre sich selbst in die Tasche gelogen. Besser: Finger weg! Das spart Geld! Denn wer falsch kauft, kauft doppelt und doppelt kaufen ist immer teurer als die Investition in die Arbeit eines versierten Handwerkers. Davon haben wir natürlich ebenfalls ein paar die wir euch empfehlen können. Ebenfalls HIER bei uns unter LINKS zu finden


Bayreuth 1320 unterwegs - Wenn einer eine Reise tut …

Frankenberg, 7. Januar 2023

... dann kann er was entdecken. Entdeckt hatten wir die Mittelalterliche Bergstadt Bleiberg allerdings schon vor einiger Zeit im Netz der Netze. Neugierig geworden, haben wir uns deren ersten Termin im Jahr zum Anlass genommen dort mal vorbei zu schauen. Beeindruckend was da von einem Verein aus rund 30 Leuten seit den 1990ern geschaffen wurde. Etwas über 20 Nachbauten von Gebäuden der nicht weit entfernt ergrabenen und namensgebenden, wüstgefallenen, Bergbaustadt Blyberge stehen dem Besucher offen.

Wir wollen Euch hier jetzt nicht mit Details füttern, das kann die Homepage Mittelalterliche Bergstadt Bleiberg viel besser. Hier nur so viel: Das Schaugelände zeigt einen Straßenzug einer Bergbaustadt des 13. Jahrhunderts, mit Gebäuden entsprechend ergrabener Grundrisse. Und auch wenn nicht alles Gold ist was da zu sehen ist und sich das einen oder andere gemütliche Teil eingeschlichen hat, bei Renovierungen oder Umbauten wird nachjustiert. Aber was da steht ist ausnahmslos in top Zustand, voll funktionsfähig und gepflegt … was wir letztes Jahr, auch in namhaften Freilichtmuseen, ganz anders erfahren mussten.

Wir jedenfalls werden wiederkommen. Nicht nur weil wir einfach zu wenig Zeit mitgebracht hatten, sondern auch um so ein großartiges Projekt zu unterstützen.


Neujahr - Neues Jahr, neues Glück

Bayreuth, 1. Januar 2023

Wir von Bayreuth 1320 wünschen allen unseren Lesern, Helfern und Freunden für das neue Jahr, Glück und Erfolg bei all euren Vorhaben. Beste Gesundheit und jede Menge Spaß im Leben.
Wie freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen mit euch. Und damit Ihr nichts verpasst … schaut doch ab und zu hier vorbei. Vielleicht ist ja das Eine oder Andere für Euch dabei.