Rekonstruierte Brunnen - Ein schönes Beispiel

Bayreuth/Nürnberg, 5. April 2026

 

Schaut mal was uns dieser Tage erreicht hat! Das Bild (und ein paar Links) eines Ziehbrunnens in Nürnberg. Genauer: Des Ziehbrunnens am Tiergärtnertor. Aber Achtung: Auch wenn er im Gegensatz zu seinen Bayreuther Brüdern tatsächlich so aussieht, ist er auch kein Original! Und ebensowenig nach einem mittelalterlichen Vorbild rekonstruiert.

Warum wir dann trotzdem davon anfangen? Wegen seiner möglichen Ähnlichkeit zu den beiden Brunnen, die man auf der als ältester Stadtplan von Bayreuth geltenden Federzeichnung "Bayreuth, wie es vor dem Brand 1621 gestanden" in der Kanzleistraße* finden kann. Einen beim Chor der Stadtkirche und einen im Einmündungsbereich zur Maximilianstraße*. Beide mit scheinbar runder Einfassung samt Überbau. Dabei trägt der Brunnen an der Maximilianstraße* zwar kein Dach, aber der Rollenzug ist gut zu erkennen. Der Brunnen an der Stadtkirche scheint dagegen aber mit einem Dach überbaut zu sein. Falls ihr euch selbst überzeugen wollt: Der Plan liegt in der Dauerausstellung des im Historischen Museum Bayreuth.

Doch zurück zum Nürnberger Brunnen: Entdeckt wurde sein Schacht 1979 bei Bauarbeiten. Seine Wiederherstellung nahmen dann der Altstadtfreunde Nürnberg e.V. in die Hand. Als Grundlage für die Rekonstruktion der oberirdischen Teile dienten dabei die Reste eines kriegszerstörten Hofbrunnens aus Nürnberg selbst, welcher obendrein noch die meisten der runden Säulensteine lieferte. Das sparsam ausgeführte Dach, welches eigentlich nur Querbalken und Rollenzug schützt, wurde entsprechend historischer Abbildungen gestaltet. Darunter vielleicht sogar (Bild unten) der von Johann Adam Delsenbach (1687-1765), geschaffene "Prospekt des Platzes beim Tiergärtnertor in Nürnberg" aus dem Jahr 1714, welcher eben jenen Brunnen ... und  seine Benutzung ... wunderbar detailreich wiedergibt.

 

Bild unten) Bildausschnitt aus: Prospekt des Platzes beim Tiergärtnertor in Nürnberg. Urheber: Delsenbach, Johann Adam. Rechtewahrnehmung und Datenpartner: Staatsbibliothek Bamberg. URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/UDDBTLUCDF5WPO7AGTZZ6O6ENZBD5EDU. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Stand 16. März 2026.

Quellen/Literatur:

Mulzer, Erich: Tätigkeitsbericht der Altstadtfreunde für das Jahr 1980. In: Altstadtfreunde Nürnberg e.V. (Hrsg): Nürnberger Altstadtberichte Nr. 6, 1981. S. 1-28. URL: https://www.altstadtfreunde-nuernberg.de/fileadmin/media/images/angebote/altstadtbericht/pdfs/altstadtberichte_nr._6_1981.pdf. Stand 19. März 2026.


Reserviert! Kurz und knapp IX

Bayreuth, 10. Mai 2026

 

Schaut mal, worüber wir da in den Nürnberger Polizeiordnungen des 13. bis 15. Jahrhunderts, bezüglich Veranstaltungen im Rathaus, gestolpert sind ... und uns ein Schmunzeln nicht verkneifen konnten. Das Verbot einen Sitzplatz (oder Sitzstätte, wie es heißt) zu besetzen oder besetzen zu lassen! Vor allem nicht bei Tanzveranstaltungen!

Und das liest sich wie folgt: « Es soll auch fürbaß nymant eyniche sitzstatt auff dem rathawse weder zu tenntzen noch sunst verfahen noch ime verfahen lassen, bey peen eyner yden fart ain phundt newer haller ».

Seit damals hat sich also nichts geändert. Zumindest nicht bei Veranstaltungen mit freier Platzwahl. Interessieren würde uns dabei, wie das Besetzen damals vor sich ging. Weiß das jemand von euch? Einfach ein Handtuch über die gewünschte Sitzstatt legen, wird es wohl nicht gewesen sein. Aber warum eigentlich einen Sitzplatz vorab besetzen, war doch die Teilnahme an den Tanzveranstaltungen im Rathaus ausschließlich Angehörigen der ratsfähigen Familien vorbehalten und somit auch die Personenzahl und damit die benötigte Anzahl an Sitzplätzen dieser geschlossenen Gesellschaft durchaus bekannt. Aber vielleicht ging es ja gar darum einen Sitzplatz an sich zu ergattern, sondern vielmehr darum, eben genau DIESEN Sitzplatz neben oder bei DIESER Familie oder Person zu erlangen.

Auf jeden Fall war diese Praxis nicht gerne gesehen, wie die ebenfalls aufgeführte Strafe zeigt. Obwohl ... konnte eine Strafe von einem Pfund neuer Heller den Nürnberger Geldadel wirklich abschrecken?

 

Quelle/Literatur:

Baader, Joseph: Nürnberger Polizeiordnungen aus dem XIII bis XV Jahrhundert. Stuttgart 1861. URL: https://archive.org/details/nrnbergerpolize00gergoog. S. 91. Stand 10. Mai 2026.

Bild (Ausschnitt): Von René Bittner auf Pixabay


Waffenverbotszonen - Früher war alles ... größer

Bayreuth/Nürnberg, 8. März 2026

 

Dieser Tage unterwegs von Nürnberg zurück nach Bayreuth! Zurzeit heißt das: Schienenersatzverkehr! Und der fährt "Hinterm Bahnhof" ab. Ja, die Straße heißt wirklich so. Und wenn man auf dem Weg dorthin, den Bahnhof via Westtunnel durch den Hinterausgang verlässt, hängt da ein Schild mit der Aufschrift "Waffen- und Messerverbotszone". Und die ist gar nicht mal  so klein. Schaut mal HIER. Leider ist sie aber bitter nötig, gilt doch der Nürnberger Hauptbahnhof als einer der gefährlichsten in ganz Deutschland. Zumindest sagen das die Zahlen. Die Zahlen sagen aber auch, dass so eine Verbotszone funktionieren kann. Soweit so gut (oder schlecht weil nötig) für jetzt und heute.

Wir wären aber nicht wir, wenn wir uns nicht auch gleich fragen würden: Wie sah das an gleicher Stelle bzw. im mittelalterlichen Nürnberg aus? Gar nicht so anders, nur viel größer, wie uns die Nürnberger Polizeiordnungen verraten haben. Denn in ihnen lässt sich lesen, dass die gesamte Stadt Nürnberg mindestens vom 13. Jahrhundert an und für den Rest des Mittelalters eine einzige Waffenverbotszone war.

So war es im 13. und 14. Jahrhundert verboten « (…) elleu swert und elléu spitzigen messer (…) und alle verbotten wer (…) » in der Öffentlichkeit mitzuführen. Dabei war es egal, ob man die Waffe offen oder verdeckt bei sich trug. In letzterem Fall war nur die Strafe drastisch höher. Bestraft wurden übrigens nicht nur die Waffentragenden selbst, sondern ebenso, Personen die  an einen Bewaffneten Waren verkauften, oder Wirte (und deren Personal) die an die Bewaffneten Wein ausschenkten. Auch war es Usus, dass die Wirtsleute (und deren Hauspersonal) ihre Gäste bei Ankunft anzuweisen hatten, ihre Waffen in der Herberge zu lassen. Widersetzte sich der Gast, war es dem Wirt (oder seinem Personal) verboten, ihn zu beherbergen. Sollte ein Wirt dem zuwiderhandeln, wurde auch das mit Strafe belegt. Aber selbstverständlich durften Reisende ihre Waffen bei An- oder Abreise bis in die Herberge bzw. von der Herberge an, tragen. Genauso wie Bürger und Einwohner ihre Waffen von der Haustür an tragen durften, sofern sie die Stadt über mindestens eine Viertelmeile hinweg verlassen wollten.

Für das 15. Jahrhundert findet sich in den Polizeiordnungen dann erneut ein Waffenverbot für die Stadt und explizit auch für deren Wirtshäuser, Frauenhäuser (Bordelle) und die Hallerwiese* innerhalb ihrer Umfriedung und die Vororte "Wöhrd" und "Gostenhofen". Jetzt allerdings um das « (…) spitzig protmesser (…) » als verbotenen Gegenstand ausgeweitet. Wobei die Polizeiordnung ganz ausdrücklich das « (…) slechte ungeverliche protmesser  (…) » ausnimmt. Wo da wohl die Grenze gelegen hat?

Ach ja! Natürlich war bei alle dem im mittelalterlichen Nürnberg nicht nur das Tragen und Benutzen von Schwert, Messer und Wehr verboten, sondern auch das Schießen mit Büchse, Armbrust oder Bogen, sowie selbstverständlich jedwede körperliche Auseinandersetzung und Gewaltverbrechen. Das lest aber bitte selbst nach. Den Link zur Nürnberger Polizeiordnung en findet ihr hier HIER. Viel Spaß dabei!

 

Quellen/LIteratur:

Reiner, Michael u. Wenzel, Tina: Hauptbahnhof Nürnberg: Kampf gegen Gewalt, Drogen, Armut. In BR24 vor Ort vom 19.12.2025. URL: https://www.br.de/nachrichten/bayern/hauptbahnhof-nuernberg-kampf-gegen-gewalt-drogen-armut,V54E2sX. Stand 8. März 2026.

Baader, Joseph: Nürnberger Polizeiordnungen aus dem XIII bis XV Jahrhundert. Stuttgart 1861.
 URL: https://archive.org/details/nrnbergerpolize00gergoog. Stand 12. April 2024.

* Ein heute noch so genutztes "Naherholungsgebiet" am rechten Pegnitzarm unmittelbar vor der Stadtmauer.


Der Chor der Klosterkirche - Kurz und knapp VIII

Bayreuth, 25. Januar 2026

 

Was es nicht alles gibt! Da steht doch tatsächlich der Rest eines gotischen Chors integriert in die Rückseite des Gebäudes der ehemaligen und scheinbar leerstehenden Hypo Vereinsbank AG in der Königsstraße mitten in Nürnberg. Einzusehen in der Findelgasse, gegenüber Hausnummer 4. Was es damit auf sich hat, lässt sich recht schnell auf der Homepage des Hauses der Bayerischen Geschichte nachlesen. Es handelt sich, schlicht und einfach, um den letzten Rest der Franziskaner- oder Barfüßerkirche bzw. den letzten Rest des gesamten Franziskaner- oder Barfüßerklosters, das dort vormals am Ufer der Pegnitz stand.

Geweiht wurde die Kirche erstmals im Dezember 1268 und ein zweites Mal nach mehrfachen Umbauten im Jahr 1434. Wie man sich die ehemals zugehörige Kirche vorstellen sollte, zeigt das sog. Braunsche Prospekt (Bild 2) von 1608.
Diese natürlich gotische Kirche wurde allerdings am 1. Oktober 1671 ein Raub der Flammen. Glücklicherweise blieben bei diesem Brand aber ein Teil des Langhauses und der Chor von den Flammen verschont, sodass man sie in den 1689 fertiggestellten barocken Neubau der Kirche integrieren konnte. Natürlich nicht ohne sie zu modernisieren/barockisieren (Bild 3).

Keine 120 Jahre später, im Jahr 1806, musste die Kirche dann allerdings einem Privathaus Platz machen. Erstaunlicherweise, aber nur ihr westlicher Teil. Ein Teil des gotischen Langhauses samt Chor konnte stehen bleiben und erfuhr dann noch über 100 Jahre lang die verschiedensten Nutzungen, bevor er dann 1913 fast vollständig dem bis heute dort stehenden Bankgebäude weichen musste. Lediglich ein Joch des Chores und der Chorabschluss wurden stehen gelassen und in die Rückseite des Nachfolgebaus/Bankgebäudes integriert. Womit sich abgesehen von einer Grabplatte aus der Kirche, die heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg liegt, ein wunderbares Zeugnis des drittältesten Klosters in Nürnberg erhalten hat. Vor aller Augen und doch irgendwie gut versteckt.

 

Bild 2) Des Hieronymus Braun Prospekt der Stadt Nürnberg vom Jahre 1608. Blatt VI und VII (Ausschnitt). Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, 12. Heft 1898, via Münchner Digitalisierungszentrum - Digitale Bibliothek. URL: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00001004?page=90,91. CC BY-NC-SA 4.0. Stand 18. Dezember 2025.

Bild 3) Schmidt, Ulrich: Das ehemalige Franziskanerkloster in Nürnberg. Nürnberg 1913. URL: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv005062339-5. Illustration 3. Stand 3. Januar 2026. Public Domain Mark 1.0.

Quellen/Literatur:
Siegel-Weiß, Claudia: Die "Minderbrüder" in Nürnberg auf der Homepage des Hauses der Bayrischen Geschichte. URL: https://hdbg.eu/kloster/index.php/detail/geschichte?id=KS0290. Stand 10. Januar 2026.
Schmidt, Ulrich: Das ehemalige Franziskanerkloster in Nürnberg. Nürnberg 1913. URL: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv005062339-5. Stand 3. Januar 2026. Public Domain Mark 1.0


Nürnberg Mitte 15tes - Ein Augenzeugenbericht

Bayreuth, 29. Juni 2025

 

Fundstücke über Fundstücke. Diesmal, ein Auszug aus dem von 1457 bis 1558 entstandenen Reisebericht „De ritu, situ, moribus et conditione Germaniae descriptio“ (= Beschreibung von Lage, Gebräuchen und vom Zustand Deutschlands). Verfasst von Aeneas Silvius de Piccolomini (1405-64), dem späteren (ab1458) Papst Pius II.
Gefunden haben wir den Auszug, wie auch schon die Sache mit den Blumentöpfen, in "Franken in alten Ansichten und Schilderungen" von Hanns Hubert Hofmann und Günther Schuhmann.
Darin wird De Piccolomini bezüglich Nürnberg wie folgt zitiert: « Wenn man aus Niederfranken kommt und diese herrliche Stadt aus der Ferne erblickt, zeigt sie sich in wahrhaft majestätischem Glanze, der beim Eintritt in ihre Tore durch die Schönheit ihrer Straßen und die Sauberkeit ihrer Häuser sich bewahrheitet. Die Kirchen zu St. Sebald und St. Lorenz sind ehrwürdig und prachtvoll, die kaiserliche Burg blickt fest und stolz herab, und die Bürgerhäuser scheinen für Fürsten erbaut. Wahrlich, die Könige von Schottland würden wünschen, so gut wie die Durchschnittsbürger von Nürnberg zu wohnen. »

Dem ist nichts hinzuzufügen. Allerdings sollte man bedenken, dass Piccolomini an der einen oder anderen Stelle, vielleicht sogar mit einem gewissen Kalkül, etwas übertrieben haben könnte. Vielleicht aber auch nicht, stand doch Nürnberg damals in seiner wirtschaftlichen und kulturellen Blüte, von der noch heute die unter der Burg stehenden (Bürger-)Häuser dieser Zeit zeugen. Außerdem kann man annehmen, dass ein (damals noch) Kardinal, wohl schwerlich die Gassen abseits der Hauptstraßen, der großen Kirchen und der Patrizierhäuser zu sehen bekam.

 

Quelle/Literatur:
Schuhmann, Hanns Hubert und Hofmann, Günther (Hrsg.): Franken in alten Ansichten und Schilderungen. 1967.

Bayerische Akademie der Wissenschaften: Geschichts­quellen des deutschen Mittelalters - De ritu, situ, moribus et conditione Germaniae descriptio. URL: https://geschichtsquellen.de/werk/1819. Stand 23. Juni 2025.

Bayerische Akademie der Wissenschaften: Geschichts­quellen des deutschen Mittelalters - Pius II papa. URL: https://geschichtsquellen.de/autor/1803. Stand 23. Juni 2025.

Diefenbacher, Michael: Nürnberg, Reichsstadt: Politische und soziale Entwicklung. In: Historisches Lexikon Bayern. URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/N%C3%BCrnberg,_Reichsstadt:_Politische_und_soziale_Entwicklung#Aufstieg_zur_Reichsstadt_-_Verbindung_zum_K%C3%B6nigtum_-_Innere_Unruhen. Stand 28. Juni 2025.

Bild: Bürgerhaus Obere Krämersgasse 12, Nürnberg. 1399 erbaut. Fassade mit Zwerchhaus weitestgehend bauzeitlich. Siehe: https://www.nuernberg.museum/projects/show/771-haus-obere-kraemersgasse-12-privatbesitz-besichtigen (Stand 14. Mai 2025)


Bulle der Heiligsprechung des St. Sebalds - Glück gehabt

Bayreuth/Nürnberg, 30. März 2025

 

Du denkst dir nix, bist gerade auf den Weg nach Nürnberg und bekommst den Tipp, wenn du sowieso schon in der Stadt bist, schau mal in St. Sebald vorbei. Da läge gerade die Heiligsprechungsurkunde des St. Sebald, die „Bulle Ad perpetuam Martins V.“ vom 26. März 1425, in ihrer Ausfertigung für die Kirche St. Sebald, ausgestellt. In der Kirche! Das Original!
Natürlich hat der so Beratene den kleinen Umweg gemacht. Und da lag sie dann auch (und der Autor diese Zeilen hatte das Glück sie zu sehen) in einer eher unscheinbaren Vitrine. Fast zu übersehen neben dem herrlich herausgeputzten Grabes des Heiligen selbst. Leider tatsächlich auch nur für diesen einen Tag.

Anlass der kurzen Ausstellung der Urkunde war übrigens das Festprogramms rund um den sechshundertsten Jahrestages der Heiligsprechung des St. Sebald.

Ach Ja! Das Grab des St. Sebald ist vielleicht nicht das einzige Heiligengrab in einer evangelischen Kirche, aber wahrscheinlich ist es das einzige mit immer noch aktiv tätiger Heiligenverehrung. Seine heutige Gestalt hat das Grab übrigens seit 1519. Der darin verwahrte silberne Schrein entstand aber bereits 1397. In ihm ruhen die Gebeine des in Nürnberg bereits seit dem 11. Jahrhundert verehrten Heiligen. Die letzte und gleichzeitig erste öffentliche Öffnung des Grabes und Visitation der Gebeine fand anlässlich des 500. Geburtstages des Grabes 2019 statt.


Nürnbergs schönste Fenster - Kurz und knapp V

Nürnberg, 27. Oktober 2024

 

Für Nürnberger wahrscheinlich ein alter Hut und allseits bekannt. Für Besucher der Stadt aber, weil gut versteckt hinter dem Gebäude Königsstraße 79, ein meist übersehenes Kleinod. Die ehemalige, 1385 geweihte, Pilgerspitalkirche St. Martha. Beziehungsweise ihre (noch erhaltenen) mittelalterlichen Fenster. Entstanden sind sie zwischen 1385 und 1430 und eine wahre Augenweide. Eben die schönsten Fenster der Stadt Nürnberg … unserer Meinung nach.

Dass die Fenster heute noch erhalten sind, ist übrigens einem mehr als glücklichen Zufall zu verdanken. Brach doch, es liefen gerade Renovierungsarbeiten, in der Nacht des 5. Juni 2014 im Dachstuhl der Kirche ein Feuer aus, das den Dachstuhl vollständig und das Gebäude schwerst beschädigte. Auch zwei der drei Glocken und die Orgel gingen dabei verloren. Glücklicherweise entgingen die wertvollen Kirchenfenster den Flammen. Sie waren zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise, eben wegen jener Renovierungsarbeiten, ausgebaut.


Nürnberger Kleiderordnung - Nicht wirklich … oder

Bayreuth, 17. März 2024

 

Schaut mal was uns in die Hände gefallen ist. "Die Mode im alten Nürnberg", von Julia Lehner.
Da haben wir natürlich sofort reingeschaut. Das meiste davon war uns natürlich und ist sicher auch euch, längst bekannt. Einschränkungen von Weite oder Länge von Kleidungsstücken, zu verwendende oder untersagte Materialien. Maximale Kosten für ein Kleidungsstück oder einen Gürtel, unerlaubtes Zierrat und und und. Ihr wisst was wir meinen. Aber das eine oder andere, hatten wir so aber nicht auf dem Schirm. Manches davon ziemlich kurios. Und manchmal auch zum schmunzeln. Hier unsere Top "Nicht wirklich … oder" der Herrenmode des 14. und 15. Jahrhunderts:

Platz 5: Anfang des 14. Jahrhunderts war es Mode, das Oberleder der Schuhe (dekorativ) durchbrochen zu tragen. Teilweise wohl auch so sehr stark, dass kaum noch Oberleder übrig blieb. Die Kleiderordnung von 1315/30-60 verbot jedenfalls, derart « zerhauene oder zerschnittene Schuhe » zu tragen.

Platz 4: Männer trugen wohl auch mehrere Gürtel gleichzeitig. Die Kleiderordnung von 1382-15. Jh. schreibt jedenfalls vor, dass sich der Mann mit nur einem Gürtel begnügen sollte.

Platz 3: Bei Männern scheint es üblich gewesen zu sein, den Paternoster (Gebetsschnur) hinten im Gürtel (über das Hinterteil hängend) zu tragen. Mit der Kleiderordnung von 1315/30-60 ist dies zu unterlassen. Stattdessen soll der Paternoster seitlich vorne getragen werden.

Platz 2: Noch zu Beginn des 14. Jahrhunderts, trug der Herr seine Haare, heute würde man sagen, Fokuhila. Mit der Zeit wurden sie aber immer kürzer geschnitten und der Scheitel kam in Mode. Und genau dieser Scheitel wurde in der Kleiderordnung von 1315/30-1360 verboten. Man(n) sollte seine Haare vielmehr wie“ « von alters her » tragen.

Platz 1: Offenbar wurden Paternoster von Männern auch um den Hals oder auf den Kopf getragen. Jedenfalls verbietet die Kleiderordnung von 1382-15. Jahrhundert das Tragen der Paternoster um den Hals oder auf dem Kopf.
Ach ja! Falls wir euch jetzt auf eine Idee gebracht haben, vergesst es. Ihr (egal ob Familie oder im Haus lebendes Personal) müsst nämlich zuallererst an eurem Familienvorstand vorbei. Der ist nämlich der Erste der für die Einhaltung der Regeln … auch Kleiderordnungen verantwortlich und auch dafür haftbar ist, sollte jemand aus seinem Haus dagegen verstoßen.
Und falls ihr es doch irgendwie schafft, an ihm vorbeizukommen oder ihr euer eigener Herr sein solltet, lasst euch nicht vom Pfänder erwischen. Das würde euch teuer zu stehen kommen, und das gute Stück wärt ihr auch los.

 

Alle Angaben aus: Lehner, Julia: Die Mode im alten Nürnberg - Modische Entwicklung und sozialer Wandel in Nürnberg, aufgezeigt an den Nürnberger Kleiderordnungen. Schriftreihe des Stadtarchivs Nürnberg, Band 13. Nürnberg 1984. Kapitel IV.2.1."Die modische Bekleidung des 14. und 15. Jahrhunderts - Männerkleidung"


600 Jahre Kontinuität - Never change a running system

Bayreuth, Nürnberg 8. November 2022

 

Seht mal über was man unterwegs so stolpert. In Nürnberg wird der Christkindlesmarkt aufgebaut. Eigentlich nichts besonderes zu dieser Jahreszeit und damit nicht der Rede wert, könnte man meinen. Aber schaut euch mal die Buden genau an. Wie sie im Kern aussehen, bevor die Händler ihre riesigen Auslagen davor aufbauen und alles bunt dekorieren. Kommen sie euch nicht irgendwie bekannt vor? Nein? Ein Tipp: Nürnberg ca. 1425! Klingelt’s? Also zumindest bei den 15tes-Darstellern sollte es das! Nicht? Dann schaut mal in die Hausbücher der Mendelschen Zwölfbrüderhausstiftungen. Genauer, Mendel I, Folio 38 verso.